Olli Hirvonen – Displace

Olli Hirvonen – Displace

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Ropeadope Rec.

Alle Kompositionen des Albums, mit dem der aus Finnland stammende, aber in Brooklyn beheimatete Gitarrist Olli Hirvonen beim Label Ropeadope debütiert, stammen von Hirvonen. Der Gitarrist, der bekannt ist für seine Vorliebe für die Musik von Deep Purple, hat für das Album ein Quartett zusammengestellt, das aus ihm selbst, dem Pianisten Luke Marantz, dem Bassisten Marty Kenney  und dem Drummer Nathan Ellman-Bell besteht.

Im Übrigen sind für Hirvonen noch andere Bezugspunkte betreffs seines musikalischen Schaffens zu nennen, nämlich der Gitarrist Ralph Towner – bekannt durch die Formation Oregon – und der Altsaxofonist Tim Berne - ein Protagonist der improvisierten Musik sowie des Avantgarde Jazz und beeinflusst vom Soul und Blues der 1960er Jahre, insbesondere von Musikern wie Sam & Dave, Johnnie Taylor, Martha & the Vandellas und Gladys Knight. Im englischsprachigen Pressetext lesen wir zudem: „Postbop and prog influences press up against Hirvonen’s years in a noise-rock outfit.“

Hirvonen ist nicht irgendein Jazzgitarrist, sondern Gewinner der Socar Montreux Jazz Electric Guitar Competition. Bereits bevor er 2011 nach New York übersiedelte, hatte es ihm Deep Purple angetan. Eine seiner frühen Bands spielte nichts anderes als Stücke dieser Band, die einst unter anderem mit der „Gemini Suite“ und der Zusammenarbeit zwischen Rockband und Philhamonischem Orchester aufhorchen ließ. Während seines Studiums an der  Sibelius-Akademie in Helsinki befasste er sich intensiv mit der Musik von George Benson, Grant Green und Artverwandtem.

Dass Jazz Rock, Fusion, Rock wesentliche Triebfedern für seine Musik sind, spürt man von den ersten Akkorden des Albums an. Eröffnet wird das Album mit „No Light“, ehe dann „Displace“, „Nondescript“ und „Size Constancy“ zu hören sind. Nach „Tactile“ folgt dann als Abschlussakkord „Unravel“.

Grollen, Donner, Getöse, Basskaskaden und Wetterleuchten  gleichen die Gitarreninterventionen: so macht Hirvonen sein Album auf, ohne Licht, so die Übersetzung des ersten Stücks. Beim weiteren Hören mag man auch an das Röhren, Grollen, Rauschen eines Flusses denken, der sich durch eine schmale Schlucht zwängt. Sobald allerdings Hirvonen dann solistisch in Aktion tritt wandelt sich der Charakter des Stücks, das nun nicht mehr einem klanglichen Malstrom gleicht, sondern mit feinem Saitengewebe aufwartet. Dabei kommt dem einen oder anderen eher Alvin Lee von Ten Years After als Deep Purple in den Sinn. Einer Folge von klanglichen Stromschnellen gleicht das, was wir hören. Auch der Pianist Luke Marantz ist darin eingebunden. Für Aufwirbelungen sorgt Nathan Ellman-Bell am Schlagwerk, ehe es dann bei „No Lights“ wieder mächtig rockt. Das gilt auch für „Displace“, eher Hard Rock als Jazz. Dabei stellt sich eh die Frage danach, was denn heute Jazz meint. Transgenres sind doch eher angesagt. Grenzgänge werden gewagt, und die Abschottung der Genres wird eher konterkariert, so auch bei Hirvonen. Er zeichnet mit nachhaltigen Saitenfolgen einen klangvollen Whirlpool mit allerlei Strudeln. Selten sind ruhigere Passagen auszumachen. Und wenn sie vorhanden sind, dann scheinen sie wie Atempausen vor einer nächsten Eruption. Zudem vernehmen wir, um im Bild der Eruption zu bleiben, einen sich verstetigenden Klangfluss, dem Lavafluss gleichend. Das ist im Kern dem Pianisten der Band geschuldet. Zum großen Finale erleben wir fulminante Springfluten des Klangs, die dann sacht auslaufen.

Mit eher lyrischen Passagen und einem „Duett“ von Piano und Gitarre beginnt „Nondescript“. Doch dann scheint sich Donnergrollen anzukündigen, derweil der Pianist in redundanten Klangfolgen verharrt. Hirvonen entführt den Hörer nachfolgend mit „Klangschummerungen“. Dabei kommt dem einen oder anderen Zuhörer Ralph Towner in den Sinn. Klangvolle Schraffuren überlagern sich im Weiteren. Außerdem erschließt der Pianist mit seinem Tastenspiel kristalline Klangwelten.

„Size Constancy“ (dt. „Größenbeständigkeit“) hört sich vom Titel her nach nicht vorhandener Variabilität an. Das wäre auch für Alternative Rock eher ungewöhnlich, kommt es doch gerade auf das Wandelbare an, auch auf eine gewisse Form des Eklektischen. Doch hören wir mal in den Titel hinein:  Der Pianist Luke Marantz entwickelt das Stück aus dem Bass heraus. Beinahe einem Glockenspiel gleicht das, was uns Olli Hirvonen zu Gehör bringt. Bass und „Diskant“ gehen nachfolgend ein Wechselspiel ein. An Gezeitenfluss kann man beim anschließenden Zuhören ebenso denken wie an das tanzende Lichterspiel von Glühwürmchen. Alles scheint im Fließen, also jenseits der im Titel suggerierten Beständigkeit!

Zum Schluss noch ein paar Worte zu „Unravel“ (dt. entwirren, entschlüsseln u. ä.): Dieses Stück kommt, soweit es die Gitarrensequenzen betrifft, dem Genre Folk-Rock ebenso sehr nahe wie klassischer spanischer Gitarrenmusik im Umfeld von Flamenco bzw. der Musik von Paco de Lucia und Al di Meola. Zudem ist es ein Stück, in dem der Bassist seine solistischen Momente hat. Das ist auf dem Album eher die Ausnahme. Unplugged scheint obendrein das Motto. Also, welch ein Finale!!

Text © ferdinand dupuis-panther


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