Moker: Overstroomd

Moker: Overstroomd

M

W.E.R.F.

Nein nicht auf dem vor Jahren eigens gegründeten Label chopstick hat Mathias Van de Wiele seine jüngste CD veröffentlicht, sondern auf dem Label von De Werf. Moker, zu Deutsch „Schmiedehammer“ – das sind neben dem Gitarristen und Althornspieler Van de Wiele, der Trompeter Bart Maris, Jordi Grognard, der Tenorsaxofonist und Klarinettist, Lieven Van Pee am Kontrabass und Giovanni Barcella am Schlagzeug.
Gleich zu Beginn der Einspielung – der erste Titel der CD nennt sich „Bouya-Ka“ und lässt an Musik aus dem Norden Afrikas oder an die Griots aus Mali denken – traut man zunächst seinen Ohren nicht. Van de Wiele spielt lockere Rock-Riffs, die ins Bluesige auslaufen, ehe dann die Melange durch Grognards markante Saxofonfacetten und Maris Trompetenklang bereichert wird. Und das ist erst der Anfang auf einer CD, für die Van de Wiele alle Titel komponiert hat.

Eingängig und mit hohem Wiedererkennungswert sind die Melodiepassagen, die Moker spielt. Manchmal meint man sogar Nat und Cannonball Adderley seien wieder auferstanden. „Der Schmiedehammer“ geht in die Beine und schreit nach Bewegung auf dem Dancefloor. Zugleich versetzt „Bouya-Ka“ den Zuhörer zeitweilig, so meine ich, auch auf den lebhaften Markt von Fez' Altstadt mit seinen Gauklern und Musikern.
Mit schnellem Rhythmus kommt der „Sjeik of the ice age“ daher. Sehr dominant ist hier der Bläsersatz mit Maris und Grognard. Hm, nur fragt man sich, was es mit dem „Scheich der Eiszeit“ eigentlich auf sich hat. Bei den jeweils kurzen Soli von Maris und Grognard halten sich die übrigen Musiker sehr im Hintergrund. Das gilt aber auch für die weiteren Bläserpassagen. Oh, auch ein kurzes Schlagzeugsolo ist zu hören, ehe eine schräge Bläsersequenz das Stück abschließt.
Bassläufe und anschwellender Bläserklang stimmen uns auf „Tsunami blues“ an, sehr verhalten zu Beginn, so wie ja auch der Tsunami sich nach und nach zur Urgewalt auftürmt.
Zarte „Miles-Tunes“ folgen dank Bart Maris – und noch immer hat die Riesenwelle uns nicht erreicht. Sie „schlummert“ noch irgendwo, und der Zuhörer wartet eigentlich auf das Inferno, auf das Crescendo, wenn die Riesenwelle sich über das Land ergießt. Doch nichts davon ereignet sich. Ist „Tsunami Blues“ also der Nachgesang nach dem Tsunami, nach dem unvorstellbaren Unheil und der Zerstörung, die medial bis zu uns vordrang? „Overstroomd“ – ist das noch so eine Katastrophe, die gekonnt vertont wurde? Beinahe im Gleichklang erklingen bei dieser Van-de-Wiele-Komposition Bläser und Gitarre. Bisweilen „stört“ der „dissonante Gitarrensound“ die Bläserläufe. Ist ein Deich gebrochen? Kommt das Wasser näher? Oder ist hier gar nicht von einer Flutkatastrophe die Rede? Narren, die unterwegs sind. Gaukler, die ihr Können zeigen, Konfettiregen, der niedergeht, das mag sich der eine oder andere Zuhörer von „Carnavalesco“ als Bild zur eingängigen Musik vorstellen. „Kammermusikalisch-getragen“ endet die Einspielung mit „Coda“. Also, Ohren auf für den „Schmiedehammer“!

© text Ferdinand Dupuis-Panther

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