Reis/Demuth/Wiltgen – Once In A Blue Moon

Reis/Demuth/Wiltgen – Once In A Blue Moon

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Self produced

"Three guys from Luxembourg who make very distinctive, very melodic, very rhythmic, very atmospheric music that stands comparison with some of the best in the  business. ... Yes, I like it very much indeed; you could even say I love it, because that would be true. But more important, you will, too.", so der schottische Autor Brian Morton in den Liner Notes über das Trio aus Luxemburg, das ein durch und durch klassisches Trio ist: Klavier-Bass-Schlagzeug.

Die präsentierten Songs lassen aufgrund der Spiellänge nicht auf ausgefuchste und ausladende Improvisationen schließen. Die Form und der Duktus sind schon sehr geschlossen und episch im Sinne von erzählend. Verwässerungen sind nicht die Sache der Drei. Insbesondere der Schlagzeuger Paul Wiltgen sorgt für eine sehr aufgeladene Rhythmik, die er auch gegen das bisweilen perlende Spiel von Michel Reis am Klavier setzt, so unter anderem in „Sacred Conversation“. Es ist banal, aber ein Klaviertrio ist ein Klaviertrio ist ein Klaviertrio, sprich die musikalische Wortgewalt liegt schon bei Michel Reis und den 88 Tasten.

Zu Beginn sind wir auf dem Freiheitspfad unterwegs: „Freedom Trail“ heißt das Eröffnungsstück. Auf dieses folgen „Push“ und „22 May 15“ sowie „Both Sides Now“, eine sehr sensible Adaptation eines sehr bekannten Songs von Joni Mitchell. Bei diesem kann sich auch Marc Demuth stärker profilieren, gehört ihm doch unter anderem die thematische Eröffnung. So steht dann auch der Bass mal im Fokus.

Zu hören sind außerdem „Never Seen Again“, „Sacred Conversation“ sowie „Catherine's Song“, mit beinahe sieben Minuten die wohl zeitlängste Komposition des Albums. „Between a Rock and A Hard Place“ wird besungen, zudem „Sunrise in Juba“. Und am Ende wird noch ein Walzer, nämlich „Waltz #4“ getanzt.

Beim Zuhören hat man den Eindruck, dass es auf dem „Freedom Trail“ über Stock und Stein geht, dass man Geröllwege nehmen muss, auf dem die Sohlen  beim Laufen klatschende Geräusche machen. Beschwingtheit strahlt das Tastenspiel von Michel Reis aus. Vorwärts heißt es bei Marc Demuth und seinem Tieftöner. So könnte man das Bild von einem jungen Draufgänger haben, der voller Naivität sich auf den Weg macht. In seiner Begleitung befindet sich ein zweiter, der die Schritte bewusst setzt und eher in sich ruhend unterwegs ist, auch wenn das Tempo im Laufe des Stücks zunimmt. Nach einem „Zwischenspurt“ geht es allerdings wieder in geruhsames Fahrwasser zurück. Ähnlich im Duktus wie das erste Stück ist auch „Push“ angelegt. Dabei wechseln sich sehr rhythmische Sequenzen mit eher lyrisch ausgerichteten ab. Redundanzen in den Tastenfolgen treffen im Verlauf des Stücks auf einen „Schlagwerkderwisch“, der ein kurzes, aber feuriges Solo einstreut.

Was hat es wohl mit „22 May 15“ auf sich? Man müsste die Band fragen. Klangliche Wellenfolgen empfangen uns. Der Eindruck einer musikalischen Seebrise drängt sich auf. Dazu scheint es Besenspiele auf den Fellen zu geben. So meint man wehenden Dünensand vor Augen zu haben. Alles scheint im Fluss zu sein, im Gezeitenstrom. „Glockenhelles Tastenspiel“ ist zu hören. Wird damit das Bild von in der Thermik gleitenden Seevögel evoziert? Das Stück ist in seiner Gesamtheit voller Leichtigkeit und Beschwingtheit so, als gäbe es kein Morgen und das Leben sei im Moment zu leben.

Beinahe kristalline Formen machen „Never seen again“ aus. Da scheinen sich Quellgebiete aufzutun, aus denen sich ein Wald- und Wiesenflüsslein entwickelt. Beschaulich und idyllisch sind Adjektive, die die Musik treffend kennzeichnen. Auch an Nocturnes erinnern einige Passagen, sprich an Chopin, im Duktus und in den Harmonien. Eingebettet in die Beschaulichkeit ist ein Basssolo, das sehr lyrisch orientiert ist. Durchaus scheint auch ein wenig Romantik mitzuspielen.

Was verkündet eigentlich „Catherine‘s Song“? Sehnsucht, Verlangen, Liebesflüstern – angesichts der Harmonien könnte man das annehmen. Den Schlussakkord des Albums bildet „Sunrise in Juba“: Sonnenaufgang im Südsudan. War das Trio je dort? Angesichts des seit Jahren in der Region tobenden Bürgerkriegs ist das schwerlich anzunehmen. So ist das wohl eher die Vorstellung von einem „erträumten“ Sonnenaufgang in Ostafrika der Kern der Komposition. Das Flirren des Lichts, die sich entwickelnde Hitze, der Weiße Nil, der die Hauptstadt des Südsudans durchströmt, all das hat das Trio in eine gefällige melodische Linie umzusetzen. Das strahlt sehr viel Kontemplation aus – und nicht nur diese Kompositionen, sondern im wesentlichen das gesamte Album. Die Hektik des Alltags kann man beim Zuhören schnell vergessen – und das ist gut so!

Text © ferdinand dupuis-panther – Der Text ist nicht Public Commons


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http://reisdemuthwiltgen.com


http://www.marcdemuth.com/
https://www.michelreis.com/
https://canopusdrums.com/en/endorsers/paul-wiltgen/


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