Roberto Magris Sextet feat. Ira Sullivan - Sun Stone

Roberto Magris Sextet feat. Ira Sullivan - Sun Stone

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Jmood Rec.

Roberto Magris ist ein in Triest geborener, italienischer Jazzpianist, der zurzeit in den USA lebt.  Unter dem eigenen Namen sind unterdessen mehr als 30 Alben erschienen. Nun liegt ein weiteres vor, das er mit einem Sextett eingespielt hat. Die Liste derer, mit denen  Magris auf der Bühne stand, ist lang und umfasst Namen wie  Herb Geller, Albert Tootie Heath, Idris Muhammad, Ira Sullivan, Sam Reed, Brian Lynch, Tony Lakatos, Mark Colby, Chuck Bergeron, Paul Carr, Philip Catherine und Franco Ambrosetti.

An dieser Stelle seien zwei Zitate eingefügt: “The most interesting bop/post-bop pianist on the current European scene” (Brian Morton, Jazz Journal) sowie  “One of the finest piano players on the planet” (Edward Blanco, All About Jazz). Ist also auch vom jüngsten Album Bob und Post-Bob zu erwarten? Lassen wir uns überraschen.

Das Sextett, dem wir „Sun Stone“ verdanken besteht aus: Roberto Magris am Piano, dem Alt- und Sopransaxofonisten und Flötisten Ira Sullivan, dem Trompeter Shareef Clayton, dem Tenorsaxofonisten Mark Colby, dem Bassisten Jamie Ousley und dem Drummer Rodolfo Zuniga. Sie zelebrieren Bob und Post-Bop. Wer sich fragt, was es denn damit auf sich hat, sollte nicht nur „Sun Stone“ auf sich wirken lassen, sondern auch das nachstehende Zitat von Miles Davis überdenken: „ ... es fehlten die Harmonien, die man auf der Straße vor sich hin summte, um sein Mädchen aufs Küssen einzustimmen. Der Bebop hatte nicht die Menschlichkeit eines Duke Ellington. Man konnte sich nicht einmal die Melodien merken.“

Dem ist allerdings bei „Sun Stone“, insbesondere bei den vielstimmigen Bläsersätzen , nicht gänzlich zustimmen. Dieses Stück stammt wie die meisten auf der Einspielung aus der Feder von Roberto Magris, der gleich zu Beginn feine bis ins Diskant reichende Tastenkaskadierungen hören lässt. Teilweise lassen die Bläsersetzungen an Nat und Cannonball Adderley denken. Temporeich ist das Stück, vergleichbar einem Dampfzug, der nach und nach Fahrt aufnimmt. Rotzig und aufgewühlt ist das Solo-Spiel des Trompeters Shareef Clayton. Ihm folgt der Tenorsaxofonist Mark Colby nach, allerdings mit eher weichen Klangwellen und weitgehend nicht gar so zornig-aufgebracht wie Clayton. Oder hören wir doch Ira Sullivan am Altsaxofon? Auf alle Fälle rauschen die Klangfolgen, vergleichbar einer Wasserwalze an einem Wehr. Dann ist es an Roberto Magris das musikalische Zepter in der Hand zu halten, mit starker Basshand und mit sprunghafter rechter Hand. Die bisweilen zu vernehmende Hektik wird von Magris gemildert. Und dann gibt es das Unisono von Trompete und Saxofonen zu hören. Welch ein harmonischer Ohrenschmaus!

1965 entstand „Innamorati A Milano“, komponiert von Memo Remigi. Hier und da swingt es, aber der Temporeichtum von „Sun Stone“ ist nicht vorhanden. Das swingende Moment ist der Begleitung von Roberto Magris geschuldet. Dank der Dämpfung erscheint die Trompete nicht gar so rotzig und aggressiv wie im vorherigen Stück „Sun Stone“. Das Arrangement scheint eher auf eine klassische Big Band ausgerichtet, ohne in Big-Band-Besetzung aufzutreten. Solopartien lösen sich gegenseitig ab, sodass sich Momente des musikalischen Rotierens ergeben. Charakteristisch für das Stück ist außerdem das als lyrisch einzustufende Solo von Magris, der aber die Klangfolgen nicht verwässert, sondern dezidierte Akzente setzt. Selbst versteckte südamerikanische Rhythmen sind bei „Innamorati A Milano“ auszumachen.

Nachfolgend erleben wir „Planet Of Love“, auch von Magris geschrieben und als Jazz Waltz angelegt. Nachhaltig bleibt der Eindruck vom Flötenpart, der Ira Sullivan zu verdanken ist.  Mark Colby lässt sich auf die melodische Weichzeichnung ein, die Sullivan vorgegeben hat. Nach der Dramatik zu Beginn des Albums gewährt das Sextett dem Hörer eine akustische Atempause, lässt stellenweise Kontemplation zu. Das gilt hier und da auch, wenn der Bandleader Roberto Magris seine Finger über die Tasten tanzen lässt. Zudem wird in diesem Stück auch dem Bassisten Jamie Ousley ein Solo gegönnt. Dazu streichen die Besen über die Felle, dank an  Rodolfo Zuniga. Nachfolgend ist dann Ira Sullivan erneut an der Flöte zu hören, an einem Instrument, das im Jazz sehr selten geworden ist. Die Zeiten von Jeremy Steig und Herbie Mann sind längst Teil der Geschichte des Jazz, leider!


Getragen kommt „Maliblues“ daher.  Dem einen oder anderen mag beim Hören dieser Komposition von Roberto Magris der Bebop-Klassiker „A Night in Tunesia“ von Miles Davis & Charlie Parker in den Sinn kommen. Wie dieses Stück so hat auch „Maliblues“ das Zeug dazu, zu einem Jazz Standard zu werden, hier Shareef Clayton und dort Miles Davis als die herausragenden Solisten, impulsiv, auf Dramatik fokussiert. Eine besondere Note allerdings fehlt in „A Night In Tunesia“ nämlich der zarte, samtene Klang der Flöte, die wiederum eine wesentliche Komponente bei Magris‘ Arrangement darstellt.

Nach dem balladenhaften Stück  „Beauty Is Forever“ und  „Look At The Stars“ mit einem sensiblen Sopransaxofonsolo von Ira Sullivan und einem fulminanten Trompetenfurioso von Clayton folgt dann zum Abschluss „Sun Stone II“, am Ende also gleichsam der Anfang mit Abwandlungen, furios, kraftvoll, mit aufgedrehter Trompetenstimme, aufgeregt, überdreht, fordernd, zornig, in Rage. Eher in der Mission eines Friedensstifters scheint der Tenorsaxofonist  unterwegs, verbindlich, auf Harmonie bedacht, weniger erregt und außer sich. In der Strukturierung gleicht das Schlussstück weitgehend dem Eröffnungsstück. So wird, um in der Sprache der Architektur zu verharren, ein Schlussstein gesetzt, der dem Klanggebilde „Sun Stone“ Halt verleiht!

© Ferdinand Dupuis-Panther


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