LG Jazz Collective - New Feel (Ferdinand Panther-Dupuis)

LG Jazz Collective - New Feel  (Ferdinand Panther-Dupuis)

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Igloo

Belgien ist zwar ein kleines Land mit überschaubaren 11 Mio. Einwohnern, aber mit einer sehr regen Jazzszene. Zu dieser gehören auch die nachstehend genannten jungen Musiker, die teilweise aus der Lütticher Jazzszene stammen: der Gitarrist, und Komponist Guillaume Vierset, der Altsaxofonist Laurent Barbie, der auch mit eigener Band in Erscheinung tretende Klarinettist und Saxofonist Steven Delannoye, der Flügelhornist und Trompeter Jean-Paul Estiévenart, der Pianist Igor Géhénot, der gerade mit seinem Trio bei Igloo Records die viel gelobte CD 'Motion' herausgebracht hat, der Drummer Antoine Pierre Drums und, last but not least, Félix Zurstrassen am Elektrobass und Kontrabass.

LG Jazz Collective wurde speziell für das Festival Jazz à Liège im Jahr 2012 zusammengestellt. Dennoch machten die Bandmitglieder nach diesem Festival weiter, auch weil der Young Talent Award bei den Leffe Jazz Nights 2012 gewonnen wurde. So wurde aus einem „one shot“ eine der zurzeit gefragtesten Jazzbands in Belgien.
Neben Eigenkompositionen finden sich auf der CD auch Arrangements von Titeln wie 'Toscane' von Philip Catherine oder 'A' aus der Feder von Lionel Beuvens. Ob die Band eine Melange aus der Poesie eines Catherine mit dem Geist von Grant Green und der Energie von Kurt Rosenwinkel erreicht, mag der geneigte Zuhörer selbst entscheiden. Vergleiche sind immer schief und daher muss man etwas skeptisch sein, wenn in diesem Zusammenhang SF Jazz Collective und die Pat Metheny Group ins Feld geführt werden. Das Ensemble scheint sich auch nicht zu schade, in das Feld des melodiösen, fast poppigen Jazz abzuwandern, denkt man an Titel wie 'Grace Moment' und 'Nick D'. Ob die zahlreichen Auszeichnungen für einzelne Bandmitglieder bei der weiteren Entwicklung des Ensembles hilfreich sind, muss abgewartet werden.
Gewiss kommt dem Sound der Band zugute, dass die Bandmitglieder bereits in anderen Projekten einschlägige Erfahrungen sammelten. So gründete Guillaume Vierset sein eigenes Quartett, das 2011 einen Preis beim Brüsseler Jazzmarathon gewann. Der Saxofonist Laurent Barbier gewann seinerseits mit dem Evan Surya 4tet im Jahr 2010 den ersten Preis beim Jazzwettbewerb von Comblain-la-tour. Erwähnt sei noch Jean-Paul Estiévenart, der sich mit The Wrong Object erfolgreich im Jazz Rock versucht hat und zudem auch in großen Ensembles mitwirkte, so bei der Music Village Big Band, beim Free Breathing Ensemble und bei der Jazzstation Big Band.
Mit einem rockigen Gitarren-Groove startet 'Grace moment', ehe der Bläsersatz ins musikalische Geschehen eingreift und die Gitarre ihre führende Rolle aufgeben muss. Beschwingt setzt sich die Komposition fort, auch wenn Igor Géhénot mit den Fingern über die Klaviertasten schwebt. Doch dominant bleiben während des gesamten Verlaufs des Stücks die Saxofone und die Trompete mit ihrem hellen Wohlklang. Ist es dann Delannoye, der uns in die hohen Sphären des Saxofons mitnimmt und uns einen Moment der Hörverzückung spendiert? Im Hintergrund mischt sich dann erneut Vierset mit seiner Gitarre ein und übernimmt mit melodischem Spiel nach und nach die Hauptrolle. Dabei ist hier und da auch eine Nähe zu Philip Catherine und Pat Metheney auszumachen. Doch von „Covern“ kann überhaupt nicht die Rede sein!
Namensgebend für die vorliegende CD ist der zweite Titel der Einspielung, nämlich 'New Feel'. Ein wenig Funk, ein wenig Fusion, das macht diesen Titel aus. Oder hören wir hier nicht gar eine Mischung aus Freddy Hubbard, Ben Webster, Nat und Cannonball Adderley reviseted? Die Musik ist flott und frisch, dank sei Estiévenart, Barbier und Delannoye, die mit ihren Blasinstrumenten maßgeblich am Klangteppich für das 'neue Gefühl' mitwirken, auch und gerade mit ihren Soli.
An einer Komposition von Alain Pierre, Titel 'Dolce Divertimento', versucht sich die Band außerdem. Wie Samt erscheint der ausgebreitete Klangteppich, der wiederum von den Bläsern der Gruppe verantwortet wird. In diesem Stück drängt sich dann mehr und mehr der Eindruck einer kleinen Brassband auf, wenn auch der Pianist und der Drummer des Ensembles kurz zu Wort kommen, und selbst der Bassist Felix Zurstrassen sein kurzes Solo zupfen darf. Das ist dann ein Augenblick der puren Kontemplation, ehe das „schrille" Sopransaxofons die „Stille“ nachhaltig durchbricht. Vierset hat auch noch einen Auftritt und lässt seine Finger über die Saiten tanzen.
Nach einem arrangierten und sich stark am Original anlehnenden Titel, der aus Lionel Beuvens Feder stammt, wenden wir uns 'Nick D' zu, eine eher poppig zu nennende Nummer. Mit Swing und Groove bringt uns dieser Titel in Bewegung, langsam erst und dann immer beschwingter. Dieses Stück ist im Übrigen eine Hommage an den Gitarristen und Singer-Songwriter Nick Drake. Warum? Das muss man wohl die Band fragen. Die Stimmung, die die Musik ausstrahlt, erinnert mich stark an die Musik im Film 'Round Midnight', der als der beste Film über Jazz gilt und 1986 gedreht wurde. Im Mittelpunkt steht der Bebop-Saxofonist Dale Turner (Dexter Gordon), der nach 15 Jahren erstmals wieder in Paris live auftritt.
Zum Chillen lädt danach der Titel 'Toscane' ein, eine Verbeugung von Vierset und seinen Mannen vor dem unterdessen 72-jährigen Gitarristen Philip Catherine. Doch nicht Vierset mit seinem Können drängt sich in den Vordergrund, nein, er lässt alle seine Mitstreiter gleichberechtigt zu Wort kommen. Mit der Eigenkomposition 'Positive Mind' schließt die erste Veröffentlichung des Ensembles, von dem man in der Zukunft hoffentlich noch mehr hören wird.
© ferdinand dupuis-panther
Informationen
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Band
https://www.youtube.com/watch?v=I1YYxRFn5qE
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