Igor Gehenot Trio: Motion

Igor Gehenot Trio: Motion

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Über das klassische Jazztrio ist seit den 1950er Jahren alles gesagt und geschrieben worden, doch bis heute gibt es immer wieder neue Formationen mit dem Dreiklang von Schlagzeug, Bass und Klavier. So hat der junge Pianist Igor Gehenot den Bassisten Philippe Aerts – er ist nicht nur wegen seines Zusammenspiels mit Philip Catherine, sondern auch mit Natalie Loriers bekannt – und den von FES „ausgeliehenen“ Drummer Teun Verbruggen an seine Seite geholt, um „Bewegung“ einzuspielen. Mit 'Motion' liegt nun das zweite Album des Trios vor, das allerdings gegenüber dem Album 'Road Story'. ''Bewegung' wurde mit einem neuen Bassisten, nämlich Philippe Aerts eingespielt, der Sam Gerstmans ersetzte.

 

Ob man wirklich lyrisch-romantische Klavierweisen und minimalistische Balladen hört, wie es in einem Pressetext zu 'Motion' heißt, muss jeder einzelne Hörer selbst für sich entscheiden. Gewiss ist, dass es im Jazz einige namhafte Pianisten gibt, an denen sich Gehenot messen lassen muss, ob wir nun an Keith Jarrett oder Paul Bley denken. Wenn wir noch weiter in der Geschichte des Jazz zurückgehen, dann kommt man auch um Namen wie Bill Evans oder Thelonious Monk nicht herum.

Igor Gehenot, aus Lüttich stammend und 2011 Gewinner des Sabam-Jugend-Jazz-Preises, ist eines der überaus jungen Gesichter im belgischen Jazz. Mit gerademal 25 Jahren brilliert er durch sein dynamisch und akzentuiertes Spiel, bei dem nicht nur melodiöses Klanggeplätscher ans Ohr des Zuhörers dringt. Unter den zehn Einspielungen befindet sich mit „In The Wee Small Hours Of The Morning' nur eine Komposition, die nicht aus Gehenots Feder stammt. Dass er ein klassisch ausgebildeter Pianist ist, schimmert hier und da in seinem Spiel durch. Gehenot war zwei Jahre lang „Artist in Residence“ im sehr bekannten Brüsseler Jazzclub „Sounds“. Während dieser „Stipendiatenzeit“ spielte Igor Gehenot u. a. mit Félix Zurstrassen, Lionel Beuvens, Martin Méréau, Pat Cleaver, Jean-Paul Estiévenart, Lorenzo Di Maio, Sal La Rocca, Jens Bouttery, Daniele Cappucci und Vincent Thékal. Dies trug sicherlich zu seiner musikalischen Reife bei, von der man sich beim Hören der Neueinspielungen für die CD 'Motion' überzeugen kann. Hören wir also rein und lauschen den quirligen Fingerübungen des Lütticher Talents am belgischen Jazzfirmament. Mit 'Crush' und nicht 'Crash' – auch dieser Titel wäre für das Eröffnungsstück durchaus passend – beginnt die musikalische Reise, die wir neugierig beginnen. Schnell und genau gesetzt sind die Läufe des Pianos, das von einem Bass behutsam begleitet wird. Der Bass übernimmt dann einen melodisch klingenden Part dank sei Philippe Aerts. Gehenot folgt dem Melodiefluss des Basses und verliert dann das Thema, als der Schlag auf die Tasten kräftiger wird und der Rhythmusduktus die Oberhand gewinnt. Mit weiteren Kompositionen scheint uns der Lütticher Pianist in ferne Welten mitnehmen zu wollen, nach 'Santiago' ins ferne Chile und nach Australien. Wo sonst als auf dem fünften Kontinent sollten wir denn das 'Hinterland' ('Back Country'), sprich das Outback, finden? Lyrisch beginnt in 'Santiago' der Klavierreigen, der dann in starke Tonsprünge wechselt. Zu diesen kann man sich das Bild eines durch Unwetter unterbrochenen Spaziergangs durch die chilenische Hauptstadt vorstellen. Sein Können am Bass kann auch Aerts in diesem Stück für kurze Zeit entfalten, doch dann gewinnen wieder die raschen Tonsequenzen, die Gehenot setzt, die Oberhand. Bei ' Songs of Eden' gewinnt man den Eindruck, dieses Stück sei wegen des besonderen Klangs in einer Tropfsteinhöhle aufgenommen worden. Minimalistisch mutet die Melodiestruktur an, die ein wenig nachhallt. Nie hat man – und das gilt auch für die weiteren Einspielungen – den Eindruck, als gleite Gehenot in seinem Spiel ins Seichte ab. Oftmals setzt er im übertragenen Sinne Paukenschläge. It's funky, funky, funky denkt man bei den ersten Takten von 'Jaws Dreams'. Doch dieser erste Eindruck verflüchtigt sich schnell und kehrt dam im Verlauf des Stücks wieder. Es swingt und groovt ganz im Geiste des Bebops, fern ab „verkopfter Themen“, die im aktuellen Jazz auch zu finden sind. Doch mehr und mehr scheint es ein Revival von Bebop, Cool Jazz und Hard Bop zu geben, hört man sich intensiv durch aktuelle CD-Veröffentlichungen. Wie man Gehenots Jazz einordnet ist gänzlich zweitrangig. Wesentlich ist, dass dieser noch junge Musiker aus der Begrenztheit der Tonfarben der Instrumentierung seines Trios alles aus diesem herausholt, was herauszuholen ist. Stay tuned, man!

© ferdinand dupuis-panther

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http://www.igloorecords.be

Homepage
http://www.igorgehenot.be/HOME.html


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