Nutria - Meeting In Progress

Nutria - Meeting In Progress

N

ears&eyes Records / EE:20-096

Zu Beginn ein Zitat über die Band: "The obvious stylistic comparison would be to Ornette Coleman with flavors of Dexter Gordon from Asher’s dark tenor tones, but that would be too simplistic. The true virtue of what is going on here is the lack of self-indulgence." (Stacey Leigh Bridewell, Offbeat Magazine, NOLA)

Nutria, das sind Byron Asher (tenor saxophone, clarinet, bass clarinet), Trey Boudreaux (upright bass) und Shawn Myers (drums). Ihnen ist die Einspielung folgender Tracks auf ihrem dritten gemeinsamen Album zu verdanken: „Meeting In Progress“ ist der Opener, gefolgt von „The Mission“, „Tremont, ME“ und „Making Time“. Mit „Late Solitude“ klingt das Album aus. Zuvor hören wir „Monadnock“ und „Once Annual Elegy“.

Nutria ist in New Orleans beheimatet und eine wesentliche Stimme des aktuellen Jazz und der Improvisation. Gemeinsam spielen die drei oben genannten Musiker seit 2014. Der Bandname bezieht sich auf einen nicht-heimischen eingeschleppten Sumpfbewohner im Süden von Lousiana. Einst waren die Pelze des Nagers begehrt. Nun aber nicht mehr. Nutria als Bandname ist mit Augenzwinkern zu sehen, da die drei Musiker nicht ursprünglich aus New Orleans stammen, sondern „eingewandert“ sind, so wie die Nutrias. Entstanden ist die Band im Kontext eines Kompositionsworkshops an der University of New Orleans. Durch ein Prisma brechen die Bandmitglieder all das, was sich aktuell im Jazz entwickelt. Dabei sind auch durchaus Anleihen an den Mainstream auszumachen, aber eben nicht nur. Seit 2019 ist Nutria wöchentlich in einem der erstklassigen Klubs für kreative Musik in New Orleans namens Bacchanal Fine Wine zu hören.

Eher sanft und nicht rotzig, wie sonst das Saxofon zu vernehmen ist, stellt Byron Asher seinen Holzbläser in den Dienst von „Meeting in Progress“. Weich gezeichnete Linien, Schummerungen und Schattierungen sind auszumachen. Dunklen Konturstrichen gleicht das Bassspiel von Trey Boudreaux, derweil Shawn Myers rhythmisch eingreift, um das eher fließende, wellige Spiel zu strukturieren. Den an die Küste rollenden Wellen entspricht das, was Asher uns präsentiert. Da türmen sich Wellenberge auf, fallen zusammen und laufen flach am Küstensaum aus.

Der Feder Boudreaux’ entstammt „The Mission“. Die Botschaft wird in hellen Klangfarben vermittelt. Dabei bewegt sich die Melodielinie in einer Art Formationsflug mit Auf- und Abstiegen. Auch der Bassist folgt dieser Linienführung, während der Drummer mit dem Schlägelspiel Auf- und Abschwünge hörbar macht. Beim Zuhören wird im Übrigen der eine oder andere an den Duktus erinnert, den Dexter Gordon einst pflegte.

„Making Time“ lässt sich in der Inszenierung als sehr liedhaft identifizieren, auch wenn keine Verslyrik beigegeben wurde. Dahinschmelzend ist das, was Asher seinem Holzbläser entlockt. Als Gegenpunkt zu diesem Schmelzklang erweist sich die dunkle Rahmung, die der Bassist zeichnet.

Der Drummer Shawn Myers ist für „Forth“ und ein tänzelndes Schlagwerkspiel verantwortlich. Aufhorchen lässt der Drummer obendrein mit einem Solo jenseits gängiger Taktung. Dumpf ist das hintergründige Bassgezupfe, ein Stampfen imitierend. Darüber bewegen sich die melodischen Linien, die Asher zum Stück beiträgt.
 
Einige Kompositionen wie „Monadnock“ zeigen Bezug zu geografischen Orten. Dabei handelt es sich im vorliegenden Fall um den höchsten Berggipfel im südlichen New Hampshire. Die anfänglichen Melodienlinien sind mit sich lüftenden Nebelschleiern zu vergleichen. Zugleich hat man im Weiteren das Bild erster Sonnenstrahlen in der erwachenden Bergwelt vor Augen. Vermittelt wird aber auch Folgendes: Alles geht seinen geordneten Gang, und die Langsamkeit ist das Gebot der Stunde. Durchaus Songhaftes wohnt diesem Stück inne.

Dass Asher auch auf der Klarinette ein Meister ist, unterstreicht er in „Tremont, ME“, geschrieben während eines Aufenthalts in Barn Arts (Tremont, Maine). Der Ort liegt auf der felsigen Mount Desert Island. In diesem Stück versucht Asher, die dramatischen Wechsel der Gezeiten des Atlantiks musikalisch einzufangen. Gewischte Felle begleiten das samtene Klarinettenspiel, das sich in einem Hoch und Nieder bewegt. Dazwischen gibt es glatte Klangflächen, vernimmt man ein Windsäuseln und klangliche Ausschläge, während der Bass für sonore Klänge sorgt.

Text © ferdinand dupuis-panther


Informationen

https://www.nutriamusic.com/

https://nutriamusic.bandcamp.com/


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