Maria Baptist Orchestra: Here & Now

Maria Baptist Orchestra: Here & Now

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Nach Soloprojekten und Einspielungen mit ihrem Trio hat die in Berlin und New York beheimatete Pianistin Maria Baptist nun den Sprung gewagt und Werke für ein großes Orchester komponiert und arrangiert. Um das Maria Baptist Trio bestehend aus der Pianistin Maria Baptist, dem Bassisten Ralph Grässler und dem Drummer Roland Schneider sind auf der aktuellen CD die Holzbläser David Beecroft (alto, soprano sax and flute), Jan v. Klewitz (alto sax, flute), Max Hacker (tenor sax), Patrick Hamacher (tenor, soprano sax) und Nik Leistle (baritone sax and bass clarinet) zu hören. Hinzukommen noch die Trompeter und Flügelhornisten Greg Bowen, Eddie Hayes, Philip Sindy und Ruben Giannotti sowie die Posaunisten Jörg Bücheler, Nils Marquardt, Musashi Baba und Christopher Sauloff. Letzterer ist übrigens an der Bassposaune zu hören. Angesichts dieses satten Bläsersatzes muss man sich auf unbändige Stimmgewalt einstellen. Nach der Einführung, in deren Mittelpunkt das Trio der Pianistin Maria Baptist steht, hören wir „Natural Landscape“ mit Soli von David Beecroft und Jan von Klewitz. Gefolgt wird dieser Titel von „Here &Now“, in dem Ralph Grässler sein Können am Bass unter Beweis stellen darf. Aufgenommen wurde auch das Stück „Roof Garden“, das sich auch auf einem anderen Album von Maria Baptist wiederfindet. Mit „Serenity“ - wiederum hat David Beecroft am Altosaxofon seine Momente – und mit„B'Dazzled Blue“ wird das vorliegende Album abgerundet.

Bereits bei früheren Aufnahmen und Kompositionen von Maria Baptist war die gewollte Verschmelzung von Jazz und klassischer Musik nicht zu überhören. Neben Ellington und Mingus ist der Einfluss von Debussy und Ravel auf Maria Baptist nicht zu übersehen bzw. zu überhören, so vermittelt es der sogenannte Waschzettel zum Album. Dabei pflegt Maria Baptist einen sehr energetisch, dramatisch angelegten Duktus. Dem Melodischen kommt auch bei dem vorliegenden Album ein wesentlicher Stellenwert zu. Internationale Musikmagazine würdigen die Komponistin, Hochschullehrerin und Pianistin in vielfältiger Weise: „Maria Baptist's music connects European tradition with the American Jazz-Ethos“(Down Beat). „Maria Baptist is in a league with the key figures of modern big band jazz such Schneider, Gruntz, McNeely or Bley.“ (All About Jazz)

Hier und Jetzt, dort und dorthin – das vermittelt uns die Pianistin Maria Baptist in der Einleitung des live aufgenommenen Albums. Ihre Handschrift scheint dabei immer wieder durch, auch wenn die Stimmgewalt des Orchesters Maria Baptist und ihre Rhythmusgruppe beinahe in den Hintergrund drängt. Der energiegeladene Duktus, der bereits oben beschrieben wurde, ist auch in dem Solo der Berliner Pianistin zu hören. Kraftvoll werden die Tasten angeschlagen. So setzt Maria Baptist Zäsuren und bricht den gewaltigen Bläserfluss, der den Klangraum total beherrscht, wenn sich denn David Beecroft und Co. zu Wort melden.

Lauscht man dem ersten Stück des Albums, so muss man an Kaskaden, an rauschendes Wasser, an reißende Flussläufe, an perlende Bachläufe, an Fortgang, an Fortschritt, an Entwicklung, an Wellenhügel, an Bewegung auch im Sinne futuristischer Gemälde denken. Das gilt auch dann, wenn Jörg Bücheler zu seinem Solo auf der Posaune ansetzt. Irgendwie lautet die Botschaft „Alles fließt!“

„Hier und Jetzt“ - der Titelsong „Here & Now“ des Albums, wenn man so will - erinnert in den Harmoniestrukturen an Kompositionen, die Maria Baptist bereits in vorherigen Alben umgesetzt hat. Fanfaren und Triumphklänge mischen sich, wenn das vielstimmige Orchester zu hören ist. Eingewoben in das Orchestrale sind immer wieder auch Solopassagen, so auch von Ralph Grässler am Bass, der mit flinken Fingern die Saiten seines Tieftöners zum Schwingen bringt, derweil Maria Baptist ihn hintergründig rhythmisch begleitet. Das Klangbild ändert sich, als Max Hacker sein Tenorsaxofon einbringt. Der Zuhörer scheint von ihm auf einem fliegenden Teppich in den musikalischen Himmel gehoben zu werden. Dieser Eindruck verstärkt sich noch, als das Orchester aus voller Kehle ins Horn stößt, um mal ein ein wenig abgegriffenes Bild zu verwenden.

Anschließend hören wie eine Liebesballade, deren Anfang von Maria Baptist gestaltet wird. Irgendwie scheinen dabei Evans und Garner mit im Spiel zu sein, oder? Samten ist der Klang des Flügelhorns, das nachfolgend in die Ballade einstimmt, ehe dann die Rhythmusgruppe das Ihre zur Gestaltung des Stücks beiträgt. Ein wenig süßlich mutet die Komposition an, was sich auch nicht ändert, als das gesamte Orchester zu hören ist. Liebesgeflüster vermeint man immer dann zu vernehmen, wenn Maria Baptist die weißen und schwarzen Tasten bewegt. Insgesamt zeichnet das Stück eine sehr heitere Hörfarbe aus. Beschwingt scheint die Liebe.

„Roof Garden“ hatte Maria Baptist bereits in anderer Konstellation eingespielt. Nun aber hören wir das Arrangement für ein Orchester mit den Solopartien von Musashi Baba (Posaune) und Philip Sindy (Trompete). Der Dachgarten verspricht Kontemplation pur vom ersten bis zum letzten Takt.

Zum Schluss präsentiert uns Maria Baptist ein „funkelndes Blau“ - „B'Dazzled Blue“, ein gelungener Abschluss. Wer Großformationen im Jazz schätzt, der ist gut beraten, sich dieses Album anzuschaffen, dass hier und da auch die Tradition der Big Band streift, aber eben nicht ausschließlich in dieser Tradition verharrt.

Text: © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Maria Baptist
http://www.mariabaptist.com
http://www.mariabaptist.com/jazz-orchestra/

Weitere Alben
http://www.jazzhalo.be/reviews/cd-reviews/m/maria-baptist-trio-gate-29/
http://www.jazzhalo.be/reviews/cd-reviews/m/maria-baptist-piano-solo-self-portrait/


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