Makram Aboul Hosn – Transmigration

Makram Aboul Hosn – Transmigration

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Self produced

Der Bassist und Komponist Makram Aboul Hosn ist Teil der Beiruter Musikszene. Dabei ist er nicht allein als Jazzmusiker öffentlich zu hören, sondern er versteht sich auch auf Rockmusik, klassische europäische und arabische Musik. Makram spielt nicht nur Kontrabass, sondern auch E-Bass. Neben Jazzkompositionen, wie für das vorliegende Album, schreibt er auch klassische Kompositionen für Kammermusikensembles. Mithilfe des AFAC, dem Arab Funds for Arts and Culture, konnte er an seinem zweiten Album namens „Transmigration“ arbeiten und dafür acht eigene Kompositionen konzipieren. Ausgelegt ist die Musik für fünf Saxofone, Flöten, Vibraphon, Gesangsstimmen, Bass, Schlagzeug und Percussion. Entstanden ist das Album zeitnah zu der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut.

Angesichts der tiefgreifenden Krise, die den Libanon überzieht und die auch zu regionalen Unruhen geführt hat, ist es schon erstaunlich, dass Makram Aboul Hosn an einem Album arbeiten konnte. Im Libanon mit Millionen Flüchtlingen aus Syrien, den internen Konflikten, die seit dem letzten Bürgerkrieg nicht verschwunden sind und mit einer tiefgreifenden Finanzkrise ist vielleicht die Musik gleichsam ein Rettungsanker, an dem man sich festhält, um nicht unterzugehen.

Der Bassist aus Beirut hat nachstehende Musiker für das aktuelle Album um sich geschart: Tom Hornig (Flute/Soprano/Alto Saxophones), Nidal Abou Samra (Soprano/Alto/Tenor/Baritone Saxophones), Christopher Michael (Drums/Vibraphone) und Khaled Yassine (Percussions) sowie als Gäste: Joe Locke (Vibraphone on “Mine or Blues”), Tarek Amery (Flute on “Modjadji”) und Sima Itayim (Vocals on “WWMD).

In den Liner Notes schreibt Makram Aboul Hosn: „I never felt more connected to my home country as much as when the October 2019 Revolution started. And since there was an economic collapse coming, and COVID-19 completely crushed our hopes as performing musicians, I intuitively felt that the bestplace to spend my grant money was in my local music scene. I re-wrote all the music for whatever the country, and the world, had to offer during that time. I surrendered to the circumstances, and I buried myself with the task of arranging all this music for a larger ensemble sometimes reaching 11 instruments, sometimes just 5. It was a blessing to be able to give myself something to work on while the outside world offered nothing but disappointment.“

Über die Musik schreibt der im Umfeld der drusischen Minderheit im Libanon aufgewachsene Musiker: „The music that you will listen to in this album, is first and foremost a representation of how I see the world, and what I hope for it to achieve for you is exactly what it achieved for me: comfort, a sense of love, unity, and refuge.“

Aufgemacht wird das Album mit „Betcha Sting“, gefolgt von „WWMD“ und „Intro to Modjadji“ sowie „Modjadji“. Zu hören sind zudem Kompositionen wie „Papa Bear“, „Someday My Prince Will Come“ und schließlich „Let Me Finish“.

Mit einem swingenden Bass beginnt „Betcha Sting“, ehe dann ein Baritonsaxofon seine rauchige Stimme erhebt. Oder ist es der Tenorsaxofonist, der da in Schwingungen gerät und sich in seinen Färbungen mit dem Vibrafonisten verquickt, der zu einem kurzen Solo aufspielt? Im weiteren Verlauf dringen Klänge an unser Ohr, die an traditionelle Big Band erinnern. Dabei scheint man auch eine musikalische Reise in die späten 1940er und frühen 1950er Jahre zu unternehmen.  Vocal Jazz vom Feinsten steht dann mit „WWMD“ auf dem Programm. Dabei hören wir Musik, die an die Andrew Sisters und an bekannte Tanzrevuefilme aus Hollywood mit und ohne Fred Astaire denken lässt. Und auch ein wenig Bebop scheint bei diesem Stück mit im Spiel zu sein. Man denke dabei an eine der Vokal-Ikonen jener Zeit: Sheila Jordan. Weiche Saxofonklänge zu harten Rhythmusschlägen dringen jenseits des Vokalen ans Ohr des Hörers. Dabei scheint einer der Saxofonisten leichtfüßig unterwegs zu sein, ehe es dann wieder ins Tutti der Bläser zurückgeht.

„Intro to Modjadji“ sowie „Modjadji“ sind als nächste Stücke zu erleben, durchdrungen von spitzen Flötenpassagen und wirbeligen Schlägen auf Rahmentrommeln. Nach der Einführung erklingen das glockenhelle Klangspiel des Vibrafons sowie der Flöte. Ein Stück Fusion wird präsentiert, auch mit tragenden Flötenpassagen und mit etwas Funk, wenn die vereinten Hörner ihre Stimme erheben. Da scheint dann auch partiell Pharao Sanders im Geist zugegen zu sein. Sehr schmeichlerisch sind die weiteren Flötenpassagen ausgelegt. Es ist ja eh selten, dass im Jazz eine Flöte zu hören ist, ob Querflöte oder indische Bambusflöte, sind doch die Zeiten von Paul Horn und Jeremy Steig längst eine Fußnote der Jazzgeschichte – leider. Umso mehr kann sich der Hörer bei „Modjadji“ an den feinst rinnenden und rieselnden Flötenpassagen erfreuen, die sich über einen Teppich aus weichem Saxofonklang ausbreiten. Und weiter geht die musikalische Reise: Schnurrende, röhrende und sonor aufgelegte Saxofone treffen bei „Papa Bear“ auf einen gestrichenen Kontrabass. Dabei kann man als Zuhörer kaum still sitzen, denn die angespielte Melodielinie reißt mit, scheint an die Musik von Marching Bands in New Orleans und traditionellen New-Orleans-Jazz anzuknüpfen. Übrigens, wer schon mal die Dirty Dozen Brass Band erlebt hat, der wird auch an dem Stück „Papa Bear“ großen Gefallen finden.

Dramatik verheißen die Saxofone zu Beginn von „Someday My Prince Will Come“ , ehe dann melodisch das Kapitel Revuefilm und Broadway-Show aufgeblättert wird, oder? Wer auf Big-Band- Jazz mit und ohne ausgefeilte Solointermezzi schwört, der kommt beim Hören auf seine Kosten. Der Rezensent musste bei diesem Stück eher an den Film „The Fabulous Baker Boys“ und den dort präsentierten Jazz denken. Bar-Jazz ist vielleicht eine angemessene Charakterisierung dessen, was zu hören ist. Das ist keineswegs abwertend gemeint, sondern kennzeichnet nur eine Musik, die massenkompatibel ist und den Zuhörer weniger fordert, im Gegensatz zu Free Jazz! „Mine or Blues“ knüpft nahtlos an das vorherige Stück an und zugleich scheint das Stück an die Tradition von Großformationen wie dem Jimmy Dorsey Orchestra, der Buddy Rich Big Band oder dem Count Basie Orchestra anzuknüpfen, Der musikalische Schlussakkord lautet schließlich: „Let Me Finish“ – wie treffend!

© ferdinand dupuis-panther


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