Stefan Bauer Voyage: Geographia

Stefan Bauer Voyage: Geographia

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JHM 216

Auf dem Kölner Label JazzHausMusik liegt nun die neuste CD des aus NRW stammenden und nunmehr in Brooklyn beheimateten Vibrafonisten Stefan Bauer vor. In seinem Ensemble namens Voyage spielen der aus New York stammende Saxofonist Chris Bacas und der langjährige Freund und Wegbegleiter, der Kölner Schlagzeuger Christoph Haberer, der auch für die Abmischung der CD verantwortlich zeichnete. Aus Tel Aviv stieß die Vokalistin Michal Cohen zu Voyage. Deren Scat-Gesang besticht dank der variantenreichen Stimme und des Klangumfangs nicht nur auf der vorliegenden Einspielung, sondern auch in Liveauftritten. Michal fungiert gleichsam als „stimmgewaltiges Instrument“ des Ensembles. Am Bass sehen wir Pepe Berns und am Schlagzeug Roland Schneider, der bei der Tour zur CD-Release durch den Perkussionisten Christoph Haberer als Gast an den Daraboukas und am elektronischen Glockenspiel eine gelungene Ergänzung erfuhr.

 

Der Auftakt der CD ist etwas gewöhnungsbedürftig, hat doch Stefan Bauer als Intro für seinen Besuch auf „Coney Island“ einen Geräuschteppich vorangestellt, den er im Luna Park eingefangen hat. Auch seinem Werk „Askale Tulem“, eine sehr persönliche Hommage an eine Äthiopierin, die leider verstorben ist, wählte Bauer einen Klangvorspann. Überhaupt gibt es auf der vorliegenden silbernen Scheibe viele Bezüge zu Personen, die leider nicht mehr unter uns weilen. Das Vibrafon, das Bauer bespielt, stammt von einem Wegbegleiter namens Christoph Eidens, wie Bauer ein Vibrafonist, der mit 46 Jahren sehr früh verstarb und sein Instrument Bauer überlassen hat. So lebt im Spiel Bauers auch stets ein anderer Vibrafonist auf. Auch dem vor zwei Wochen verstorbenen kanadischen Trompeter Kenny Wheeler, mit dem Bauer während seiner Zeit in Kanada oft zusammenspielte, widmete Bauer seine Musik, so seine Komposition „Seduction“ aus der CD stefang bauer voyage, ebenfalls auf dem JHM-Label herausgegeben.

Hört man dem Wechselspiel zwischen der Stimme Cohens, dem zarten Spiel des Saxofons von Bacas und den fließenden Klangfolgen zu, dann kann man sich mit Bauer auf eine Reise in andere Sphären und Welten begeben, besonders bei „Im Licht der Sterne“ und „New Shores“. Getragen-melancholisch und einem Klagelied gleichend erscheint die Komposition von Cohen mit dem Titel „Aluva“. Fast jedes Mal, wenn er diese Weise höre, käme ihm beinahe die Tränen, so verriet Bauer bei der Vorstellung seiner neusten CD.

Abschließend sei noch auf „Kartik“ hingewiesen, ein Bezug zu den ausgedehnten Indienreisen, die Bauer gemeinsam mit Haberer bereits Ende der 1970er Jahre unternahm und die ihm Weltmusik erst wirklich nahebrachte. In Bangalore traf Bauer auf das Karnataka College auf Percussion – hierzulande bekannt durch Auftritte mit dem unterdessen auch nicht mehr unter uns weilenden Saxofonisten Charly Mariano. Schließt man die Augen bei diesem Stück, dann meint man nicht Michal Cohen, sondern Rama Mani zu hören – und das ist ein Hörgenuss pur.

Text: Ferdinand Dupuis-Panther


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