Iiro Rantala- Ulf Wakenius: Good Stuff

Iiro Rantala- Ulf Wakenius: Good Stuff

I

ACT

In der Verlautbarung des Labels ACT heißt es zur vorliegenden Platte, dabei Iiro Rantala zitierend: „Jeder Ort wird von Musik getragen und ist dadurch einzigartig. Diesen Klängen haben wir nachgespürt. Wien, Rom, Seoul …“. Dass es überhaupt zu einer Zusammenarbeit zwischen dem finischen Pianisten  Iiro Rantala und dem schwedischen Gitarristen Ulf Wakenius kam, ist schier ein Glücksfall, sind die beiden doch mit ihren eigenen Projekten ständig weltweit unterwegs. Im Jahr 2015 machten beide einen Halt in der Berliner Philharmonie, da Siggi Loch die beiden für das „Tears for Esbjörn“-Konzert im Rahmen von „Jazz at Berlin Philharmonic“ gemeinsam verpflichtet hatte: „Dort waren wir Teil eines größeren Ensembles, aber uns war sofort klar, dass wir künftig im Duo spielen wollten“, kommentiert Rantala rückblickend. So kam es zu dieser recht raren Duobesetzung zwischen Gitarristen und Pianisten.

Auf dem aktuellen Album sind unter anderem nachstehende Songs zu hören: „vienna“ ( ulf wakenius), „helsinki“ ( iiro rantala), „palma“ ( iiro rantala) und „seoul“ ( iiro rantala), aber auch Bizets „carmen“ wurde von Iiro Rantala fürs Duo arrangiert, ganz abgesehen von „what a wonderful world“. „berlin“ und „rome“ werden außerdem „besungen“. Kurz vor Schluss gibt es dann noch Coltranes „giant steps“ in einer Bearbeitung Rantalas zu hören und als großes Finale schließlich „ain't no mountain high enough“, ganz im Geist von Funk Music der 70er und 80er Jahre.

Nein, Heurigenmusik stimmen Iiro Rantala und Ulf Wakenius nicht an, um „Wien“ zu besingen. Es klingt eher nach Singer-Songwriter und auch nach beschwingter Kammermusik, insbesondere wenn Rantala seine Finger über die Tasten huschen lässt. Besonders quirlig zupft Wakenius die Gitarrensaiten und korrespondiert in seinem Duktus mit dem von Rantala. Man gewinnt den Eindruck, dass Wien quicklebendig ist. Fortgesetzt wird der musikalische Reigen mit Bizets „Carmen“, ein Stück, das sehr verhalten daherkommt. Man denkt weniger an eine feurige Carmen, sondern steht beim Zuhören unter dem Eindruck, gedämpfter herbstlicher Stimmung. Bisweilen kann man auch an abendliche Impressionen denken, wenn man dem Dialog zwischen den beiden Musikern lauscht. Rantala lässt dabei die angespielten Töne wie an einer Perlenkette aufgereiht erscheinen, ergänzt um das brillante, sehr feinsinnig-kristalline Gitarrenspiel.

Bei „helsinki“ vermutet man Schwere, Melancholie und ein paar Sibelius-Impressionen, aber das musikalische Bild der Stadt ist in den Augen der beiden Musiker ein anderes. Fast mediterran-fröhlich kommt der Song daher. Ja, Rantala legt einen sehr energiegeladenen Duktus hin, um uns die von Klassizismus und Jugendstil geprägte Stadt näherzubringen. Ist da nicht ein bisschen Ragtime beigemischt? Es hat den Eindruck. Hier und da muss man auch an die Spielweise von Django Reinhardt denken, wenn man Ulf Wakenius in seinem Spielfluss folgt. Schließlich hat man auch die Vorstellung, die beiden Musiker hätten Musik für eine Helsinki-Revue geschrieben, mit allerlei Couplets und kessen Chansons, auch wenn nicht gesungen wird. Irgendwie fühlt man sich hier und da musikalisch in die 1920er Jahre zurückversetzt.

Ganz bekannt ist die Melodie, die auf dem Album mit dem Titel „sir duke“aufgeführt ist, beinahe ein Ohrwurm, bei dem man aus voller Kehle mitsummen kann. Es ist eine Hommage an den blin den Pianisten Stevie Wonder. Auf alle Fälle ist es „Good Stuff“, wie auch die übrigen Kompositionen. Nein, es bedarf keiner rauchigen Stimme und eines klaren schmetternden Trompetenklangs für „what a wonderful world“, ein Song, mit dem Satchmo aka Lous Armstrong einst für Furore sorgte. Kein Rap, kein Hip-Hop, kein Technoschlag, kein Rock, um „berlin“ musikalisch einzufangen – das ist die Idee der beiden Musiker für das Spree-Athen. Auch das unablässig Unruhige für 24 Stunden ohne Schlaf fehlt. Eher vernimmt man zerbrechlich-kristalline Klangwelten dank Ulf Wakenius und eine beinahe dem Flamenco entnommene Hymne auf eine Metropole, die jung und frisch ist, zugleich aber auch rotzfrech. Mit einer Perle von Funk und Soul „aint no mountain high“ – hat nicht Tina Turner einst diesen Titel auf die Bühnen dieser Welt gebracht? –, verabschiedet sich das Musiker-Duo, das uns ansonsten eine abwechslungsreiche musikalische Reise durch die Metropolen dieser Welt ermöglicht.

Text: © fdp


Informationen

https://iirorantala.fi/pages/
http://www.ulfwakenius.net/


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