Karolina Strassmayer & Drori Mondlak – KLARO!: Of Mystery and Beauty

Karolina Strassmayer & Drori Mondlak – KLARO!: Of Mystery and Beauty

K

Lilypad Music, LPM 623

Neben Karolina Strassmayer (alto saxophone, flute) und Drori Mondlak (drums) sind der Bassist John Goldsby und der Pianist Rainer Böhm auf der aktuellen Einspielung zu hören. Zu diesem Album sagt Karolina Strassmayer: „Beauty means different things to different people. But there is a universal truth about it, regardless of taste aesthetic; beauty has the power to move the heart.“ Also dürfen wir Musik für die Seele erwarten? Weiter lesen wir von der Bandleaderin und Komponistin: „I feel that it is my responsibility as an artist to search for those little melodic twists and harmonic turns that make my heart leap – in the hope that they will touch the heart of others.“

Neben „Of Mystery And Beauty“ hören wir „Postcard From A Quiet Place“ und „Wandering“, aber auch „Four Us All“ sowie „Side To Side“ und schließlich „Cascades“ und am Schluss „Still In Her Ears“.

Mit einer fröhlich anmutenden, wenig tieftönigen Weise eröffnet der Kontrabassist John Goldsby den Song „Of Mystery And Beauty“, ehe sich Karolina Strassmayer mit ihrem Altsaxofon der Schönheit und dem Geheimnisvollen bzw. Rätselhaften nähert. Dabei swingt es hier und da. Es scheint, als wolle uns die in der WDR Big Band spielende, aus der Steiermark stammende Saxofonistin vermitteln, dass das Leben schön ist. Sie versprüht Freudentöne nach links und rechts, dabei immer wieder auf das Thema zurückkommend. Dieses greift im zweiten Teil der Komposition mit sehr lyrisch angelegtem Spiel der Pianist Rainer Böhm auf. Man hört gewissermaßen, kaskadierendes Wasser, in dem Kinder bei sommerlichen Temperaturen planschen. Die Stimmung ist gelöst. Doch was ist das Geheimnisvolle, von dem im Songtitel die Rede ist?


Nachfolgend lauschen wir dem Song „Postkarte von einem beschaulichen Fleckchen Erde“. Dabei drückt Karolina Strassmayer die Suche nach dem Sehnsuchtsort in einem sehr getragenen Vortrag aus. Nein, einen Blues spielt sie nicht, aber beim Zuhören kann man schon mal den Blues bekommen. Wer sich unter den klassischen Vokalistinnen des Jazz, ob Sarah Vaughan oder Billy Holiday oder Bessie Smith auskennt, der weiß, wie Wehmut und Sehnsucht klingen. Und so klingt auch das, was uns das Quartett präsentiert. Vielleicht aber passt zur Musik noch ein anderes Bild, entnommen aus einem der Filme von Ari Kaurasmäki, nämlich eine lange Fahrt im Straßenkreuzer durch die verschneite Winterlandschaft Mittelfinnlands. Das erscheint dann als Idylle pur. Wünschen wir uns nicht alle solche Idyllen?

Zum Umherstreifen lädt uns Karolina Strassmayer auch noch ein, nämlich beim Song „Wandering“. Nimmt sie uns da nicht mit in die Appalachen im Herbst, auf eine Fahrt mit dem Blick auf das Farbenspiel der Laubbäume? Mir fiel jedenfalls zur Musik zugleich zudem das Bild eines Gleitschirmfliegers über dem Siebengebirge und Hunsrück ein. Unter ihm das in der Sonne schimmernde Band des Rheins und links das von Herbstfarben durchzogene Grün. Doch woran dachte die Komponistin beim Schreiben des Stücks? Keine Liner Note verrät uns das – schade, oder?

Mit einer rockigen und funky angehauchten Note wird „Side To Side“ eröffnet. Diese Einfärbung dauert dann auch bis zum letzten Ton an. Les McCann scheint irgendwie im Geiste auch mit im Spiel. Shake your bones ist unüberhörbar, wenn auch nicht direkt ausgesprochen, die gezielte Aufforderung, auch wenn das perlende Pianosolo die Botschaft teilweise etwas verwässert. Doch wenn Karolina Strassmayer wieder ihr Altsaxofon in den Fokus rückt, ja dann heißt es Soul is in the air.

„Kaskaden“ ergießen sich, wenn Drori Mondlak – er zeichnet für das Solostück auch als Komponist verantwortlich – mit gefühlvollem Einsatz seine verschiedenen Becken ins Schwingen bringt und dann auch für den einen oder anderen Tusch sorgt. Das ist zwar zunächst kein musikalischer Sturzbach, aber das wird dann noch. Irgendwie scheint es dem Drummer der Band erst einmal darum zu gehen, den Fluss des Wassers in all seinen Phasen einzufangen, langsam beginnend und dann sich steigernd. Am Ende ist das Wasser versiegt oder, um ein anderes Bild heranzuziehen, die Wasserspiele sind – man denke zum Beispiel an die der Kasseler Wilhelmshöhe – wieder vorbei. Das Spektakel hat sein Ende gefunden.

Das Finale gehört dem Song „Still In Her Ears“. Wer? Wie? Was? Das sind die Fragen, die man zunächst an den Titel stellt. Doch bei den ersten Takten sind die schon längst vergessen. Piano trifft Querflöte – so könnte man den Beginn des Stücks beschreiben. Das ist sehr konzertant ausgelegt, auch wenn es sich nicht an bekannte Flötenkonzerte anlehnt. Frühlingshaft könnte eine geeignete Charakterisierung der Melodie sein. Man könnte an ein Vogelkonzert denken, an Nachtigall und Lerche. Doch warum heißt der Song, so wie er heißt? Das kann nur die Komponistin Karolina Strassmayer beantworten. Solche Antworten vermisst man in der sehr schmalen CD-Einlage. Schade!

Text © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Karolina Strassmayer
http://karolinastrassmayer.com/

Rainer Böhm
http://www.musikrat.eu/index.php?id=4589&p_id=22
http://www.jazzhalo.be/reviews/cd-reviews/r/rainer-boehm-4tet-familia/
http://www.jazzhalo.be/reviews/cd-reviews/k/koi-trio-feat-sebastian-gillerainer-boehm-light-blue/

Drori Mondlak
http://www.drorimondlak.com/

John Goldsby
http://john.goldsby.de/




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