Marty Elkins - Fat Daddy

Marty Elkins - Fat Daddy

M

Nagel-Heyer Records

Die Vorliebe der Sängerin Marty Elkins für Jazz und Swing, aber auch für Gospel und Blues wird auf dem aktuellen Album überaus deutlich. Es ist eine musikalische Reise zu den Wurzeln des Jazz.  Elkins hat auch das richtige Timbre und die richtige Stimmfärbung, um Songs zu präsentieren, die vor Jahrzehnten geschrieben und von Sängerinnen wie Alice Faye, Ella Fitzgerald und Ethel Waters vorgetragen wurden. Altbacken erscheinen die 14 Songs des Albums keineswegs, im Gegenteil, Elkins hat ihnen auf ihrem sechsten Album seit dem Jahr 2000 eine Frischzellenkur verpasst, ohne jedoch die Wurzeln dieser Musik zu ignorieren.

Schon zur Zeit, als Elkins in Boston das College besuchte, begann sie zu singen und trat damals gemeinsam mit dem Pianisten Dave McKenna auf. Nach der Übersiedlung nach New York City war sie regelmäßig im Jimmy Ryan’s zu hören, einem sehr populären Club für traditionellen Jazz in der  52nd Street.

Für das aktuelle Album hat sich die Sängerin u. a. alte Weggefährten und Freunde an Bord geholt, so den Pianisten und Organisten JOEL DIAMOND, den Trompeter JON-ERIK KELLSO, den Pianisten STEVE ASH,  den Bassisten LEE HUDSON, den Drummer TARO OKAMOTO und den Percussionisten LEOPOLDO FLEMING, der lange Zeit mit Nina Simone zusammengearbeitet hat.

Aufgemacht wird das Album mit der „beschwingten“ Version von “You Turned the Tables on Me,” erstmals 1936 mit Alice Faye aufgenommen. Sehr auffällig ist der Beginn der Interpretation von Marty Elkins, die sich dabei auf den Bassisten und den Pianisten stützt. Auch der Klang der Orgel im Hintergrund liegt unter dem Swing, den Elkins uns zu Gehör bringt. Dabei ist die Stimme voll und nicht überdreht. Auch Scat Vocals streut die Sängerin in ihren Vortrag ein, ehe dann der Trompeter JON-ERIK KELLSO die melodische Regie übernimmt. Dabei wird er durchs Besenwerk des Drummers und den Klang der Orgel punktgenau begleitet. Ganz und gar dem Genre des Gospels zuzuordnen ist der stark rhythmisierte Song „On Revival Day“. „Glory, Glory, Hallelujah ...“ ist dabei ebenso eingeschlossenen wie ein kurzes Trompetensolo.

Aus dem Jahr 1936 stammt  “How Can You Face Me”, ein Song von Fats Waller. Eher balladenhaft kommt dieser Song daher. Doch auch hierbei breitet sich Schritt für Schritt Swing aus, auch und gerade wenn die gedämpfte Trompete sich Gehör verschafft. Zu beachten ist obendrein das fein gewobene Gitarrensolo auf dieser Aufnahme, dank sei JAMES CHIRILLO. 1956 entstand “That’s All There Is To That”, ein eher lyrisch erscheinendes Stück, mit dem einst Dinah Shore auftrat. Dabei ist ein gewisser Blues-Unterton nicht von der Hand zu weisen. Das mag auch an der Begleitung durch den Organisten JOEL DIAMOND liegen und an den Akzentuierungen, die der Pianist der Band an den Tag legt.

Mit “It’s Too Hot For Words” begegnen wir Billie Holiday, die mit diesem Song 1935 in Clubs zu hören war. Für das Ohr des Rezensenten klingt die Interpretation des Songs auf dem aktuellen Album sehr nach Dixieland Jazz, insbesondere bei dem Solo des Trompeters, der von der Rhythmusgruppe und dem Gitarristen dabei untergründig begleitet wird. Hier und da hat man auch den Eindruck, der Hot Club de France sei wiederauferstanden, insbesondere wenn der Gitarrist solistisch in die Saiten greift.

Holiday nahm zudem “Trav’lin’ All Alone” auf, ein Song, der auch auf „Fat Daddy“ zu finden ist. Mit der Lady des Jazz Ella Fitzgerald bringt man “Cow Cow Boogie” in Verbindung, einst für den Film “Ride ‘em Cowboy” geschrieben. Rhythmisch wird tatsächlich auch der Ritt der Cowboys imitiert, die beim Einfangen der Rinder unterwegs sind. Derweil hört man sehr verhalten, den rollenden Bass, der zu einem Boogie gehört. Viel auffälliger ist jedoch die sich echauffierende Trompete, die gedämpft ist und zugleich ab und an ein wenig heult und jault.

Ella machte außerdem “It’s A Pity To Say Goodnight” berühmt, und dieser Sog fehlt ebenso wenig auf dem vorliegenden Album wie “My Old Flame”, ursprünglich von Mae West begleitet vom Duke Ellington Orchestra gesungen. “Fat Daddy” darf auf dem Album gleichen Namens nicht fehlen. Der eine oder andere mag dabei die Version von Dinah Washington noch im Ohr haben. Wer sich für Swing und traditionellen Jazz erwärmen kann, der wird die musikalische Reise gemeinsam mit Marty Elkins überaus genießen.

Text: © ferdinand dupuis-panther – Der Text ist nicht public commons.

Informationen

www.martyelkins.com
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