Matthias Bergmann - All The Light

Matthias Bergmann - All The Light

M

Float Music, FLO 10

Auch wenn auf dem Cover, neben „Mikadolichtstrahlen“, die an ein Lichtkunstwerk von François Morellet erinnern, nur der Name des Trompeters und Flügelhornisten Matthias Bergmann erscheint, so hat er das Album nicht solistisch eingespielt. An seiner Seite standen: Claudius Valk (Tenor Saxophone), Hanno Busch (Guitar), Hendrik Soll (Piano). Cord Heineking (Bass) und Jens Düppe (Drums).

Mit „All The Light We Cannot See“ beginnt das vorliegende Album, erzählt von „Slam“ und von „A Thousand Years“ sowie von einem gewissen „Herrn Nilsson“, ehe mit „Lost“ der letzte Titel des Albums erklingt.

Mit viel Beckenwirbeln und perlenden Klangreihen, die der Pianist auf schwarzen und weißen Tasten erzeugt, entwickelt sich das „Licht, das wir nicht sehen können“. Wo aber soll es denn Licht geben, das wir nicht sehen können?  Na klar, das ist das Licht, das nicht in unser Auge reflektiert wird. Licht als solches kann man in der Tat nicht sehen. Konzentrieren wir uns aber mal ganz auf die Musik ohne einen physikalischen Exkurs. Wenn wir das tun, dann folgen wir dem Klang der Trompete, die sich recht losgelöst zeigt. Hören wir zu und schließen die Augen, dann tauchen wir in die Schar von Flaneuren ein, die von Café zu Café und von Schaufenster zu Schaufenster eilen und die dort gezeigten neusten Modetrends betrachten. Manchmal sind auch ganz Eilige unterwegs – man beachte mal die bewegten Pianopassagen. Sie verraten ein Hin und ein Her. Die Gitarrenpassagen scheinen Pflastergetrippel zu gleichen, aber auch bedächtige Schritte sind zu hören. Derweil geht alles seinen sonstigen Gang.

„Slam“ kann sowohl Verriss als auch Knall bedeuten. Doch davon hat der eingespielte Titel von Matthias Bergmann & Co. rein gar nichts. Im Gegenteil, es groovt mächtig, und man wartet jede Sekunde auf eine Entwicklung in Richtung Funk, die jedoch ausbleibt. Lässt man seiner Fantasie freien Lauf, so denkt man beim Zuhören, an lange Strandspaziergänge, an Meeresrauschen – dem Schlagwerk ist das geschuldet –, an rauschende Springbrunnen, an Stuttgarter Stiegen, über die man aus dem Talkessel heraus so flott nach oben eilt, wie Matthias Bergmann seine Trompete schmettert. Abgelöst wird er dabei von dem Tenorsaxofonisten Claudius Valk, der uns eher wieder aus den Stuttgarter Höhen zurückbringt. Wie gesagt, mit dem Titel „Slam“ konnte ich bezüglich des Gehörten wenig anfangen. Zudem mangelt es an dem spezifischen, „knallenden Beat“, den man bei Slam bzw. Poetry Slam erwartet. Auch Hendrik Soll am Piano zeigt uns diesen Beat nicht, sondern verfällt eher in Funkverwandtes.

Mit Dämpfer auf der Trompete spielt Matthias Bergmann „A Thousand Years“, sehr getragen und verhalten. Hier und da meint man gar, Kammermusikalisches herauszuhören. Das gilt auch dann, wenn Bass und Gitarre das Zepter in den Händen halten und das Thema, das Matthias Bergmann angespielt hat, behutsam variieren. Besen wischen derweil sacht über die Trommeln. Es sind die leisen Töne, die Matthias Bergmann und Co. bei diesem Song anstimmen.

Kommen wir nun zu „Herrn Nilsson“, ehe mit „Lost“ der letzte Titel des Albums erklingt. Der Auftakt von „Herr Nilsson“ hat schon eine Funknote, ehe es dann in Richtung Post-Bop weitergeht. Hanno Busch wird bei seinem Gitarrenspiel auch ein wenig bluesig, ehe dann wieder die Bläser das Sagen haben, im Chor und auch solistisch. Wem dazu die Granden des Jazz der 50er und 60er Jahren einfallen, mag nicht ganz falsch liegen. Für mich hat dieser Song etwas von Adderley Brothers revisited. Auch „So What“ kam dem Rezensenten in den Sinn. Doch wer ist denn bloß Herr Nilsson? Manchmal bleiben Fragen halt unbeantwortet!

Zum Schluss geht es um Verlorenes, um „Lost“: Hendrik Soll am Piano gehören die ersten Takte, ehe sich dann Claudius Valk am Saxofon zu Wort meldet. Melodielinie und Harmonien künden spätestens beim Solo von Matthias Bergmann von Schmerz, Trauer und Abschied. So könnte man wohl auch mit Fug und Recht von einem Lamento sprechen, mit dem das Album seinen Abschluss findet. Aber auch das gehört zu einem Album, das sich nicht einer Klangfarbe verschrieben hat, sondern sich in Facetten und Nuancen zeigt – und das ist gut so.

Text: © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label
Float Music
http://www.floatmusic.com

Musiker
Matthias Bergmann
http://www.matthiasbergmann.com

Jens Düppe
Interview: http://www.jazzhalo.be/interviews/jens-dueppe-interview-mit-dem-schlagzeuger/
http://www.jensdueppe.de
http://www.jensdueppe.de/Bio_engl.html
https://www.facebook.com/Jens-D%C3%BCppe-1445128099088003/timeline/

Claudius Valk
http://www.iclaude.de/

Hanno Busch
http://hannobusch.com/

Hendrik Soll
http://www.hendriksoll.de/

Cord Heineking
http://www.cordheineking.com/music.php


In case you LIKE us, please click here:


Check out Jazz'halo radio: click on this logo please



our partners:

Clemens Communications


Silvère Mansis
(10.9.1944 - 22.4.2018)
foto © Dirck Brysse


Rik Bevernage
(19.4.1954 - 6.3.2018)
foto © Stefe Jiroflée


Philippe Schoonbrood
(24.5.1957-30.5.2020)
foto © Dominique Houcmant

 

Special thanks to our photographers:

Petra Beckers
Ron Beenen
Annie Boedt
Klaas Boelen
Henning Bolte

Serge Braem
Cedric Craps
Christian Deblanc
Paul De Cloedt
Cindy De Kuyper

Koen Deleu
Ferdinand Dupuis-Panther
Anne Fishburn
Federico Garcia
Robert Hansenne
Dominique Houcmant
Stefe Jiroflée
Herman Klaassen
Philippe Klein

Jos L. Knaepen
Tom Leentjes
Hugo Lefèvre

Jacky Lepage
Olivier Lestoquoit
Eric Malfait
Nina Contini Melis
Arnold Reyngoudt
Jean Schoubs
Willy Schuyten

Frank Tafuri
Jean-Pierre Tillaert
Tom Vanbesien
Jef Vandebroek
Geert Vandepoele
Guy Van de Poel
Cees van de Ven
Donata van de Ven
Harry van Kesteren
Geert Vanoverschelde
Roger Vantilt
Patrick Van Vlerken
Marie-Anne Ver Eecke
Karine Vergauwen
Frank Verlinden

Jan Vernieuwe
Anders Vranken


and to our writers:

Mischa Andriessen
Robin Arends
Marleen Arnouts
José Bedeur
Henning Bolte
Danny De Bock
Ferdinand Dupuis-Panther
Federico Garcia
Paul Godderis
Jean-Pierre Goffin
Bernard Lefèvre
Mathilde Löffler
Claude Loxhay
Etienne Payen
Herman te Loo
Georges Tonla Briquet
Henri Vandenberghe
Iwein Van Malderen
Jan Van Stichel
Olivier Verhelst