Lazarevitch/Sluijs/Verbruggen - Still Three, Still Free

Lazarevitch/Sluijs/Verbruggen - Still Three, Still Free

L

Rat Records

Alle drei Musiker sind in Belgien bestens vernetzt und in unterschiedlichen Formationen zu hören, nicht nur mit Flat Earth Society. Serge Lazarevitch ist ein französischer Gitarrist und Komponist, der seine Zeit in der französischen wie in der belgischen Jazzwelt verbringt, ob er nun mit Charles Loos konzertiert oder mit dem französischen Nationalen Jazzorchester. Der aus Antwerpen gebürtige Saxofonist Ben Sluijs war und ist nicht nur im Duo mit Eric Vermeulen, sondern vor allem mit seinem Quartett auf den Jazzbühnen präsent. Der Schlagzeuger Teun Verbruggen, der Spiritus rector des Kulturzentrums Werkplaats Walter in Anderlecht, ist nicht nur Mitglied bei der Großformation Flat Earth Society, sondern auch Mitbegründer des Labels Rat Records. Dreimal gewann er unter anderem den  Jazz-Wettbewerb von Tremplin. Er gilt als einer der kreativsten Köpfe der belgischen Jazzszene (sic!).

Ein Schelm, der bei dem Eröffnungsstück „Georgy On My Mind“ an „Georgia On My Mind“ denkt, oder? Becken, die wie Schellen klingen, eine als eine weich gezeichnete Gouache daherkommende Gitarre, feinste Saxofonziselierungen – das bildet das Gerüst für den Eröffnungssong. Ein wenig Ballade, ein wenig Lyrik, ein wenig Erzählkunst mit dem Saxofonisten als Stimme des Erzählers sind Elemente für einen melodischen Auftakt des Albums. Wesentlich aufgeregter kommt „Opinion“ daher. Da scheint es, als würde Ben Sluijs den Gitarristen herausfordern, würde hartnäckige Gegenrede halten, würde auch teilweise ignorieren, was Serge Lazarevitch mit und ohne Bassschraffuren vorträgt. So ergibt sich ein Hin und Her der Meinungen, bestens klanglich eingefangen, auch als Jajaja und Neinneinnein. Der Disput ist kurz und vergeht im Off. Nachfolgend verbringen wir musikalisch eine „Sumo Time“: Behutsames Schlagwerk und am Rand gestrichene Bleche, die den Tinitus herausfordern, treffen auf Gitarrensequenzen, die wie morgendliche Bodennebel dahinschweben. Hören wir da nicht auch den Klang einer Querflöte? Oder ist es eine Oboe? Nein, es ist die fast zerbrechliche Flötenstimme, die sich mit dem Saitenspiel von Lazarevitch harmonisch vereint. Doch was hat das mit Sumo, dieser besonderen Ringkampfart aus Japan zu tun, bei der sich gewichtige Männer gegenüberstehen? Folgt man den melodischen Linien des Gitarristen und Flötisten denkt man eher an den Weg, mit dem im Aikido in fließenden Bewegungen die Kraft des Gegner in den eigenen Vorteil gewendet wird.

Überaus kurz gehalten ist das Stück „Matter“. Klangkreuzungen, Aufrührerisches, Überschläge, Klangrausch, exaltiertes Saxofongehabe, sonorer Gitarrenklang verbinden sich zu „Matter“, ehe dann in ruhigen Fahrwassern „Luna“ besungen wird. Ist „Drum Music“ nicht Teun Verbruggen nicht dem Drummer wie auf den Leib geschneidert worden? Hören wir mal rein, ob das zutrifft. Verhalten ist das Spiel mit den Sticks und kein fulminantes Schlagwerksolo, das wir hören. Gleichsam im Unisono teilen sich der Saxofonist und der Gitarrist den zu bespielenden Klangraum. Gelegentlich vernehmen wir ein Schlagzeugrollen und -wirbeln, aber das ist überhaupt nicht aufdringlich. Das Schlagwerk scheint nur Beiwerk zum kanalisierten Spiel der Mitmusiker von Teun Verbruggen. Beide Mitmusiker verlieren sich in feinen Dialogen, verschränken sich musikalisch wie in einer Doppelhelix, derweil Verbruggen behutsamen Umgang mit Snare, Toms, Hi-Hat und Basstrommel pflegt.

Jenseits vom wilden Kurdistan entführt uns das Ensemble nach „Kandahar“. Ben Sluijs ist erneut als Flötist unterwegs, wenn auch nicht mit einer Bambusflöte vom Indischen Subkontinent oder Fernost. Was an unsere Ohren dringt, hat nichts von der Rauheit, die man mit der Landschaft am Hindukusch allgemein verbindet. Sehr gelungen und ein wahrer Ohrenschmaus ist das Solo von Lazarevitch. Er eröffnet landschaftliche Weiten mit entrücktem Horizont. Abgerundet wird das Album mit „Les Baricades Misterieuses“ nebst einer sehr eingängigen Melodie. Das hat dann schon kammermusikalische Züge, oder?

© fdp


Informationen

www.teunverbruggen.com
https://www.jazzhalo.be/interviews/teun-verbruggen-interview-with-the-belgian-drummer/
http://www.kwadratuur.be/interviews/detail/teun_verbruggen/#.X6puOavPzyR

https://www.jazzhalo.be/reviews/cdlp-reviews/s/serge-lazarevitch-nicolas-thys-teun-verbruggen-free-three/

https://www.jazzhalo.be/reviews/cdlp-reviews/b/ben-sluijs-quartet-flying-circles/
https://www.jazzhalo.be/reviews/cdlp-reviews/b/34-peace-ben-sluijs-christian-mendoza-brice-soniano-rainy-days-on-the-common-land-ferdinand-dupuis-panther/

www.ratrecords.biz


In case you LIKE us, please click here:


Check out Jazz'halo radio: click on this logo please



our partners:

Clemens Communications


Silvère Mansis
(10.9.1944 - 22.4.2018)
foto © Dirck Brysse


Rik Bevernage
(19.4.1954 - 6.3.2018)
foto © Stefe Jiroflée


Philippe Schoonbrood
(24.5.1957-30.5.2020)
foto © Dominique Houcmant

 

Special thanks to our photographers:

Petra Beckers
Ron Beenen
Annie Boedt
Klaas Boelen
Henning Bolte

Serge Braem
Cedric Craps
Christian Deblanc
Paul De Cloedt
Cindy De Kuyper

Koen Deleu
Ferdinand Dupuis-Panther
Anne Fishburn
Federico Garcia
Robert Hansenne
Dominique Houcmant
Stefe Jiroflée
Herman Klaassen
Philippe Klein

Jos L. Knaepen
Tom Leentjes
Hugo Lefèvre

Jacky Lepage
Olivier Lestoquoit
Eric Malfait
Nina Contini Melis
Arnold Reyngoudt
Jean Schoubs
Willy Schuyten

Frank Tafuri
Jean-Pierre Tillaert
Tom Vanbesien
Jef Vandebroek
Geert Vandepoele
Guy Van de Poel
Cees van de Ven
Donata van de Ven
Harry van Kesteren
Geert Vanoverschelde
Roger Vantilt
Patrick Van Vlerken
Marie-Anne Ver Eecke
Karine Vergauwen
Frank Verlinden

Jan Vernieuwe
Anders Vranken


and to our writers:

Mischa Andriessen
Robin Arends
Marleen Arnouts
José Bedeur
Henning Bolte
Danny De Bock
Ferdinand Dupuis-Panther
Federico Garcia
Paul Godderis
Jean-Pierre Goffin
Bernard Lefèvre
Mathilde Löffler
Claude Loxhay
Etienne Payen
Herman te Loo
Georges Tonla Briquet
Henri Vandenberghe
Iwein Van Malderen
Jan Van Stichel
Olivier Verhelst