Kuhn Fu: Kuhnspiracy

Kuhn Fu: Kuhnspiracy

K

Unit Rec.

Die Band sagt in ihrer Selbstbeschreibung, sie sei als postromantische Jazz-Rock-Störung zu begreifen.

Christian Achim Kühn ist der Gründer der Band und vielleicht auch die Ursache des postromantischen Krankheitsbilds und der Störung. Geboren wurde der Gitarrist und Komponist in  Köln undist stets auf der Suche nach Saiteninstrumentalisten, wie es auf der Band-Seite heißt. Der Bassklarinettist der Band ist Ziv Taubenfeld, der aus Karmiel in Israel stammt und ansonsten im Trio Bones aktiv ist sowie zudem zur lebendigen Improszene Amsterdams gehört. Zur illustren Multi-Kulti-Band gehört außerdem der aus Istanbul stammende Bassist und Bandmanager Esat Ekincioglu. Schließlich gibt es noch den Drummer George Hadow, sehr britisch, was sich schon darin zeigt, dass er Fritten mit Essig und Lamm in Minz-Sauce mag.


Auf dem Album sind nachstehende Songs zu finden. „Taubenfeld“ - eine Hommage an den Bassklarinettisten des Quartetts? -, „Barry Lyndon“ - was hat der Song mit dem gleichnamigen Film zu tun? -, „Deus Ex Machina“ sowie „Maharani“ und „Pelto Pekka“. Am Schluss erklimmt die Band dann musikalisch noch die „.Eiger-Nordwand“.

Kampfkunst aus Fernost verkörpert die Band nicht, auch wenn der Bandname an Kung Fu angelehnt zu sein scheint, warum auch immer. Das ist wahrscheinlich auch mit einem kecken Augenzwinkern zu sehen. Bei „Taubenfeld“ rumort es gewaltig. Die E-Gitarre wimmert. Hart getroffen werden die Felle des Schlagwerks. Samtene Basssequenzen werden der Bassklarinette abgerungen, und dazu gibt es noch einen schmetternden Männerchor zu vernehmen. Zudem hat man den Eindruck, dass dem musikalischen Menü auch Chansonhaftes und Volksliedartiges beigemischt wurde. Mehr an Free Jazz muss man dann bei den Klarinettenpassagen denken, die mit Hardrock vermischt werden. Das klingt ein wenig nach Krawall und Rabatz.

Weich gezeichnet ist der Klangfluss von „Barry Lyndon“, dabei von der Bassklarinette weitgehend dominiert, wenn auch wimmernde und jaulende Gitarrenklänge hinzutreten. Die übrigen Instrumentalisten sorgen für ein kurzfristiges Inferno. Ist da nicht auch ein wenig „Brass Banda“, sprich Blasmusik und Balkanweisen zu vernehmen? Der Songtitel verweist auf einen amerikanischen Spielfilm, der im 18. Jahrhundert spielt und fiktiv den Lebensweg eines jungen irischen Abenteurers und seinen Aufstieg und Fall zeigt. Doch was hat das mit dem Song von Kuhn Fu zu tun?


„Why do you want me to do this“ heißt es zu Beginn von „Signore Django Cavolo“. Nach dieser „Einführung“ werden die Gitarre und die Bassklarinette zu den tragenden Stimmen des Songs, die Klarinette erzählerisch aufgelegt, die Gitarre in einem redundanten Modus verharrend. Hin und wieder bricht die Klarinette stimmlich aus; und es erfolgt zudem ein mächtiger Paukenschlag. Klamauk und Chaos breiten sich aus, ehe die Klarinette dann wieder lyrisches Fahrwasser ansteuert. Wie auch in den vorher beschriebenen Songs ist nicht zu übersehen, dass und wie die Songs in sich gebrochen werden. Stringente Formen und Strukturen sind die Sache von Kuhn Fu. Rabatz ist ihr Ding. Musikalische Ekstase ist angesagt. Manchmal drängt sich der Eindruck auf, Uriah Heep und Black Sabbath lassen grüßen, oder?

Mit Trommelwirbeln beginnt der Song „Pelto Pekka“, ehe sich dann nach und nach Hardrock entwickelt und sich mit Jazz mischt. Zudem vermeint man, kurze konzertante Zwischenpassagen wahrzunehmen. Doch insgesamt ist ein musikalisches Inferno angerichtet worden. Bezieht sich der Titel des Songs etwa auf ein rotbraunes, unfiltriertes, nicht pasteurisiertes italienisches Bier mit sehr starker Hopfennote? Wenn ja, was hat die stark auf Hardrock fixierte Musik eigentlich mit diesem Bier zu tun? Das wüsste man doch gerne, oder?

Zum Schluss begleiten wir dann Hans Schmidt bei seinem Unterfangen, die Eiger-Nordwand zu erklimmen, wie man dem eingesprochenen Text entnehmen kann, der alles mitbringt, was eine Moritat so zum Ausdruck bringen sollte. Schmidt wusste dabei, so der Text, den wir hören, dass er binnen sechs Stunden sein Leben verwirkt haben sollte. Der Bass scheint in diesem Kontext den zerrinnenden Stundenschlag anzuspielen. Dramatik entwickelt sich nach und nach. Ein Crescendo wird inszeniert, bevor die weitere Route beschrieben wird, während der Hans Schmidt von einem herabfallenden Stein tödlich getroffen wird. Ist da nicht auch ein markerschütterndes Schreien zu hören? Das hat ja etwas sehr Theatralisches. Auch die anderen Songs unterliegen einer gewissen Dramatisierung. Irgendwie mag man dann auch von Hörspiel reden, wenn auch das gesprochene Wort nicht wesentlich ist. Ob es Jazz, Fusion, Jazz Rock oder schlicht Hardrock ist, was man zu hören bekommt, mag jeder im Übrigen selbst beurteilen.

Text: © fdp

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