Morten Ramsbøl – Pippo Corvino – Anıl Bilgen: HOW FAR IS THE MOON

Morten Ramsbøl – Pippo Corvino – Anıl Bilgen: HOW FAR IS THE MOON

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Graz scheint ein Ort für den Ost-West-Dialog. Man muss vielleicht auch noch erweiternd von einer Begegnung von Orient und Okzident sprechen, vergegenwärtigt man sich die Herkunftsländer der Musiker: Der aus Dänemark stammende Bassist und Hochschullehrer Morten Ramsbøl, den unter anderem die Musik von Sting und Level 42 ebenso geprägt haben wie Jaco Pastorius und Niels-Henning Ørsted-Peteresen trifft an der Kunstuniversität Graz auf seine Mitmusiker in spe. Es ist der aus Montenegro gebürtigen Gitarristen Pippo Corvino, der gemeinsam mit dem aus Ankara stammenden, klassisch ausgebildeten Pianisten Anıl Bilgen während einer Prüfung vor Morten Ramsbøl vorspielt. 

Aus dem „Lehrer-Schüler-Verhältnis“ entwickelte sich eine musikalische Zusammenarbeit, die zum aktuellen Trio und dessen Aufnahmen führte. Diese Zusammenarbeit ist eine auf Augenhöhe, betrachtet man die Kompositionen, die jeder Musiker für das Gelingen des Albums beigetragen hat. Eröffnet wird das Album mit „Mido's Blues“ (Anıl Bilgen). Von Bilgen stammt auch das nachfolgende Stück „Time“. Auf „The Road To You“ begeben wir uns mit Pippo Corvino, der uns auch zum Rückwärtslaufen („Running Backwards“) animiert. Auch der „Titelsong“ – „How far is the moon“ – ist Corvino zu verdanken. „Dunkelblau“, „One for Bill“ – geht es da um Bill Evans, eher wohl nicht, sondern um Bill Frisell, oder? – sowie „Transit“ und „New Swing“ sind der Feder von Morten Ramsbøl geschuldet.

Morten Ramsbøl äußerte sich in einem Interview zur Musik des Trios dahin gehend, dass er in ihr Einflüsse von klassischer Musik und dänischer Volksmusik sehe. Er höre aber auch Bill Frisell und Pat Metheney aus der Musik des Trios heraus. Zugleich meinte er, die Musik habe etwas Meditatives und zugleich Cineastisches. Nun gut, aber sollte man nicht die Musik unvoreingenommen auf sich wirken lassen? Gewiss, doch kann es ja nicht schaden, mal zu hören, was einer der Beteiligten über sie denkt.

„Mido's Blues“ wird anfänglich vom Bassisten geprägt. Doch dann steigen der Gitarrist und der Pianist des Trios in den Blues mit ein. So richtig nach geerdetem Blues klingt es nicht, was wir da zu hören bekommen. Eher denken wir an Fusion und in der Tat auch an Metheney oder Frisell. Erst als der Pianist losgelassen agiert, ist der Blues gegenwärtig, energetisch und mit Verve vorgetragen. Die beiden anderen Akteure agieren dabei eher hintergründig. Hm, vielleicht hätte man dem Song noch das dunkle Timbre einer Sängerin hinzufügen sollen, aber das ist ja auch eine Frage der musikalischen Intention und Botschaft. Die Gleichwertigkeit der drei Musiker wird bereits beim ersten Song dadurch unterstrichen, dass jeder solistisch zum Zuge kommt. So hört man ein bewegtes Basssolo im letzten Drittel des Songs, abgelöst von sprudelnden Gitarrenfontänen.

An Pippo Corvino ist es, „The Road to you“ zu eröffnen. Dabei denkt man beim Hören der Melodielinie auch an Singer/Songwriter, auch wenn es keine Lyrik zu hören gibt. Das Spiel von Corvino scheint mir leider technisch nicht immer sauber zu sein. Man hört – und das ist sehr störend – das Gleiten der Fingerkuppen über die Saiten bzw. das Abheben der Finger von den Saiten, sodass ein metallisch-schwirrendes Nebengeräusch den Klangeindruck abrupt stört. Beruhigung tritt ein, wenn der Bassist, die Finger über die vier Saiten des Tieftöners springen lässt. Das perlende „Tastenrauschen“ signalisiert Kontemplation – dank sei Anıl Bilgen.

Tieftönig kommt „Dunkelblau“ daher, da der Bassist Morten Ramsbøl den Song auf seinem Kontrabass eröffnet, gefolgt von tropfenden Klangfolgen, die Anıl Bilgen auf den Tasten des Klaviers setzt. Im Wechselspiel von Bass und Klavier scheinen mal schwere und mal leichte Klangtropfen zu Boden zu fallen. In diesen Klangwechsel fügt sich Pippo Corvino nahtlos ein. Eigentlich wäre „Regentropfen“ wohl der eher angemessene Titel für das Stück gewesen. Warum aber heißt er „Dunkelblau“?

Das Ende der Geschichte aus der Feder von Corvino erzählt der Komponist und Gitarrist auf seine Weise. Wie auch andere Kompositionen ist diese – im Original „The End of The Tale“ – sehr lyrisch-erzählerisch angelegt. Manchmal überkommt den Zuhörer auch der Eindruck, eine Etüde werde zum Besten gegeben.

Nicht „How deep is the ocean“ heißt es auf dem vorliegenden Album, sondern „How far is the moon“. Schließlich gibt es nur Eigenkompositionen des Trios zu hören und keinen Klassiker von Irving Berlin. Nun gut! Wer die sehr ausdrucksstarken Abendstimmungen des romantischen Malers Johan Christian Dahl kennt,, der lässt sich um so leichter mit diesen Bildern im Kopf auf die feinen Klangkaskaden ein, die uns das Trio präsentiert. Man kann sich beim Zuhören außerdem vorstellen, feinste Wolkenschlieren ziehen über den langsam sich am Himmel zeigenden Mond. Ihn sieht man im Übrigen hinter Geäst auf dem Cover des Albums, da der Songtitel auch der Albumtitel ist.

„New Swing“ heißt es auf dem Album. Tatsächlich es swingt ein wenig, wenn das Trio in die Tasten und Saiten greift, wenn auch nicht wie bei den Klassikern der 30er und 40er Jahre, die die Massen zu Lindy Hop mit Hop und Drop animierten. Es heißt aber auch „New Swing“. Also vergessen wir den traditionellen Swing. In diesem Stück aus der Feder des Bassisten brilliert Pippo Corvino durch flüssiges und lockeres Saitenspiel, gefolgt von den perlenden Klangbächen, die uns Anıl Bilgen zu Gehör bringt. Hartnäckig folgt diesen Tastensequenzen der Bassist Morten Ramsbøl. Beim Zuhören steigt nicht nur bei diesem Song die Stimmung, sondern auch bei anderen Aufnahmen, die wie auch „Far from home“ fröhlich und gut gelaunt gefärbt sind. Bitte mehr von dieser Art von Guter-Laune-Jazz zwischen Salonmusik und Smooth After Work Jazz!

Text © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label
Natango Music
http://www.natangomusic.com/

Musiker
http://mortenramsboel.dk

http://www.natangomusic.com/releases/how-far-is-the-moon/


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