The Bureau Of Atomic Tourism, Second Law Of Thermodynamics

The Bureau Of Atomic Tourism, Second Law Of Thermodynamics

T

Rat Records, RAT 020

Im „Büro für atomaren Tourismus“ agieren der Saxofonist und Bassklarinettist Andrew d'Angelo, der Trompeter Nate Wooley, der Gitarrist Marc Ducret, der Bassist Trevor Dunn, der Tastenvirtuose am Fender Rhodes Jozef Dumoulin und der Schlagzeuger Teun Verbruggen. Mit ihnen gemeinsam erkunden wir den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik. Hm, ob es diesen wohl überhaupt gibt? Vielleicht weiß das ja Google?

Wir müssen wohl unsere verschütteten Kenntnisse aus der Physik bemühen, die eher nach Unkenntnis aussehen. Wärmelehre steht auf dem Programm der sechs Herren Musiker. Warum eigentlich nicht Akustik, was doch viel näher läge? Schlägt man entsprechende Lehrbücher auf, dann lesen wir: „Je unordentlicher ein Zustand, desto größer ist seine Entropie.“ Und was bitte schön ist Entropie? Ratlosigkeit macht sich breit. Na da spitzen wir doch eher die Ohren und hören mal, was das „Büro für atomaren Tourismus“ uns so musikalisch lehrt. Jedenfalls sehen wir bei der Titelauswahl schon eine sehr komplexe Formel: X=-1/ (Ω (E)) ∑y Y Ωy(E). Na, das fängt ja schon gut an, denkt der eine oder andere. Doch Gemach, erst einmal lassen wir die Musik wirken.

Zunächst ist da ein elektronisches Tischlein deck dich, von dem sich das „Büro für atomaren Tourismus“ bedient. Eine Kreissäge scheint zu kreischen und ein Röhrenradio seine Frequenzen unablässig auszusenden, derweil Andrew d'Angelo mit stoischer Ruhe in sein Saxofon bläst. Krächzen und Kreischen dringen an unsere Ohren. Am Schlagzeug sitzt Teun Verbruggen und hält den Beat. Derweil klappert und quiekt es von irgendwo her. Man vernimmt ein Schwirren und ein Jaulen. Gelegentlichen Wohlklang entlockt Jozef Dumoulin seinem Fender Rhodes. Wer schlüpft denn da in die Rolle vorbeiziehender, schreiender Kraniche? Marc Ducret spielt für uns rotzige, rockige Gitarrenriffs, und dazu gerät die von Nate Wooley gespielte Trompete außer Rand und Band. Wir sind zu Besuch im transatlantischen „Büro für atomaren Tourismus“, in dem auch die aus den USA und Belgien stammenden Musiker ihre „Büroarbeit“ verrichten. Gesetzmäßigkeiten und Maß scheinen ihnen abhandengekommen zu sein. Die Strukturen in diesem Büro sind völlig offen, musikalisch sowieso.

Von „corollaries of the decay laws“, also von den „Konsequenzen der Zerfallsgesetze“, geht es weiter zu „BooBeeBooBeeBee“. Bei diesem Stück hat die Trompete zunächst mal das Sagen. Wer muckt denn da auf? Elektronische Klänge, die einem akustischen Messgerät oder einem gestörten Kurzwellensender entnommen scheinen, legen sich auf unser Gehör. Von „Boo“ und „Bee“ ist nichts zu merken, jedoch von Chaos und Aufruhr. „Orientierung“ bietet die Gitarre, die Rockiges von sich gibt und dann in die Tiefen eines Störsenders abdriftet. Wo ist das Thema? Das ist eine berechtigte Frage, aber die von den sechs Musikern bevorzugte Musik kennt nur Anfang und Ende, wenn auch unvorhersehbar, ansonsten ist die Musik offen und frei, Free Jazz im weitesten Sinne.

Das Sextett präsentiert uns im Weiteren zwei Teile von „Marthana“ und setzt dabei ihr exsessives freies Spiel fort, auch wenn für einen kurzen Moment ein melodisch säuselndes Saxofon zu hören ist. Irgendwie erinnert das Stück an einen frühen Morgen nach feucht-fröhlicher Nacht. Es ist nichts mehr so, wie es war, nichts mehr an dem Platz, an dem es zuvor war. Ein bisschen Wehmut scheint die Musik zum Ausdruck zu bringen. Dissonantes vermischt sich mit Harmonischem. Wie und dass eine komplexe Formel lösbar ist, erklären uns die Musiker mit ihrer Bearbeitung von „X=-1/ (Ω (E)) ∑y Y Ωy(E)“. Zum Abschied lehren sie uns das „Gesetz der Entropie“ aus der Thermodynamik. Ach ja, Physik war nie die Stärke des Rezensenten, dessen sensible Ohren vom Büro für atomaren Tourismus sehr beansprucht wurden. Die Musik ist überaus komplex. Entspanntes Zuhören ist ausgeschlossen, Kontemplation ebenso. Im urbanen Alltag ist das „Büro für atomaren Tourismus“ die ultimative Herausforderung.

© ferdinand dupuis-panther

Informationen

Rat Records
http://users.telenet.be/brunovansina/rat/catalogue.htm
http://www.ratrecords.biz/

Musiker
Teun Verbuggen
http://teunverbruggen.com/

Audio
https://www.youtube.com/watch?v=yy88KCk2bCM


In case you LIKE us, please click here:


Check out Jazz'halo radio: click on this logo please



our partners:

Clemens Communications


Silvère Mansis
(10.9.1944 - 22.4.2018)
foto © Dirck Brysse


Rik Bevernage
(19.4.1954 - 6.3.2018)
foto © Stefe Jiroflée


Philippe Schoonbrood
(24.5.1957-30.5.2020)
foto © Dominique Houcmant

 

Special thanks to our photographers:

Petra Beckers
Ron Beenen
Annie Boedt
Klaas Boelen
Henning Bolte

Serge Braem
Cedric Craps
Christian Deblanc
Paul De Cloedt
Cindy De Kuyper

Koen Deleu
Ferdinand Dupuis-Panther
Anne Fishburn
Federico Garcia
Robert Hansenne
Dominique Houcmant
Stefe Jiroflée
Herman Klaassen
Philippe Klein

Jos L. Knaepen
Tom Leentjes
Hugo Lefèvre

Jacky Lepage
Olivier Lestoquoit
Eric Malfait
Nina Contini Melis
Arnold Reyngoudt
Jean Schoubs
Willy Schuyten

Frank Tafuri
Jean-Pierre Tillaert
Tom Vanbesien
Jef Vandebroek
Geert Vandepoele
Guy Van de Poel
Cees van de Ven
Donata van de Ven
Harry van Kesteren
Geert Vanoverschelde
Roger Vantilt
Patrick Van Vlerken
Marie-Anne Ver Eecke
Karine Vergauwen
Frank Verlinden

Jan Vernieuwe
Anders Vranken


and to our writers:

Mischa Andriessen
Robin Arends
Marleen Arnouts
José Bedeur
Henning Bolte
Danny De Bock
Ferdinand Dupuis-Panther
Federico Garcia
Paul Godderis
Jean-Pierre Goffin
Bernard Lefèvre
Mathilde Löffler
Claude Loxhay
Etienne Payen
Herman te Loo
Georges Tonla Briquet
Henri Vandenberghe
Iwein Van Malderen
Jan Van Stichel
Olivier Verhelst