Tania Giannouli Trio - In Fading Light

Tania Giannouli Trio - In Fading Light

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Rattle Records

Zu Beginn ein O-Ton der Pianistin Tania Giannouli: "Oud and trumpet are two of my favourite instruments. A piano trio with these instruments is unusual, but I wanted to explore the beautiful textures, tonalities and emotional resonances that this combination of instruments offers. And of course, Andreas Polyzogopoulos (trumpet) and Kyriakos Tapakis (oud) are fabulous musicians and a joy to work with. … The music on this album is an expression of love, hope and compassion, a plea for understanding, kindness, and the need to respect and embrace our common connectedness“

Bei einem Trio hätte man gewiss eine andere Instrumentierung erwartet, aber Tania Giannouli (piano) hat sich Andreas Polyzogopoulos (trumpet) und Kyriakos Tapakis (oud) gesucht, um das aktuelle Album einzuspielen. Und wieso hat die aus Griechenland stammende Pianistin nicht eine Bouzouki in ihr Ensemble integriert, sondern eine arabische Laute, die man in der Musik der Levante und Teilen Nordafrikas hören kann? Erstmals trat Tania Giannouli in ihrer Trio-Besetzung beim legendären Jazzfest Berlin im Jahr 2018 auf. Es folgten ein Jahr später Auftritte beim Wonderfeel Festival und Zomer Fiets Jazz Tour. Tania Giannouli hat zuvor schon bei Rattle Records, einem neuseeländischen (!!) Plattenlabel, von der Fachpresse sehr gelobte und beachtete Aufnahmen veröffentlicht, so Forest Stories (2012), Transcendence (2015) und Rewa (2018), letzteres Album mit dem Neuseeländer Rob Thorne, der sich auf traditionelle Instrumente der Maori spezialisiert hat.

Das Cover des Albums ziert ein leerer, eingezäunter Pool, der von einem teilweise verwilderten Garten umgeben ist. Und was hat das mit dem Verschwinden des Lichts zu tun? Die Coverfotografie stammt im Übrigen von Savvas Lazaridis. Für die Kompositionen des Albums zeichnet allein Tania Giannouli verantwortlich. Zunächst entführen uns die Musiker in ein „Labyrinth“, lassen uns an „Hinemoa's Lament“ teilhaben, unternehmen mit uns einen „Night Flight“, ehe wir musikalisch in die „Inland Sea“ eintauchen und uns dem verblassenden Licht, „In Fading Light“, zuwenden.

Was suggeriert uns die Pianistin in den ersten Takten von „Labyrinth“? Ein vorsichtiges schrittweises Orientieren? Vogelstimmen tauchen hier und da auf. Die Schrittpassagen werden konstant gesetzt und werden durch den Trompeter des Ensembles kurz aufgegriffen. Er entführt uns in die Weite und aus der Geschlossenheit eines Labyrinths mit nur einem Ausweg heraus. Wiederkehrende und sehr aufgeladene Sequenzen verdanken wir im Weiteren Tania Giannouli. Ist da nicht auch Pizzicato wahrzunehmen, derweil wir steten Klavierpassagen und dem weichen Wellenschlag des Trompeters folgen? Und dann meldet sich auch noch der Oud-Spieler mit rhythmischen Attitüden.

Bei „When Then“ kommt wohl ein präpariertes Klavier zu Wort. Kurz gebundene, stark rhythmisierte Klangfolgen sind auszumachen. Die Trompete wird mit einem Dämpfer gespielt, klingt leicht angesäuert und spitz. Bassläufe sind dem Bläserschwall untergezogen. Rollende Klangwellen dringen ans Ohr des Hörers, so als würden Meereswellen an steile Klippen prallen. Teilweise klingt es bedrohlich und Gefahr verheißend, was Tania Giannouli uns zu Gehör bringt, während Andreas Polyzogopoulos einen weichen Klangschleier ausbreitet und der Oud-Spieler sich in Basstiefen einrichtet. „Hinemoa's Lament“ wird im Gegensatz zu den vorherig genannten Stücke durch die Färbungen der Trompete geprägt. Dabei erscheint der Trompeter wie der Sänger des Klagelieds. Getragene Klavierläufe schließen sich an. Tania Giannouli hat in dieser Komposition die Geschichte der Liebe von der bildhübschen Hinemoa und Tutanekai verarbeitet. Es ist eine der Legenden aus der polynesischen Mythologie über eine Häuptlingstochter, die am Lake Rotorua lebte und auch in der neuseeländischen Folklore Eingang gefunden hat: „Kāore he wahine. E rite ki a Hinemoa Tai ana ki a hiahia. Ki te mutunga.“ Nun aber interpretieren drei griechische Musiker diese Legende auf ihre ganz eigene Weise, nicht mit traditionellen Rhythmus- und Blasinstrumenten der Maori, sondern mit Klavier, Oud und Trompete, durchaus auch mit liedhaften Anlehnungen..

Perlende Klavierläufe machen „Night Flight“ aus. Dazu tritt eine gehauchte Trompete mit Weichzeichnungen. Sie klingt wie ein auffrischender Wind. Klangstrudel ergießen sich, ehe der Oud-Spieler zu Wort kommt und wohl eher orientalische Nächte besingt. Dabei nehmen wir zur Kenntnis, dass die Oud einen beschränkten Nachklang besitzt. Wie ein Nachtschwärmer verhält sich der Trompeter. Er nimmt uns mit durch die Nacht als ein unsteter Nachtwandelnder, der die Nacht besingt und die Nacht zum Tag macht. Beinahe tänzerisch wandeln Pianistin und Oud-Spieler mit uns gemeinsam durch die Nacht, scheinen die Schwere des Alltags vergessen zu machen.

Starke dialogische Ausfällungen sind für „Fallen“ typisch. Eher erdig und bodenständig sind die Klangfarben, die die Pianistin auf die musikalische Leinwand bringt, derweil der Trompeter eher losgelöst im Raum  mit zarten Gouachen zugange ist. Feurig ausgerichtet ist „Bela's Dance“. Das klingt nach Bauernhochzeit im Breughelschen Sinne, ganz im Sinne von Wein, Weib und Gesang. Die Pianistin nimmt dabei auch den Part der Rhythmisierung wahr, ähnlich einem Drumset. Frohlockend und sich in die Bewegung vertiefend, so klingt der Trompeter. Man kann vor dem geistigen Auge die ausgelassenen Paare sehen, die sich um einander drehen. Nach „Ingravida“ folgt „Moth“, dt. Übersetzung „Motte“ mit einer sehr nachdrücklichen Präsenz des Oud-Spielers. Verfolgt er den taumelnden Flug der Motte angesichts der Lichter der Laternen und Hausbeleuchtungen? Grazil ist der Mottenflug gewiss nicht, sondern eher unbeholfen, suchend und irrend oder verirrend. Und von Schnelligkeit wie im „Hummelflug“ kann auch nicht die Rede sein. Episch angelegt scheint „Inland Sea“. Beim Spiel des Trios meint man, das kabbelige Wasser zu sehen, auch kurze und lange Wellen und ringförmige Strudel. Untiefen verheißt der Oud-Spieler, während uns Tania Giannouli mit kristallklarem Spiel eine steife Meeresbrise nahebringt. Und das Rufen von Seevögeln versucht der Trompeter, in seinem feinen Spiel zum Ausdruck zu bringen. Die wohl freiste Form des Spiels bündelt sich im Schlussakkord des Albums: „In Fading Light“. 

© fdp


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www.taniagiannouli.eu
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