Helbock-Raab: What’s next? I don’t know

Helbock-Raab: What’s next? I don’t know

H

Session Work Records, SN 73/14

David Helbock, der ein gewissenhafter und sehr fleißiger Komponist ist, ist der Titel „29.3.2009“ zu verdanken.

 

Zu diesem Stück bemerkte Lorenz Raab beim Steyr Jazzfestival 2015, an dem ich als Zuhörer zugegen war, dass David so viel komponiere, dass er selbst nicht mehr nachkomme. Während Lorenz Raab seine Trompete zum Gurren bringt, greift David Helbock in den Korpus des Klaviers und lässt die Saiten schnalzen, knallen und schwirren. Tiefgründiges kommt aus dem Trompetentrichter. Immer noch spielt David Helbock direkt mit den Saiten, ehe er dann wieder vor dem Tastenfeld Platz nimmt und eine recht fetzige Melodie ihren Anfang und Fortgang nimmt. Energetisch aufgeladen ist das, was wir hören. Wer da an „African Market Place“ denken muss, nun gut. Es scheint, das einige Harmonieschemen durchaus eine Nähe zu dem Stück von Abdullah Ibrahim haben. Oh, was passiert denn da? Zum Trompetensolo wird David Helbock zum Perkussionisten, der mit feinen, dünnen Hölzern – so mein Höreindruck – den Korpus seines schwarz-weißen Tastenmöbels traktiert. Danach vereinen sich beide Musiker wieder im Thema. Es ist ein Thema, bei dem man durchaus auch mal die müden Glieder ausschütteln darf. Let's dance oder auch nicht, das ist ja jedem selber überlassen. Dem Ende zugehend ereifern sich beide Musiker kurz im freien Spiel. Doch aus Ungebundenem wird schließlich wieder Gebundenes. Das Melodiöse bekommt die Überhand.

Dass die beiden überaus vielseitigen Musiker wenig Berührungsängste zu anderen Genres als Jazz haben, beweisen sie nicht nur mit der Wahl des Kupelwieser Walzers aus der Feder von Franz Schubert, sondern auch bei der kleinen Suite, die sich an Vorarlberger Volksweisen anlehnt. „Am Voralberg Blues“, „Am Berg“ und „Brunella“, eigentlich eine Alpenblume, aber in Vorarlberg auch die Bezeichnung für eine schöne Frau, wie mir David Helbock im Gespräch verriet, bündelte er zu einer Suite. Dass dabei m. E. auch Anklänge an Ragtime zu hören sind, unterstreicht nur die generelle Offenheit des Duos für verschiedene Genres. Irgendwie traut man seinen Ohren nicht, wenn Lorenz Raab schließlich anfängt, auf der Trompete zu schmatzen, Wind zu blasen, zu schnalzen und anderen Geräuschzauber zu verbreiten. Zugleich wähnt man sich angesichts der griffigen Melodielinien auf einem Heimatabend mit Blasmusik.

Mit einem sehr feinen Ansatz spielt Lorenz Raab das von Henry Purcell komponierte „Dido's Lament“. Zwischenzeitlich hat man angesichts des samtenen Klangs den Eindruck, Raab spiele gar nicht Trompete, sondern Flügelhorn. Vom Charakter her ist das Stück Klagelied durch und durch, von der Stimmung her wehmütig, vom Tempo getragen. Das ändert sich auch nicht, als David Helbock etwa zur Mitte der Komposition mehr oder minder die Regie übernimmt. Konzertantes dringt ans Ohr der Zuhörer – welch ein Genuss!

Bereits auf seiner Solo-Einspielung „Purple“ hat sich David Helbock mit Prince und dessen umfangreichem Werk befasst. Auch auf dem vorliegenden Album widmet er sich mit „Sometimes It Snows In April“ diesem us-amerikanischen Musiker, der sich im Laufe seiner Karriere immer wieder neu erfunden hat. Hören wir also mal auf David Helbocks Zugang zu Prince und einem Schneetag im April: Gedämpfte Tastentöne treffen auf Töne, die an zerbrechendes Eis oder Glas erinnern. Das ist nur eine kurze Momentaufnahme, bei der das präparierte Klavier im Fokus steht. Sanft-schmeichlerisch drängt sich Lorenz Raab dann mit seiner Trompete ins Hörfeld. Perlende Klangfolgen liegen unter der schwebenden Klangwolke, die aus dem Trichter des Horns an unser Gehör drängt. Ein wenig erinnert uns der Song von Prince an eine Hymne des Pops – ein sehr gelungener Abschluss ein überaus klangreichen Albums.

© ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label
Session Work Records
http://www.sessionworkrec.com

David Helbock
http://www.davidhelbock.com/
http://www.youtube.com/user/davidhelbock
https://www.youtube.com/watch?v=t0Z1MnJZ9Ts

Lorenz Raab
http://lorenzraab.at

Interview mit David Helbock
http://www.jazzhalo.be/interviews/david-helbock-im-gespraech-mit-dem-oesterreichischen-pianisten/

CD-Besprechungen
http://www.jazzhalo.be/reviews/cd-reviews/d/david-helbock-purple/
http://www.jazzhalo.be/reviews/cd-reviews/d/david-helbock-trio-aural-colors/
http://www.jazzhalo.be/reviews/cd-reviews/d/david-helbocks-randomcontrol-think-of-two/


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