Jazzstones Trio plays the Rolling Stones

Jazzstones Trio plays the Rolling Stones

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SHAA Music

Im Gegensatz zu Django Bates, der sich bei der „Verjazzung“ von Beatles-Songs allzu dicht am Original entlanghangelt, hat bereits das Jazz Ensemble Baden-Württemberg aufgezeigt, wie eine Annäherung an Rockmusik erfolgen kann. Bei dessen Doors-Projekt wurde im Gegensatz zu Django Bates auf das Vokale verzichtet. Jim Morrison ist eben Jim Morrison wie auch Mick Jagger Mick Jagger ist. Jeder Versuch, dem Original nahe zu kommen, ist zum Scheitern verurteilt. Auch das Jazzstones Trio verzichtet bewusst auf den Gesangspart in „Angie“ und „Ruby Tuesday“ sowie all den anderen „Ohrwürmern“ der Stones.

Dass E-Gitarren nicht notwendig sind, um die Songs der Stones zu arrangieren und zu interpretieren, beweisen der Pianist Stefan Heidtmann, der Bassist Markus Braun und der Schlagzeuger Marcel Wasserfuhr. Dieses klassische Jazztrio entkleidet gewissermaßen die Songs, nimmt ihnen die „aufgeblasene Rock-Hülle“ und dringt zum harmonischen und melodischen Kern der Songs vor. Von der Bühnenshow Jaggers, der all diese Songs begleitet, wollen wir in diesem Kontext gar nicht zu reden. Zumeist lenkt diese vom musikalischen Geschehen ab. Ein begnadeter Sänger ist Jagger gewiss nicht, aber durch eine markante Stimme, eher durch Sprechgesang, auffallend. All das haben die drei Musiker des Jazzstones Trios beiseite geschoben. Mit Fug und Recht und zum Glück. Es geht ja nicht um ein Cover- oder Tribute-Album, sondern um einen eigenständigen Zugang zu einem Teil des Rocks der 1960er und Folgejahre.

Das Niederbrechen der Songs auf ihren kompositorischen Kern ist wirklich das Verdienst von Jazzstones, die damit neue Hörzugänge zu Mick Jagger & Co schaffen. Dabei fällt insbesondere bei „Ruby Tuesday“ dem Bassisten eine tragende Rolle zu. Aus den Tiefen seines Instruments heraus entwickelt sich das Arrangement, wird das Thema seziert, auf das sich dann der Pianist im weiteren Verlauf beziehen kann.

Neben „Angie“ sowie „Under My Thumb“ und „Sympathy For The Devil“ hat das Trio um Stefan Heidtmann mit „Monticello“ und „Frippery“ zwei eigene Kompositionen der Stones-Melange beigegeben. Übrigens, „ Paint It Black“ und  „Lady Jane“ fanden auch Aufnahme auf dem vorliegenden Album.

Bei „Angie“ hat sich wahrscheinlich die „wispernde Stimme“ Jaggers tief eingebrannt, sodass das Arrangement der Jazzstones eine Überraschung darstellt, nicht nur wegen der Kaskaden, die Stefan Heidtmann geschuldet sind. Der Pianist des Trios ist es auch, der im Weiteren mit energetischem Spiel im Fokus des musikalischen Geschehens steht. Dabei scheint das Thema des Originals weitgehend nebensächlich. Das gilt auch für das Basssolo, das wir hören. Man meint, das Trio changiere in seinem Spiel zwischen Cool und Modern Jazz, oder?

Nachfolgend steht dann „Under My Thumb“, ein Song aus den Frühzeiten der Stones. Der eher Blues affine Song wird durch den Bassisten aufgemacht, ehe dann der Pianist die melodischen Linien mit starken Akzentuierungen aufnimmt. Ihm folgt dann der Bassist mit seinen Paraphrasierungen nach. Im Hintergrund setzt Stefan Heidtmann dazu die thematischen Konturen, sodass das Thema des Songs erkennbar bleibt.  

Sehr bewegt und beinahe mit tänzerischer Attitüde wird „Sympathy For The Devil“ präsentiert. Der Fokus liegt dabei auf dem behänden Tastenspiel von Stefan Heidtmann. Seine Sympathie für den Teufel hat so gar nichts mit Keith Richards und Mick Jagger sowie Ron Wood zu tun, trotz der prägnanten Tastensetzungen und der fulminanten Energie, die zum Ausbruch kommt. Wie in anderen Songarrangements auch kommt es auf das Zwiegespräch zwischen Pianisten und Bassisten an, derweil der Drummer achtsam die Felle täschelt, aber nie zu einem fulminanten Solo ansetzt.

„Monticello“ stammt aus der Feder des Pianisten. Vom Charakter her meint man balladenhafte Züge auszumachen. In der Diktion und im Duktus fügt sich das Stück sehr harmonisch in die Stones-Songs ein.  

Von Eric Burdon gibt es ebenso eine Version von „Paint It Black“ wie, kaum zu glauben, von Karel Gott. Nun aber ist es an den Jazzstones „schwarz zu malen“. Dabei nimmt zunächst der Pianist das Thema auf, ehe dann der Bassist seine Umspielungen anbringt. Der Kreis schließt sich insoweit, als dann am Ende erneut auf den schwarzen und weißen Tasten das Thema erklingt, auch im Diskant.  

Am Schluss steht dann die Eigenkomposition „Frippery“, aus der Feder des Pianisten stammend. Bei Zuhören drängt sich der Eindruck auf, das hier und da „Ruby Tuesday“ und „Under My Thumb“ in die Komposition eingeflossen sind.

Text © ferdinand dupuis-panther


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Jazzstones
http://jazzstones.com

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2. Sep. 2019, 20:00: Ophardt - Auditorium | Hafenstr 69


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