Ensemble Denada: Windfall

Ensemble Denada: Windfall

E

Ozella Music, Oz 053

Nein, Fallobst – so die deutsche Übersetzung von „Windfall“ – liefern die Musiker um Helge Sunde auf diesem Album nicht ab. Vielmehr hat dieses Album mit einem Obstbauern aus Westnorwegen zu tun, der eine Liebe für Gedichte besaß und erst im reifen Alter von 60 Jahren als Dichter überhaupt zu Ruhm und Anerkennung gelangte. Mit 70 fand er dann sein spätes Liebesglück. So wie der Jazz über den Atlantik nach Europa kam, so kam auch der besagte Obstbauer zur Poesie. Ein Verwandter sandte ihm aus den USA ein Buch über das Schreiben von Gedichten. Die Kompositionen „Seven Winds“, „Arrow“ und „The Entire Truth“ sind diesem Bauern auf Westnorwegen gewidmet.

Helge Sunde hat um sich ein großes Ensemble geschart: Frank Brodahl, Marius Haltli (Trumpets), Anders Eriksson (Trumpet, Flugelhorn), Helge Sunde, Erik Johannessen, Arild Hillestad (Trombones), Frode Nymo (Soprano saxophone), Børge-Are Halvorsen (Alto saxophone, alto flute), Atle Nymo (Tenor saxophone, bass clarinet), Nils Jansen (Bass saxophone, tubax, contra alto
clarinet, alto flute), Peter Baden (Sampling, rhythmic and harmonic electronics), Jens Thoresen (Guitar), Olga Konkova (Piano), Per Mathisen (Bass) und Håkon Mjåset Johansen (Drums). Angesichts eines derart stimmgewaltigen Orchesters, stimmgewaltig auch in den tiefen Lagen, erhebt sich Frage, wozu es denn eigentlich noch der klassischen Rhythmusgruppe bedarf.

Neben den bereits zuvor erwähnten Titeln hören wir außerdem „The Speedcouch (sic)“ mit Solos von Peter Baden, Frode Nymo und Per Mathisen, „Moosic“ mit Solos von Nils Jansen, Børge-Are Halvorsen und Marius Haltli sowie „Sidewalk“ mit einem Posaunensolo von Erik Johannessen.

Dass Helge Sunde durchaus ein Mann mit Sinn für Humor ist, verraten Titel wie „The Speedcouch“ und „Moosic“. „Ein Elch, der einen Fjord durchschwimmt, kann zu einem Jazz-Song in 5/4 werden, ein Tippfehler auf einem Notenblatt kann zu einem schrägen Song über ein Sofa führen, das einen Berg hinunter rodelt.“ So beschreibt die Band selbst das Konzept „Windfall“ im Booklet der CD.

Also, dann rodeln wir mal nicht mit einem Schlitten, sondern einem Sofa musikalisch zu Tal: Irgendwie geht es ein wenig holprig zu, lauscht man den vereinten Bläsern und dem elektronischen Klangmix. Mal scheint das Sofa Fahrt aufzunehmen, aber dann scheint diese Fahrt irgendwie behindert zu werden. Insbesondere die Tieftöner unter den Bläsern scheinen eine unbändige Energie auszustrahlen, die nur noch von den vielstimmigen Hörnern überboten wird. Steter Bassklang verheißt, dass das Sofa stetig durch den Tiefschnee rutscht. Oh, muss da nicht eine Tanne umfahren werden? Signalisieren nicht Saxofone und Tuba, dass das Unterholz im Wege steht? Sehr dynamisch ist das Solo von Frode Nymo auf dem Sopransaxofon angelegt. Irgendwie scheint die Sequenz des Holzbläsers auch jede Bodenwelle auf der Talfahrt musikalisch aufzunehmen. Anschließend folgt ein Crescendo. Ist das Sofa umgefallen oder noch in der Bahn?

Schnarrt, schnurrt und grunzt da zu Beginn von „Moosic“ nicht die Tuba gewaltig? Wenn dann alle Bläser zu hören sind, dann meint man, der Elch würde eiligst die Flucht ergreifen. So geht es durch Sümpfe, Gewässer und das Dickicht. Irgendwann hat der Elch dann eine Lichtung erreicht und stillt wieder in aller Ruhe seinen Hunger.

Aus dem hohen Norden geht es flugs auf die Straße nach Damaskus, jedenfalls musikalisch. Das Klangbild hat nichts von einem orientalischen Einschlag, sondern wird ganz wesentlich vom energetischen Duktus bestimmt, den Olga Konkova an den Tag legt. Irgendwie mag man beim Zuhören glauben, dass die Fahrt sehr unruhig ist. Hier und da signalisieren Pausen im Fluss der Klavierpassagen, dass Hindernisse auf der Straße vorhanden sind. Die Landschaft zieht an uns vorbei, auch als das gesamte Ensemble in die „Hörner stößt“, aber nicht nur in die. Das zweite Solo von Olga Konkova verrät einen durchgehenden Klangfluss, gleichsam als das musikalische Bild einer flotten Fahrt zu verstehen. Dieses Bild findet die Fortsetzung, wenn Atle Nymo zu seinem Solo auf dem Tenorsaxofon zu hören ist. Mit dem Pfeil („Arrow“) treffen Helge Sunde und seine Mitspieler zum Abschluss ins Schwarze, musikalisch jedenfalls.

Text: © ferdinand dupuis-panther

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Ozella Music
http://www.ozellamusic.com

Musiker
http://www.ensembledenada.com


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