Matthew Halsall - Salute to the Sun

Matthew Halsall -  Salute to the Sun

M

Gondwana Records

Der in Manchester geborene und lebende Matthew Halsall ist nicht nur Komponist, Trompeter und Produzent, sondern auch Mitbegründer des Labels Gondwana Records. Im Pressetext lesen wir über Halsall: „A trumpeter whose unflashy, soulful playing radiates a thoughtful beauty and a composer and band-leader who has created his own rich sound world. A sound that draws on the heritage of British jazz, the spiritual jazz of Alice Coltrane and Pharoah Sanders, as well as world music and electronica influences, and even modern art and architecture, to create something uniquely his own. ...“

Mit „Salute to the Sun“ stellt Halsall seine neue Band vor: Matt Cliffe (flute & saxophone), Maddie Herbert (harp), Liviu Gheorghe (piano), Alan Taylor (drums) sowie Jack McCarthy (percussion) und Halsalls langjähriger Mitstreiter, der Bassist Gavin Barras. “I feel Salute to the Sun is a positive earthy album. I wanted to create something playful but also quite primitive, earthy and organic that connected to the sounds in nature. I was listening to lush ambient field recordings of tropical environments such as jungles and rainforests and found myself drawn to percussive atmospheric sounds which replicated what I was hearing (bells / shakers / chimes / rain sticks) and I started to experiment with more wooden percussive instruments such as kalimba and marimba”. So ein O-Ton des Komponisten und Trompeters Halsall.

„Harmony with Nature“ eröffnet das aktuelle Album: Rasseln machen sich zu Beginn bemerkbar, Urwaldstimmen gesellen sich dazu. Das Rasseln klingt wie ein plätschernder Wasserfalls. Klanghölzer schlagen aufeinander. Fern hört man eine Flötenstimme. Ist da nicht auch eine Triangle und ein sanft gestimmtes Saxofon zu vernehmen? Weich ist der Klang der Trompete zu Vogelrufen.  Beim Zuhören hat man den Eindruck Nebelschwaden würden dahin schweben. Kurz angerissen sind die Saiten einer Harfe und dazu hört man den tiefen Klang des Basses. Insgesamt gleicht das Stück einem Hörspiel, das den tropischen Regenwald in Klangfarben einfängt. Nach einem heftigen Regenfall verdampft das Wasser und die Schwüle greift um sich – so ein Bild kann der eine oder andere beim Zuhören im Kopf haben. Nachhaltig im Gedächtnis bleibt Halsalls Trompetenspiel. Das ist unaufgeregt, nicht rotzig, nicht angesäuert, sondern, so als würden Klänge in Pastellrot und Pastelgrün umgesetzt werden. Der Klang des Bläsers ist dem sogenannten nordischen Fjordsound eines Mathias Eick nicht unähnlich, oder?

Nach dem Eröffnungsstück hören wir „Joyful Spirits of the Universe“. Klanghölzer mit Bassbegleitung und gezupften Harfensaiten – so wird instrumental das Stück eröffnet. Und dann – selten genug im modernen Jazz – erhebt sich eine tragende Flötenstimme, die auch ein wenig an Fernost erinnert. Stark ist die Rhythmisierung, über der sich der Klangschleier der Flöte legt. Prägnant sind die Umspielungen, die der Pianist Liviu Gheorghe sensibel zum Gesamtkonzept beiträgt. Rinnender Klangfluss vereint sich mit zartem Drumming und wenigen kurzen Beckenverwirbelungen. So als würden sich tropische Wolken zusammenballen, um sich alsbald zu ergießen, mutet Halsalls Trompetenspiel an. Das ist durch und durch erzählerisch, unaufgeregt und nahezu als poetisch ausgeformt zu bezeichnen. Eingebunden in die Erzählstruktur ist auch ein Basssolo, das mit wenigen Tastenakzenten begleitet wird. Nervös ist dazu das Drumming mit kurzen Schlägen vor allem auf den Rand der diversen Trommeln. Der Bass scheint im Übrigen den Fußspuren Halsalls zu folgen. Hier und da gleiten die Finger der Harfenistin Maddie Herbert über die Saiten ihres Instruments. Dadurch entsteht ein fein gewebter Klangvorhang. Zudem vernimmt man Klanghölzer, die der Geschichte einen Hauch von Afrika einflößen. Oder ist es eine Kalimba oder ein Marimbafon? Wie ein sanfter Wind hört sich die Flötenstimme an, die nichts von Ian Anderson oder „El Condor Pasa“ hat. Eher vermittelt der Flötist Matt Cliffe wie auch der Trompeter Matthew Halsall ein sphärisches Kaleidoskop.

Nach „Canopy & Starts“ sowie „Mindfulness Meditations“ – beide im Duktus gut eingefügt in die atmosphärische Gesamtinszenierung des Albums - folgt „Tropical Landscape“. Anmutungen von afrikanischen Trommeln und Marimbafon eröffnen das Stück, das einen sehr eingängigen Rhythmus und eine sehr schöne Melodie aufweist, die Matt Cliffe vorträgt. Fernöstliches scheint dabei nahe, obgleich es um eine tropische Landschaft geht. Ist es zu kurz gegriffen, wollte man Cliffes Ansatz mit dem von Paul Horn und dessen Einspielungen u.a. „Inside the Great Pyramide“ vergleichen? Nein, New Age ist es nicht, was wir hören. Da war dann Paul Horn im Laufe seiner Karriere bestimmter. Obgleich das Melodische einen wesentlichen Teil der Musik einnimmt, kann man aber auch nicht von Smooth Jazz reden, der da mehr oder minder belanglos ans Ohr des Hörers plätschert. Halsalls Musik ist wesentlich differenzierter und lässt auch stets Raum für solistische Interventionen, so auch im vorliegenden Fall des Bassisten Gavin Barras, der uns ein wahres Saitentänzchen erleben lässt. Nur kurz sind hingegen in den meisten Stücken die musikalischen Beimischungen der Harfenistin. Warum eigentlich?

In „Salute to the Sun“ dagegen, darf zu Beginn Maddie Herbert ihr Saiteninstrument voll zum Klingen bringen, ehe dann der Pianist und danach der Trompeter die Klangfarben anmischen.. Weit trägt der Klang des Bläsers, schwebend, gleitend, wie sich auflösender Nebel, wolkig dahinziehend. Und immer wieder taucht das Arpeggio auf, typisch für die Harfe. Derweil sind die beschwörenden Klänge des Trompeters zu vernehmen. Zum Schluss erleben wir „Energy of Life“: Durchaus vom Soul inspiriert scheint das Stück, das nicht nur von der starken Rhythmusgruppe, sondern vor allem vom glockenhellen Flötenklang lebt. Dabei strahlt Cliffes Spiel durchaus etwas Kontemplatives aus. Ähnliches gilt auch für Halsall, der das phrasiert und wandelt, was Cliffe „vorgesungen“ hat.

© ferdinand dupuis-panther


Informationen


https://matthewhalsall.bandcamp.com/album/salute-to-the-sun
https://www.matthewhalsall.com
https://www.gondwanarecords.com


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