Organ Free Trio - Mental Beauty Records

Organ Free Trio - Mental Beauty Records

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Psychodelic und Free Jazz atmend, improvisiert und schon von der Besetzung her ein Trio jenseits klassischer Instrumentierung, ein Bandname, der nur mit Augenzwinkern zu begreifen ist, ist doch eine Hammond-Orgel Bestandteil des Ensembles. Freie Musik im weitesten Sinne, bisweilen auch Geräuschmusik, präsentieren der Orgel- und Keyboard-Spieler Kalle Salonen, der aber auch an verschiedenen Synthesizern zu hören ist, der Drummer Hannu Pikkarainen und der Trompeter Antero Priha, der hier und da eine angefressene, verärgerte, trotzige und rotzige Trompete erklingen lässt. Zudem versteht er sich auch auf das eher zartbesaitete Spiel auf einer gedämpften Trompete, die nebulöse Farbschlieren zeichnet.

Antero Priha äußert sich wie folgt zur Musik des Trios: „What's important about this record is its composition and genre. Music is free improvisation on Hammond and Nord organ, trumpet and drums. Another similar line-up can hardly be found. The album was born of Kalle's desire to play totally free.We start to experiment on Lyhty studios in Helsinki and very soon we were sure: It works! The album is made for all open-minded music lovers. It really works for all kinds of people and does not require any prior knowledge or knowledge of free expression or music.”

Zunächst einmal lässt das Trio „Teilchen tanzen“ („Particle dance“), ehe die „Gedichtsammlung“ („Poem collection“)  auf dem Zettel steht. Weiterhin hören wir auf dem Album „Native ballad“, „Yellow“, „Moonwalk“, „Free heart hearts space Jazz“ und schließlich „Fear no Shadow“.

Ein Schnarren, ein Flirren, eine Erschütterung, ein Blubbern und Wabern, Spitztöniges einer Orgel, Langtöniges einer Trompete – all das ist Teil von „Particle Dance“.  Über eine Klangfläche, die vermutlich durch einen Synthesizer geschaffen wird, lässt der Trompeter Teilchen unterschiedlicher Schwere schweben, auf und ab, mal schnell verwirbelt, mal träge dahinfliegend, mal auf einer thermischen Welle reitend. Und was gibt es noch beim Teilchentanz zu hören? Ja, den Klang heulender Sirenen von Polizeiautos in den Straßen von New York sowie ein nachhaltiges Wabern, das den teilweise spitzen Linien der Trompete untergelegt ist. Metallisch klingt, was Kalle Salonen seinem Tasteninstrument entlockt. Im Übrigen folgt der Trompeter unbeirrt seinen Linien über dem übrigen „Geräuschteppich“, der mit unterschiedlicher Amplitude ausgelegt ist.

Müsste man bei „Poem collection“ nicht Lyrisches erwarten? Doch das Organ Free Trio lässt mit anderen Tönen aufhorchen: Da beschwört der Trompeter die unendliche Weite, lässt kumulierte Klangwolken vorbeiziehen. Derweil arbeitet der Drummer Hannu Pikkarainen stark mit Blechen und Hi-Hat. Dabei entsteht der Eindruck einer vorbei dampfenden Lok. Zugesetzte Maschinengeräusche, im Kern vom Organisten erzeugt, ergänzen das Klangbild. Über einem rhythmischen Feld setzt der Trompeter im Nachgang seine melodischen Konturen. Hier und da erinnert das, was zu hören ist, an eine schnell arbeitende Gattersäge. Deren Klang geht dann in einen effektvollen Klang-Tsunami ein. Und der Trompeter ist der Fels in dieser Klangbrandung. Also lyrisch ist etwas anderes und Lyrik auch!

Bei „Native ballad“ hat man zu Beginn schon das Bild, es werde eine Ballade erzählt. Doch gegen die melodisch ausgelegten Schraffierungen des Trompeters werden elektronisch-psychodelische Klänge gesetzt, die grünem schlierigen Polarlicht gleichen, so ein Bild zum Gehörten. Trab-Rhythmik kommt ergänzend hinzu. Klangschwaden verschwinden im Verlauf des Stücks im Off. Fein-gedämpft und auch ein wenig wehmütig vernimmt der Zuhörer die Trompete. Wer ist es, der da Klang-Kaskadierungen beisteuert? Hört man Synthesizer oder Orgel?

Bei „Yellow“ scheint es so, als würde man einen frühen Morgen erleben, an dem sich das Sonnenrot in Sonnengelb verwandelt. Während der Trompeter in einem steten Klangmodul verharrt, bricht der Hammond-Spieler Kalle Salonen aus, zerbricht den eigenen flächigen Klang, setzt Klangspitzen in die Flächen, lässt Klänge nachhallen und vergehen. Beinahe sprunghaft agiert in einem festen Schema der Drummer Hannu Pikkarainen. Fein gewebt scheint das, was der Trompeter zu Gehör bringt, dabei die Trompete mit einem Trichter dämpfend.

Noch ein Wort zu „Moonwalk“: Die ersten Takte deuten auf einen sehr melodischen Klangschlag hin, insbesondere weil man auch eine säuselnde Orgel hört. Doch das ändert sich beim Dialog mit der Trompete. Da treffen ein Klangschluckauf auf eine leicht erregte Trompete. Und es scheinen Worte und Widerworte ausgetauscht zu werden. Aber was ist denn nun mit dem „Mondspaziergang“? Das bleibt dann doch der Fantasie des einzelnen überlassen.

Text: © ferdinand Dupuis-Panther


Informationen

Kalle Salonen
www.kallesalonen.com

Antero Priha
www.anteropriha.com

Hannu Pikkarainen
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