Jaak Sooäär / Ara Yaralyan / Markku Ounaskari - Goodbye July

Jaak Sooäär / Ara Yaralyan / Markku Ounaskari - Goodbye July

J

o-tone music

Was erwartet man in der Regel von einem Jazz-Trio? Wohl die Besetzung bestehend aus einem Pianisten, einem Drummer und einem Bassisten oder vielleicht einem Altsaxofonisten anstatt des Pianisten. Doch diese Pfade begeht das Trio um den estnischen Gitarristen Jaak Sooäär nicht. Er suchte sich als Mitspieler den armenisch-estnischen Kontrabassisten Ara Yaralyan und den finnischen Drummer Markku Ounaskari, um das aktuelle Album einzuspielen. Dabei stehen eigene Kompositionen im Mittelpunkt, die auch auf Folklore und europäische Klassik zurückgreifen. Vielfach fällt im Kontext des Trios der Begriff „Klaviertrio ohne Klavier“ - allerdings nicht wirklich treffend und eben auch abwegig. Die Inspiration für das Album hat mit dem Spätsommer 2018 zu tun, der sehr mild und ungewöhnlich warm war, also ein Herbst, der dem Sommer Konkurrenz macht. Das Eröffnungsstück des Albums, „November Rose“, wurde zum Beispiel von zwei wunderschönen roten Rosen inspiriert, die noch Mitte November im Garten von Jaak Sooäär blühten. Der Klimawandel machte es wohl möglich.

Jaak Sooäär ist einer der aktivsten Jazzmusiker des Baltikums und trat unter anderem schon mit Ray Anderson, Anders Jormin, Han Bennink, Will Calhoun, Dave Liebman und Vladimir Tarasov sowie Alexej Kruglov auf. Sein Bandkollege Ara Yaralyan ist bekannt für seine Arbeit im Kari Ikonen Trio. Außerdem arbeitete er schon mit Ingrid Jensen, Vardan Ovsepian und dem finnischen Trompeter Verneri Pohjola. Noch bekannter als seine Mitmusiker ist der Schlagzeuger Markku Ounaskari, der an der Seite von Arve Henriksen, Anders Jormin, Nils Petter Molvaer, Trygve Seim, Markus Stockhausen, Tore Brunborg, Mats Eilertsen und Lena Willemark zu hören war und ist.

Bei „November Rose“ scheint der Gitarrist den Sommer und Frühherbst herbeizusehnen, wenn Rosen in voller Blüte zu erleben sind. Verhalten ist das rauschende Besenwerk des Schlagzeugers im Hintergrund. Diesen besetzt auch der Bassist mit seinem Tieftöner. Derweil ist es an Jaak Sooäär, gleichsam wie mit feinem Bleistiftstrich die vollen Blüten von Rosen zu zeichnen. Nicht gar so starken Sommerduft wie Jaak Sooäär verbreitet Ara Yaralyan in seinem Solo. Obgleich es schon November ist, hat man doch beim Zuhören eher das Gefühl von sommerlichem Hitzeflirren, von Lebensfreude und Winterferne.

„Teisele kaldale / To the other side“ überzeugt durch die aufsteigenden Klangwellen, die Sooäär zu verdanken sind. Zugleich aber nehmen wir den gestrichenen Bass wahr, der eher elegisch gestimmt ist. Herbstfarben tauchen beim Zuhören vor unserem geistigen Auge auf: Gelbnuancen und Brauntönungen. Wenn allerdings Jaak Sooäär in die Saiten greift, hat man den Eindruck von Singer/Songwriter ohne Text, sprich eine gewisse Liedhaftigkeit drängt sich auf. Ist „Goodbye July“ als der Abschied vom Sommer zu verstehen oder nicht? Leicht kommt das Spiel des Trios daher. Der Schlagzeuger scheint gleichsam mit den Sticks über Felle und Becken hinwegzugleiten. Der Bassist setzt kurze Zäsuren. Der Gitarrist seinerseits ist noch immer mit sommerlicher Unbeschwertheit unterwegs, lässt den Sommer an uns vorüberziehen, auch mit einem gelegentlichen Grenzübertritt in das Genre von Pop und Rock, aber nie aufdringlich. Auch in diesem Stück gibt es Raum für ein Basssolo. Sein Spiel gleicht den Schäfchenwolken vor Himmelsblau. Nachfolgend kommt eine gewisse Dramatik auf, dank an den Gitarristen. Sommergewitter oder was? Unablässig agiert der Drummer im Hintergrund, während Saitenschraffuren entstehen.

„Swallow“ wird von einem Basssolo eröffnet. Nimmt der Bassist den Flügelschlag kreisender Schwalben auf? Man möchte es meinen, da man während des Solos durchaus das Bild aufsteigender und niedergehender Schwalben hat, die mal in Bodennähe und mal hoch am Himmel zu sehen sind. Im weiteren Verlauf des Stücks fühlt man sich an Country Music erinnert. Das mag an der Art des Gitarrenspiels von Sooäär liegen. Wenn auch Sooäär die Klangfärbungen dominiert, so präsentiert sich das Trio doch auch als gleichgestellte Dreiheit, da jeder Musiker etwas zu sagen weiß. So wundert es nicht, dass der Bassist noch einmal zu Wort kommt, ehe der Gitarrist das Vorspiel des Bassisten aufgreift und paraphrasierend fortsetzt und sich in schnellen Läufen verliert. Doch zum Schluss überkommt den Hörer der Eindruck, irgendwie sei man mit „Swallow“ auch im staubigen Mittleren Westen der USA unterwegs.

Klagend meldet sich der Bassist Ara Yaralyan in „Four months“, ehe uns Jaak Sooäär in rockiges Fahrwasser entführt. Das bleibt als Eindruck auch bis zum letzten Takt bestehen, auch wegen des fulminanten Schlagwerkers, der im letzten Teil des Stücks zu seinem Solo kommt. In diesem letzten Teil wird gleichsam wie in einer Rahmenhandlung der Beginn von „Four months“ wieder aufgegriffen. Und abschließend heißt es dann „Vaga vesi“. Damit schließt ein Album, das mit klanglichen Weichzeichnungen und Rockelemente zu überzeugen weiß. Letzteres gilt vor allem für die Komposition „Four Months“.

© fdp


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