Menza - Chicco - Reiter: "NON DIMENTICAR"

Menza - Chicco - Reiter: "NON DIMENTICAR"

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alessa records, LR 1027

Was als kleine Last-minute-Tour vor zwei Jahren begann, entpuppte sich sehr schnell als Glücksfall für die drei Musiker, den Saxofonisten Don Menza, den Hammond-Orgelspieler Renato Chicco und den Drummer Bernd Reiter. Was man auf dieser CD hören kann, ist das Ergebnis dieser Tour, live aufgenommen im Jazzland Wien.

 

Lediglich eine Komposition steuert Don Menza zum Album bei, während das Trio sonst bekannte Standards wie „All Of Me“ oder „All The Things You Are“ interpretiert, gewiss mit einem Arrangement, das auf das bass- und pianolose Trio abgestimmt ist. Auch wenn der klassische akustische Kontrabass, eigentlich essenziell für jede Jazzband, fehlt, so fehlten dank Renato Chicco die Basslinien dennoch nicht: Mit dem Basspedal und der linken Hand ist der Bass beim Spiel des Trios stets präsent.

Aufgemacht wird das Album, das sieben Stücke umfasst, mit All Of Me, komponiert von Gerald Marks (1900–1997) und dem Text von Seymour Simons (1896–1949). Entstanden ist der Song 1931 für eine kleine Revue im Fisher Theatre von Detroit. Zu hören ist in der aktuellen Aufnahme eine Instrumentalversion, die wesentlich durch das Wechselspiel zwischen Saxofon und Hammondorgel bestimmt wird. Allerdings muss angefügt werden, dass Don Menza mit seinem Tenorsaxofon sehr weitgehend die Hörfarben dominiert. Gekonnt wirbelt Bernd Reiter im Hintergrund an seinem Schlagwerk, während Renato Chicco einen flauschigen Klangteppich zum Gelingen von „All Of Me“ beisteuert. Man hat beim Hören den Eindruck, dass die beiden Protagonisten, Menza und Chicco, sich gleichsam die klanglichen Bälle zuspielen, wenn auch der eine den anderen dabei variantenreich umspielt. Beschwingt geht es zu, wenn Chicco seinen Part spielt. Stets sind die Melodie und das Melodische auszumachen, wenn auch hier und da durch Phrasierungen überlagert. Als Intermezzo anzusehen sind Reiters kurze Soli, bei denen sein Können am Schlagwerk aufblitzt. Ein fulminantes Furioso ist ihm allerdings nicht zugestanden worden. Gefolgt wird „All Of Me“ von „Somewhere Over the Rainbow“, einem Titel, der vor gewisser Zeit in einer eher als Popsong angelegten Version die Charts stürmte. Der Ukulele-Spieler Israel Kamakawiwo'ole vermittelte mit dem Song Südseeflair pur. Auch andere Titanen der Pop- und Rockwelt wie Jeff Beck und Eric Clapton haben sich des Titels angenommen. Die Einleitung und ein 32-taktiger Refrain in A-A-B-A stammen im Original von Harald Arlen. Mit elegischem Spiel eröffnet Don Menza den Standard von Arlen. Beim Zuhören überkommt den Hörer das Gefühl unendlicher Weite. Schließlich sind ja wir ja über den Wolken unterwegs und schweben über den Regenbogen dahin gleichsam wie Nils Holgersson auf dem Rücken einer Wildgans. Satt ist der Klangteppich, den Chicco ausbreitet, virtuos das, was Menza seinem Holzbläser entlockt. Mit „No Moe“ haben sich die Musiker einen weiteren Jazzklassiker vorgenommen, diesmal von Sonny Rollins komponiert. Dabei führt Don Menza nachhaltig Regie. Hören wir da nicht einen veritablen Bass? Das muss Renato Chicco sein, der sein Basspedal zum Einsatz bringt. Irgendwie scheinen sich auch ein wenig Boogie und Blues in die Songinterpretation eingeschlichen zu haben. Dabei lässt Chiccos Spiel ab und an an Jimmy Smith denken. Nachfolgend ist eine Liebeserklärung zu hören: „All The Things You Are“. Charly Parker und auch Ella Fitzgerald haben diesen Titel des Duos Kern/Hammerstein II in jeweils eigenen Arrangements und Instrumentierungen eingespielt und nun das Trio Menza-Chicco-Reiter. Schiebt man den Gedanken an eine „Liebeserklärung“ beiseite und schließt beim Hören die Augen, dann kann man sich zur Musik auch einen Herbstspaziergang durch raschelndes Herbstlaub vorstellen. Dazu gibt es warme Temperaturen, denn wir erleben einen veritablen Indian Summer. Wie wäre es denn mit einer Zugreise von Leibnitz aus? Kein Problem, Don Menza lädt uns in seinem Song „The Last Train From Leibnitz“ dazu ein. Doch was hat Menza dazu bewegt, ein Stück in der steirischen Stadt Leibnitz beginnen zu lassen? Wohin führt uns wohl die Reise? Wann fährt eigentlich der letzte Zug aus Leibnitz ab, denn Menza besteigt mit uns den letzten Zug? Wir können darüber nur mutmaßen. Zu hören ist eine temporeiche Nummer, der es auch an einem Schuss Funk und Blues nicht fehlt. So sind wir denn mit dem ratternden Menza-Express unterwegs zu dem nächsten Jazzstandard: „You Don't Know What Love Is“.

Man muss Jazzstandards in neuem Gewand mögen, dann schätzt man auch die vorliegende Einspielung, die im Trend zu liegen scheint. Mehr und mehr gibt es eine Rückbesinnung auf Swing, Bebop, Hard Bop, Cool und Modern Jazz nicht nur unter jungen Jazzmusikern. Es scheint, als entdecke man gegenwärtig die Titanen des Jazz und den Broadway wieder neu.

Text: © ferdinand dupuis-panther

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Alessa Records
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