Kuba Kapsa - Supersonic Moth

Kuba Kapsa - Supersonic Moth

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DENOVALI DEN314

Kuba Kapsa ist ein polnischer Pianist und Komponist. Er ist außerdem die führende Figur der Avant-Jazz-Band Contemporary Noise Sextet. Nach seinen erfolgreichen Ensemble-Kompositionen 2015 und 2016 kehrt Kapsa nun mit seinem jüngsten Album zu Denovali Records zurück. Das aktuelle Solo-Album trägt den Titel „Supersonic Moth".

Die Kompositionen sind alle für das mit Filz präparierte Klavier geschrieben. Darüber hinaus enthält „Supersonic Moth" elektronische Effekte und verarbeitete Piano-Samplings. In der Presseinfo zum Album lesen wird: „Das Album ist dabei überwiegend ruhig, düster und cineastisch. Kuba Kapsa vollbringt erneut das anspruchsvolle Kunststück, moderne Kompositionen mit subtilen Drones und mäandernden Klanglandschaften zu verbinden.“ Ist das Album in Teilen nicht eher dem Schwermut anheimgefallen? Sind nicht Kompositionen wie „Unfortunate The Night“ eher doch elegisch und symbolistisch aufgeladen? Ruhig ist in der Tat eine Konstante, die sich in allen Kompositionen findet, auch wenn die eine oder andere mit elektronischen Effekten verfremdet ist. Die ausgeprägte Basshand ist eine weitere Konstante im Spiel des polnischen Pianisten Kuba Kapsa.

Aufmacher des Albums ist „Always A Playground Instructor Never A Killer“. Danach folgen Kompositionen wie „Exciting The Last Flight“, „Rain Station“, „Swarm“. Den Ausklang bilden Stücke wie „Reliever“ und „Supersonic Moth“.

Nachstehend sollen einige Kompositionen näher vorgestellt werden, so auch „Always A Playground Instructor Never A Killer“: Wem lauscht man da? Hat sich gar kompositorisch Grieg mit Sibelius verbrüdert? Von Schwere zeugt das Klavierspiel. Hier und da erwartet man die Fortsetzung als Kirchenlied. Doch das unterbleibt. Jedoch die Schwere bleibt. Harmonien und Duktus lassen an eine schwere Last denken, die jemand zu tragen hat. All das Elend der Welt scheint die Schultern zu beschweren. Wo bleibt die Hoffnung? Wo ist das Licht am Ende des Tunnels? Es bleibt aus. Gleich zu Beginn des Albums ein Stück zu präsentieren, das Schwermut und Wehmut zum Ausdruck bringt, scheint ein Wagnis. Das Stück ist gewiss nichts, um es an einem verregneten Herbsttag oder an einem grauen, nebeligen Novembertag zu hören. Herbst- und Winterdepressionen würden sich nur verstärken.

Bei „Rain Station“ hört man neben den tropfenden Klangmustern auch ein „dampfendes Schnaufen“, wie man es von Dampfloks her kennt. Getragen kommt die Komposition daher. Man muss beim Zuhören an eine flache norddeutsche Landschaft denken, die an ein grünes Kuchenblech erinnert. Über dieser Landschaft fliegen graue Wolken tief und küssen das platte Land, so wie es einst Jacques Brel in seinem Chanson über seine Heimat Flandern besungen hat. Über das platte Land ist ein einsamer Reiter unterwegs, so könnte man ein Gemälde zur Musik gestalten. Strichweise entladen sich die Wolken. Die Landschaft ruht.

„Hope It Snows A Lot In Heaven Peter!“ überzeugt mit dramatischem „Theaterdonner“, der sich allerdings nicht vollständig entlädt. Das Bild einer Windhose, die über trockenen Sandboden hinwegfegt, ist ebenso durchaus zutreffend für das, was wir hören. Wer schon einmal dem Lauf eines Wildbachs gefolgt ist und die zahlreichen Strudel und kleinen Wassersprünge gesehen hat, wird gewiss die Musik des Stücks auch mit dieser Erfahrung paaren können.

Mit „Reliever“ sind wir beinahe am Schluss des Albums angelangt. Zu Beginn überwiegen eher psychedelisch angehauchte Klänge, die in einer Endlosschleife gefangen zu sein scheinen. Die Klavierlinien gleichen auf- und niedergehenden Wellen, die sacht am Strand auslaufen. Sehr lyrisch ist der Duktus angelegt. Könnte man sich zur Musik nicht einen Film über Großsegler unter vollen Segeln vorstellen? Kapsa hat dabei ein Klangbett von Streichern dem redundanten Klavierspiel beigefügt. Metallische Vibrationen sind obendrein wahrzunehmen. Sie sind Teil des hochflorigen Klangteppichs, der irgendwann im Off verschwindet.

Zum Schluss begegnen wir der „Supersonic Moth“. Dies ist eine Komposition, in der mit Stimmverzerrung ein Text eingesprochen wird. Mit Überschallgeschwindigkeit scheint die Motte trotz des Kompositionstitels nicht unterwegs zu sein, sondern mit einer gewissen Behäbigkeit und Stetigkeit. Das zumindest suggerieren die Pianosequenzen, die zu vernehmen sind. Und warum dann der Titel, der so ganz und gar gegen den Duktus steht?


Text © ferdinand dupuis-panther – Der Text ist nicht Public Commons!


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