LBT – Stereo

LBT – Stereo

L

enja

Gleich zwei CDs legt das Trio um den Pianisten Leo Betzl aktuell vor. Dabei wird deutlich, dass bei den drei Musikern zwei Seelen in ihrer Brust schlummern, Jazz und Techno. Bei der zweiten CD des Doppelalbums gerät der Jazz komplett aus den Fugen, so wie schon bereits auf der CD “way up in the blue“.  Leo Betzl am Piano, Sebastian Wolfgruber am Schlagwerk und der Bassist Maximilian Hirning zeigen dem Zuhörer, wo der Hammer hängt, dass Techno-Beats und Jazz durchaus eine bekömmliche Melange ergeben, allerdings nicht für puristische Anhänger von Bebop, Hard Bop oder Cool Jazz. Dass das Trio mit ihrem Musikmix durchaus auf der Erfolgsspur ist, belegen der Gewinn des 2017 ausgelobten BMW Welt Jazz Award und zwei Jahre später des Burghauser Nachwuchs Jazzpreis. In einer Kritik in der jazzzeitung findet sich folgende Charakterisierung der teilweise schrägen Klangströme des Trios: „Twäng bum tschak dong basss tschhhdotz wäääng bum wirbel zssssh dading dadong tatimtatamm….“ Kann man noch mehr dazu sagen? Gewiss man kann!“

Auf der ersten Scheibe finden sich Stücke wie „My songs beckon softly“, „Tacete“, „Zappa“ und „So mellow“; auf der zweiten Scheibe hören wir unter anderem „Parks bells“, „Elegie“, „Changing moods“, „Faroeric“ und „9 to5 paradigm“. Techno-Bumm und -Bämm machen den Anfang. Doch was das Trio zu Gehör bringt, ist nicht banaler und simpler Techno mit der Gewalt von Bassbeats und Bassgetrommel nebst elektronischen Effekthaschereien. Bei „My songs beckon softly“ vernimmt man Geräusche, die an einen röhrenden Go-Kart-Motor denken lassen und dazu gesellen sich dann dumpfe Bassbeats, die durch Mark und Bein gehen. Im Bass bewegt sich auch der Pianist mit einzelnen Tastenschlägen, die gedämpft scheinen.

Spielt Leo Betzl an einem präparierten Flügel? Man muss es wohl vom Höreindruck ausgehend annehmen. Tickticktick und Zischen sind die perkussiven Elemente, die wir vernehmen. Nein, ein Synthesizer ist nicht im Einsatz, aber Maximilian Hirning spielt den modulierten Kontrabass so, als wäre die Welt der Elektronik das Non plus ultra. Bisweilen erinnert Hirnings Spiel auch an Aspekte des Psychedelic Rock. Und die stets vorwärtstreibende Rhythmisierung zieht uns bis zum letzten Takt in den Bann. Widerstehen kann man schwerlich, auch nicht aufzuspringen und tänzelnd zu zappeln. Kristalline Klangmuster dringen bei „Tacete“ an unser Ohr. Und anschließend sind die redundante Rhythmik und der rotierende Klangkosmos zu erleben. Minimalistisch erscheint das Spiel des Pianisten, der kleine Tonsprünge realisiert, derweil im Hintergrund die Basstrommel in rollender Bewegung zu erleben ist. Kurze Intermezzos gibt es, die an Noise Music denken lassen. Täcktäcktäck sind die kurzen Schläge mit den Schlagstöcken, teilweise synkopiert. Nachfolgend verflüssigt sich die Rhythmik zu Technolavaströmen, feurig und unaufhaltsam. Und dann sind wieder die metallischen Klangmuster gegenwärtig. Entstammen sie dem Flügel oder einem Xylofon? Eher wohl einem Toy Piano.

Ist es Zufall, dass ein Titel wie „Zappa“ auf der jüngsten Veröffentlichung zu finden ist, obgleich Frank Zappa in seiner Musik weit von Techno entfernt ist? Verneigen sich die drei Musiker vor einem Musiker, der sich mit seiner Musik in den späten 1960er Jahren weder von der Studentenbewegung noch den etablierten Labels hat einfangen lassen? Und wenn ja, warum? Sehen sich die drei in der Tradition eines solchen Verständnisses unabhängiger freier Musik? Fragen über Fragen – und die musikalische Antwort ist gleichsam in typischen Comicsprechblasen zu fassen: Bammbamm, klingkling, schepper, heul, jaul, ticktick, tacktack, kreisch, quiek, dimdamdimdäm … „So mellow“ eröffnet mit hart gesetzten Akkorden auf dem Tastenmöbel und dann tritt der Schlagwerker wieder auf das Pedal der Basstrommel, die wummert, dass sich die Balken biegen. Schnurrend-sonor äußert sich der Bassist auf seinem gestrichenen Instrument. Rhythmus und nicht eine melodische Linie stehen auch am Ende auf dem Programmzettel des Trios;zumindest gilt das für den ersten Teil des Doppelalbums.

In die Tradition des Modern Jazz eingebunden ist der zweite Teil des Albums. „Parks bells“ macht den Anfang der zweiten CD. Auch hier sind starke Schlagwerkakzente gesetzt worden, die auf Tastenrinnsale treffen. Bildlich hat man beim Zuhören zeitweilig die Vorstellung, musikalisch unternehme man eine Fahrt auf einem Wildwasserfluss. Lange Saitenschwünge vollführt der Bassist; der Pianist ist mit fein gedrechselten Umspielungen zu vernehmen. Das Melodiöse hat hier Primat und nicht die harten Beats aus dem Technoteil des Albums. Dennoch sind auch hier Funkenflüge zu erleben, dank an die Energieladungen, die der Pianist verströmt. Alles scheint dabei im steten Fluss, mitreißend und ohne Halt. Largo und nicht uptempo ist bei dem Stück „Elegie“ angesagt. Lyrisches Spiel ist beherrschend. Auch wenn Elegie mit wehmütigem Klagen zu übersetzen ist, taucht das Trio nicht gänzlich in einen Klagegesang ein. Jeder der Beteiligten erhält Raum sich auszudrücken, auch wenn die musikalische Regie durchaus in den Händen des Pianisten liegt. Zart besaitet ist streckenweise der Tieftöner, in den Händen von Maximilian Hirning. Verwässerte Passagen sind selten, aber vorhanden. Der Bass eröffnet solistisch „Changing moods“. Anmutungen einer Ballade drängen sich beim Hören auf. Nocturne und Anlehnungen an klassische Musik scheinen außerdem nicht fern zu sein. Schlagwerkrascheln trifft auf Saitenzupfen und diskante Pianosequenzen, die sich nach und nach wie Frühnebelschwaden verflüchtigen. Schließlich noch ein Wort zu „9to5 paradigm“. Aus dem Trio wird flugs ein Quartett, dank an den Saxofonisten Moritz Stahl, der uns mit seinem aufregenden Spiel mitreißt, ganz zu schweigen von den perkussiven Salti des Drummers. In ruhiges Fahrwasser bringt uns Leo Betzl, der Passagen darbietet, die an einen bunten Reigen bei Mittsommernacht denken lassen. Fürwahr die Abwechslung ist es, die LBT einzigartig macht. Dabei wird eben ein Bogen vom Jazz hin zum Rave und zu House gespannt, sodass auch nicht so Jazz affine Zuhörer einen Zugang zur Musik finden.

© ferdinand dupuis-panther


Informationen

http://leobetzltrio.de



In case you LIKE us, please click here:


Check out Jazz'halo radio: click on this logo please



our partners:

Clemens Communications


Silvère Mansis
(10.9.1944 - 22.4.2018)
foto © Dirck Brysse


Rik Bevernage
(19.4.1954 - 6.3.2018)
foto © Stefe Jiroflée


Philippe Schoonbrood
(24.5.1957-30.5.2020)
foto © Dominique Houcmant

 

Special thanks to our photographers:

Petra Beckers
Ron Beenen
Annie Boedt
Klaas Boelen
Henning Bolte

Serge Braem
Cedric Craps
Christian Deblanc
Paul De Cloedt
Cindy De Kuyper

Koen Deleu
Ferdinand Dupuis-Panther
Anne Fishburn
Federico Garcia
Robert Hansenne
Dominique Houcmant
Stefe Jiroflée
Herman Klaassen
Philippe Klein

Jos L. Knaepen
Tom Leentjes
Hugo Lefèvre

Jacky Lepage
Olivier Lestoquoit
Eric Malfait
Nina Contini Melis
Arnold Reyngoudt
Jean Schoubs
Willy Schuyten

Frank Tafuri
Jean-Pierre Tillaert
Tom Vanbesien
Jef Vandebroek
Geert Vandepoele
Guy Van de Poel
Cees van de Ven
Donata van de Ven
Harry van Kesteren
Geert Vanoverschelde
Roger Vantilt
Patrick Van Vlerken
Marie-Anne Ver Eecke
Karine Vergauwen
Frank Verlinden

Jan Vernieuwe
Anders Vranken


and to our writers:

Mischa Andriessen
Robin Arends
Marleen Arnouts
José Bedeur
Henning Bolte
Danny De Bock
Ferdinand Dupuis-Panther
Federico Garcia
Paul Godderis
Jean-Pierre Goffin
Bernard Lefèvre
Mathilde Löffler
Claude Loxhay
Etienne Payen
Herman te Loo
Georges Tonla Briquet
Henri Vandenberghe
Iwein Van Malderen
Jan Van Stichel
Olivier Verhelst