Pokaz Trio - Kintsugi

Pokaz Trio - Kintsugi

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Losen Records

Das klassische Jazz-Trio ist ein Trio bestehend aus einem Pianisten, einem Kontrabassisten und einem Schlagzeuger. Auch das aus Odessa (Ukraine) stammende Trio macht da keine Ausnahme: Andrew Pokaz (piano), Vitaliy Fesenko (double bass) und Yakov Taruntsov (drums). Alle Kompositionen stammen mit Ausnahme der Eröffnungsnummer namens „Slawischer Tanz“ - Dvorák lässt grüßen, oder? - von Andrew Pokaz. Für „Slavonic Dance“ zeichnet Vitaliy Fesenko verantwortlich. Weitere Tracks sind „Kintsugi“ - so heißt auch das Album -, „Elephant“, „Easy“, „Spark“, „Sphere“ und zum Schluss hört man noch die Klavierversion von „Kintsugi“. Nikita Kuzmenko ist das Cover zu verdanken, dass schroffe Klippen ,von Meereswogen umspült, zeigt. Ein direkter Bezug zu den Tracks lässt sich m. E. nicht finden. Sollte „Kintsugi“ aus dem Japanischen stammen, dann bezeichnet es eine Technik für die Reparatur gerissener Keramik. Aber in diesem Punkt bleiben Fragezeichen. Und auch der Bezug Cover zu Tracks lässt sich nicht wirklich erhellen.

Schnellfüßigkeit signalisiert das Spiel des Pianisten. Derweil bewegt sich der Bass in einem redundanten erdigen Muster. Andrew Pokaz beweist Ungezügeltheit, die jedoch im Verlauf eingefangen wird. Handflächen schlagen auf Trommeln; die Melodie, die Pokaz spielt, scheint dem Sonnenlicht zu gleichen, das durch das Laubwerk des Waldes dringt und Licht sowie Schatten auf den Waldboden wirft. Zugleich sieht man beim Zuhören vor dem geistigen Auge nicht nur modernen Tanz im Sinne von Pina Bausch, sondern auch einen ausgelassenen Bauerntanz links und rechts herum. Dabei fliegen die Röcke und die langen Haare. Stampfend-fordernd ist der Rhythmus. Und so geht es weiter und immer weiter. Hier ein Hopsen, da ein Spitzenschritt, hier eine Drehung und dort ein Überschlag. Unbändigkeit bahnt sich den Weg. „Kintsugi“ ist nicht minder feurig in der Ausformung wie der „Slawische Tanz“. Man fühlt sich als Zuhörer mitgerissen, getrieben, unstet, auch wenn es ruhige Phasen zu vernehmen gibt. Assoziationen an ein Hier und Dort gehen mit den erzählerischen Klaviersequenzen einher. Rast scheint nicht angezeigt zu werden. Vorwärts heißt es; Neues muss entdeckt werden -  mit und ohne Tastensprünge und Klangfälle. Durchaus ein wenig Popmusik strahlt „Elephant“ aus, d. h. Musik der 1970er und1980er Jahre – man denke an Fleetwood Mac und Pink Floyd – und auch ein Hauch von Singer/Songwriter kann man ausmachen. Es ist eine sehr melodisch fließende Musik, die einem inszenierten Wasserspiel gleicht, einem Wasserspiel über Terrassen.

Songhaft kommt „Easy“ daher. Es ist schlicht Musik für die Seele, ein Stimmungsaufheller, den das Trio präsentiert. Das ist nicht allein dem Pianisten Andrew Pokaz geschuldet. Auch der Bassist hat seinen Anteil daran, dass alle düsteren Gedanken verfliegen. Teilweise ergeht sich Pokaz in perlendem Spiel. Da rieseln dann die Töne wie Sandkörner durch die Finger. Rasseln sind zu hören, wenn „Spark“ erklingt. Und dann erleben wir Ähnliches wie bei anderen Stücken Andrew Pokaz', der die melodische Regie führt und uns mit Klängen verzaubert. Gegenspieler ist der Bassist, der zwar im Tempo dem Klavierspiel folgt, aber dem sprudelnden Klangquell wenig entgegenzusetzen hat. So steht Übermut gegen Beharrungswille. Mitreißend sind die Sequenzen, die wir hören. Es scheint, als säßen wir in einem TGV und würden die Landschaft im Eiltempo an uns vorbeiziehen lassen. Und auch der Bassist stimmt sein Spiel auf diese vorbeiziehenden Momentaufnahmen ab. Schließlich noch ein Wort zu „Sphere“, ein Stück, das ohne psychedelische Effekte und Effekte aus dem Off auskommt. Doch der Bassist setzt seinen Bogen so auf die Saiten, dass scheinbar Sinuskurven eines Synthesizers entstehen. Noch ein bisschen Hall wird dem gestrichenen Bass beigefugt, sodass wir ein Wabern und Wimmern lautstark vernehmen können. Nachfolgend klingt der gestrichene Bass wie die Geige, die Didier Lockwood und Jean-Luc Ponty zu spielen verstanden. Nach diesem Klangintermezzo bündelt Andrew Pokaz das Sphärische für einen Moment. Und dann, ja dann meint man, dass das Trio ähnlich wie die Rockband The Flock Rock-Jazz intoniert. The Flock setzte nicht nur ein Saxofon, sondern, welch Seltenheit in der Rockmusik, eine elektrisch verstärkte Geige ein. Schließlich vereinen sich kristalline Ausbrüche mit dem Klang des gestrichenen Basses zu einem Sphärenbündel. Und am Ende hat man bei der Pianoversion von „Kintsugi“ die Vorstellung einer Nocturne von Chopin, oder?

© fdp


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