Florian Ross - Architexture, Musik für Jazz Quartet and Wind Ensemble

Florian Ross - Architexture, Musik für Jazz Quartet and Wind Ensemble

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Naxos

Florian Ross studierte Jazz-Kompositionslehre und Klavier an der Musikhochschule Köln, ehe er für einige Zeit nach London übersiedelte und sich dort mit Werken britischer Komponisten des 20. Jahrhunderts auseinandersetzte, namentlich Benjamin Britten, Peter Warlock und Edward Elgar. Außerdem studierte er ein Jahr lang in New York bei Don Friedman und Jim McNeely. Das erste Album von Florian Ross war eines in klassischer Trio-Besetzung. Doch die Bekanntheit von Ross wuchs, sodass er auch vom Brussels Jazz Orchestra und der NDR Big Band als Komponist angefragt wurde. Dabei blieb es nicht und es folgten Engagements als Komponist für Orchester und andere große Klangkörper wie das Metropole Orkest, Vancouver Jazz Orchestra, BMI Jazz Orchestra,  das Cologne Contemporary Jazz Orchestra und das Subway Jazz Orchestra.  Für „Architexture“ greift er auf folgende Besetzung zurück: Florian Ross (comp, piano), Sebastian Gille (sax), David Helm (bass), Fabian Arends (drums) sowie Susanne Blumenthal und das Event Wind Ensemble.

Dabei befasst sich das Album mit der Verbindung von Architektur und Musik, von Raum und Musik, von Design und dem akustischen Raum, der durch Musik geschaffen wird. Im Kontext des Albums lesen wir nachstehende Anmerkungen  von Florian Ross: „I think both architecture and music are forms of art which are deeply rooted in constructive rules that long to be stretched or even broken. Jazz is particularly close to architecture: clear lines and forms are juxtaposed with wild excursions into improvisation. ...“.

Neben vier Segmenten/Variationen von „Development“ umfasst das aktuelle Album Titel wie „Alvaro“, „Richard“, „Maya“, „Glebe Cottage“, „Daniel“ und „Oscar“. Angesichts des Albumtitels und der Kompositionstitel liegt es nahe, dass sich hinter den Vornamen Daniel und Oscar zum Beispiel Daniel Libeskind und Oscar Niemeyer verbergen. Und für wen steht Richard? Für Richard Neutra? Und Alvaro für Alvaro Siza? Und was ist mit „Maya“? Doch für Aufklärung könnte da nur der Komponist und Bandleader Florian Ross sotgen.

Architektur, das sind ja rechte Winkel zumeist, White Cube und Flachdach – zumindest bei moderner Architektur. Es gibt Kanten, Ecken, Schweller, Ständer, Balken und Sparren, alles kantig in der geometrischen Form. Diese Kantigkeit findet man in „Alvaro“ nicht. Alles scheint abgerundet, einem Handschmeichler gleich. Von Transparenz muss man sprechen, lauscht man dem Wind Ensemble. Fließendes findet sich im Klavierspiel von Florian Ross. An geschwungene Linien lässt der Sopransaxofonpart (?) gegen Ende des Stücks denken, bevor nochmals das gesamte Wind Ensemble aufspielt und einen weichen Klangteppich ausrollt. Brandende Klangwellen hört man bei dem Klaviersolo zu Beginn von „Richard“. Weiche Saxofonpassagen schließen sich an und auch das Wind Ensemble zeichnet sich durch Weichzeichnungen und nicht durch eckige und schroffe Klangsetzungen aus. Eingebunden ist auch ein Saxofonsolo, eher nach Ungebundenheit suchend und klanglich Faden an Faden zu einem Fadengebilde zusammenfügend. Auf dieses Solo antwortet Florian Ross mit ähnlich gelagerten Tastensequenzen, ehe dann das Wind Ensemble im Tutti zu hören ist.

Querflöte und Oboe – sind diese Instrumente beiden zu Beginn von „Maya“ zu hören? Anschließend vernehmen wir dann den vollen Klang weiterer Bläser, unter denen auch ein Fagott zu sein scheint. Oder ist da gar eine Klarinette noch mit im Spiel? Was wir hören, ist wohl der modernen klassischen Musik entsprungen, vielleicht auch amerikanischer Broadway-Musik. Doch in der Mitte des Stücks wandelt sich der Charakter, sind auch freie Passagen eingesprengt zu hören. Nachfolgend wechseln sich Soloeinlagen und Ensemblewerk ab. Dabei erinnert das, was wir hören hier und da an einen Lobgesang, oder? Nach dem Stück „Antoni“ in Erinnerung an die florale, organische Architektur Gaudís folgt „Development One“ geprägt von dem Zwiegespräch zwischen Holzbläsern und Piano. Dabei werden Klangflächen vermessen. Hört man da nicht erstmals Posaunen? Nach einem kurzen Drumming-Intermezzo geht es erneut ins Thema und dessen Paraphrasierungen durch einen Holzbläser. Dessen gepresster Klang bleibt  nachhaltig im Gedächtnis haften. Und dann scheint auch ein Fagott im Hintergrund hörbar zu sein. Zum Ende zu stimmt der Pianist mit dem Ensemble erneut das Hauptthema an.

Ein umgebauter Pfarrstall in einem Dorf nahe Falmouth erfährt in „Glebe Cottage“ eine musikalische Würdigung, die eine Mischung von Reigen und verjazztem Liedgut sowie klassische Musik mit einer Prise Kurt Weill zu sein scheint. Energiegeladene Klaviersetzungen treffen in „Developement Two“ auf die versammelten Bläser, von denen der eine oder andere seine Stimme ganz bewusst aus der Masse heraushebt, teilweise angesäuert und marktschreierisch, aber auch rhythmisch ausgereift.

Wie klingt wohl Dekonstruktivismus? Wie werden die Leerräume von Libeskind eingefangen? Das sind Fragen, die sich beim Erklingen von „Daniel“ stellen. Spitze und „säuerliche“ Saxofonpassagen sind zu identifizieren. Das wohl schon. Der Pianist lässt anschließend Töne verschmelzen und dahinfließen. Das klingt dann eher nach organischen Formen als nach den Edern, die Libeskind in seinen Museumsbauten wie dem Jüdischen Museum Kopenhagen und Berlin verbaut, oder? Auch schiefe Ebenen, die wir bei Libeskind finden, sind nicht in der Musik auszumachen. Also: Worin besteht der Bezug von Architektur und Musik in diesem Stück? Dramatische Klangmosaike machen „Oscar“ aus. Dazwischen gibt es Passagen, die durchaus zum Mitsummen angelegt sind. Und dann entfaltet sich irgendwann der freie Geist des Jazz, wenn ein Saxofon sich entäußert, schreit, kreischt, seine Stimme gebrochen hören lässt. Danach scheint eher Symphonisches angesagt zu sein und zum Schluss vernimmt man noch undeutliches Stimmengewirr. Und was hat das mit einem Architekten zu tun, der das Bauhaus und den Kubus so ganz und gar nicht schätzte und stattdessen eher schwungvolle, gigantomanische Architektur bevorzugte?

© ferdinand dupuis-panther


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