Linntett (Kira Linn) - Nature (fdp)

Linntett (Kira Linn) - Nature (fdp)

L

Double Moon

Mit “Flow” beginnt das vorliegende Album, das auch Titel wie “Haze”, “Far”, “Air” und zum Schluss “Hill” enthält.

Kurz einen Blick auf die Biografie der Bandleaderin, die – das ist eher ungewöhnlich – eine Baritonsaxofonistin ist: Von 2013 bis 2017 studierte Kira Jazz-Saxofon an der Hochschule für Musik Nürnberg. Momentan, so jedenfalls auf der Website vermerkt, macht sie ein sogenanntes Erasmus-Jahr am Jazzcampus in Basel. Zudem war sie auch Mitglied des Landesjugendjazzorchester Hessen – was schon eine klassische Karierreetappe für eine Jazzmusikerin bedeutet –, und mit dem Linntett stellt sie uns nun eine sehr bewusst auf verschiedene Saxofone hin orientierte Band vor.

Dabei ist auf dem Album unüberhörbar, dass Kira Linn nicht nur feurig-energetische Pianosequenzen schätzt, sondern auch satt gesetzte Saxofonläufe. Diese klingen gelegentlich so „vollmundig“, als habe man eine Big Band vor sich. Das hängt gewiss auch mit den Arrangements zusammen. Allerdings muss man anfügen, dass nicht allein den Saxofonen die Aufmerksamkeit gilt, sondern Kira Linn auch für andere Instrumentalisten Raum schafft. So gibt es veritable Schlagzeuginterventionen zu hören und auch der Pianist kann sich in seinem dynamischen Spiel voll entfalten. Doch zu dieser Aussage gesellt sich ein “Aber”: In den Klangfarben dominieren schon die Saxofone, die sich eher durch marktschreierisches Gebaren in den Vordergrund schieben als durch Sanftmütigkeit, auch wenn diese wie bei „Haze“ durchaus vorhanden ist.

Zu dem Sextett, das Kira Linn zusammengestellt hat, gehören: Nino Wenger (Altsaxophon / Flöte), Christopher Kunz - (Tenor- /Sopransaxophon), Kira Linn (Baritonsaxophon / Bassklarinette), Victor Mang (Kontrabass), Lukas Großmann (Klavier) und Johannes Koch (Schlagzeug).


Hämmer schlagen auf Saiten und dazu beginnen Saxofone zu säuseln, wenn auch nicht so samten als wären sie Flügelhörner. Hört man bei „Flow“ nachhaltig zu, dann vermeint man, Laub sanft im Wind sich wiegen zu hören. Das gilt auch bei solistischen Einlagen in diesen Song, der sich ja mit dem Fließen befasst, mit Strömung, mit dem Fluss, mit dem Rinnen, sprich mit kontinuierlicher Bewegung schlechthin. Wer allerdings glaubt, dass Kira Linn mit ihrem Tieftöner, der ja brodeln, brummen, grunzen und tosen kann, die melodische Linie bestimmen würde, der muss sich eines besseren belehren lassen. Tieftöniges ist nun ganz und gar nicht im Fluss.

Was in diesem Sextett von Kira Linn auffällt, ist die Tatsache, dass der massive Block der Saxofonisten sich sehr fein gesponnen auflöst, z. B. Alt- und Tenorsaxofon ihre eigenen Parts spielen. Es ist also kein monolithisches Spiel, sondern auch in den Sequenzen sehr verspielt und kaskadierend. Immer wieder entdeckt man aber auch Anmutungen von Big Band, wenn die Bläser gemeinsame Präsenz zeigen. Zum Schluss hat auch der Kontrabassist bei „Flow“ seine Minuten und lässt seine Finger über die tiefen Saiten gleiten. Das klingt dann weniger nach „Fließen“, sondern eher nach Hopsen, Springen und Kinderspiel.

„Dunst“ und „Nebel“ verbreiten die Musiker mit „Haze“. Hört man da zu Beginn nicht dezente Nebelhörner? Bedächtig erscheint das Tempo des Songs in den einleitenden Passagen. Von den Harmonien her hört man nichts Schermütiges, sondern eher Frühlingshaftes. Ist nicht auch das Sopransaxofon „hochtönig“ auf „Haze“  eingestellt?Fließend und perlend entwickeln sich die Tastenfolgen, für die Lukas Großmann verantwortlich ist. Sein Spiel klingt beinahe zerbrechlich, und man muss in manchen Momenten an zerspringendes Glas denken, ein Bild, das wenig zu Nebel und Dunst passt.

An Lukas Großmann ist es außerdem „Air“ einzuleiten, ehe sich die Saxofone entfalten können. In einem „Wechselgesang“ zwischen Piano und Saxofonen ist der Song desweiteren  arrangiert. Durchaus zarte Töne sind zu vernehmen. Luftig klingt das, was wir hören und auch ein wenig folkloristisch und von Tanzmusik angehaucht. Beim Hören musste ich stellenweise wie auch bei anderen Arrangements an das Orchester von Kurt Edelhagen denken. Ein Lüftchen weht übrigens durchaus auch herüber, wenn im weiteren Verlauf Lukas Großmann aufspielt. Dabei setzt er durchaus auch „harte Akzente“ ins harmonisch „dahinplätschernde“ Spiel.

„Hill“ lautet der letzte Titel auf einem der „Natur „gewidmeten Album: Zu Beginn ist endlich mal ein Tieftöner zu hören, die Bassklarinette, die Kira Linn auch im Repertoire hat. Ein Schlagwerksolo schließt sich dem kurz an, ehe dann die Bassklarinette aus tiefer Kehle „röhrt“. Allerdings gesellt sich ein fein gewebter Flöten- und Saxofonsatz hinzu und schließlich ist es wohl das Sopransaxofon, das sich Gehör verschafft und die Melodielinie bestimmt. Ein wenig quakend und schnatternd hört sich dieses Saxofon allerdings im Fortgang des Stücks schon an, und man fragt sich, was das alles mit „Hügel“ zu tun hat. Am Ende des Stücks tauchen Flötentöne aus dem Saxofonchorus auf, ein schönes Abschlussklangbild auf alle Fälle!

Text: © fdp


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https://www.kiralinn.com/bands/linntett-1/


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