Didier François & Michel Bisceglia – Whispered Wishes

Didier François & Michel Bisceglia – Whispered Wishes

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Prova Records

Das neue Album von Didier François und Michel Bisceglia enthält entsprechend des Titels des Albums nicht nur, aber auch Flüstertöne, sehr viel Lyrisches, eine feinste Gewürzmischung von Klassik, Jazz und Weltmusik. Letzteres ist dem Perkussionisten Trilok Gurtu geschuldet, der auch einen erheblichen Vokalanteil an den aufgenommenen Kompositionen hat, ganz in der Tradition der karnatischen Musik. An drei klassische Kompositionen haben sich die Musiker um Michel Bisceglia „gewagt“,  Georg Friedrich Händels „Lascia ch’io pianga“, Guillaume de Machauts „Dame, ne regardes pas“ und Johann Kapsbergers „Toccata arpeggiata“.

Michel Bisceglia ist bei allen Kompositionen am Flügel zu hören, derweil Didier François abwechselnd zwei historische Streichinstrumente spielt: Viola d’amore a chiavi (Tastenfiedel) und Viola da siena. Als Gastmusiker treten in Erscheinung: Trilok Gurtu (tabla, udu and light/vocal percussion), Jean-Philippe Viret (double bass), Marc Léhan (drums), Philippe Malfeyt (arche liuto/Erzlaute) und Romina Lischka (viola da gamba/Schoßgeige, discant and vocals).

Aufmacher des Albums ist „After the storm“, gefolgt von Händels „Lascia ch’io pianga“,  „Swamimalai“ und „Gold Generation“. Neben den oben aufgeführten klassischen Kompositionen fanden auch „Meditation“ und „Kim“ Aufnahme auf dem vorliegenden Album. Mit „Stephie’s song“ und  „Toccata arpeggiata“ wird die musikalische Dramaturgie des Albums geschlossen.

Bei „After the storm“ vermischen sich Gesang und Streicherklang.  Ddakeda- Dinkeding – ist zu vernehmen. Lautmalerisches mischt sich mit dem Klang gestricher Saiten. Dialogisch ist dies angelegt, obgleich man auch den Eindruck gewinnt, Trilok Gurtu gebe Widerworte, sei rechthaberisch, auftrumpfend. Wohl wissend, dass auf historischen Streichinstrumenten gespielt wird, hat man nachfolgend durchaus den Höreindruck, ein Cello nehme uns auf die Klangreise mit, ehe dann wie Phoenix aus der Asche die lautmalerischen Stakkatos von Triluk Gurtu einsetzen. Dabei türmt sich die Sprache bewegt auf.

„Lascia ch’io pianga“ wurde in dem klassischen Duktus durch die Rhythmisierung verfremdet, die Trilok Gurtu und seinen Tablas zu verdanken ist. Ist da nicht auch ein dumpf schwingendes Udu mit von der Partie? Gewiss, die Streicher – Tastenfiedel und Schoßgeige (?) - sind dominant. Doch deren Spiel wird abgelöst von einem fein rieselnden Tastenklang – dank an Michel Bisceglia.

Ein Klangbächlein ergießt sich, wenn Michel Bisceglia bei „Swamimalai“ die Eröffnung spielt. Doch dann vermischen sich Tabla, Udu und Streicher mit dem Gesang von Romina Lischka. Indien scheint so näher als europäische Barockmusik und Jazz. Romantisch anmutend sind die Linien, die Michel Bisecglia vorträgt. Behutsam wird er dabei wie in einem klassischen Jazztrio von Philippe Viret und Marc Léhan begleitet. Aus dem klassischen Korsett löst sich der Streicher, ohne das er verwegene Improvisationen zum Besten gibt.

Ob Tastenfiedel oder Schoßgeige anfänglich den Charakter von „Gold Generation“ bestimmen, vermag nur ein sehr geschulter Hörer herauszufiltern. Beeindruckend und nachhaltig in Erinnerung bleibend ist jedoch der rhythmische Lautgesang von Trilok Gurtu, unterlegt von den weichen Gesangslinien Romina Lischkas.

„Meditation“ wurde im Gegensatz zu den obig aufgeführten Werken von Didier François alleine und nicht gemeinsam mit Michel Bisceglia komponiert. Der Bassist Philippe Viret eröffnet mit und ohne Flageolett das Werk. Dabei schmeichelt er dem Hörer, indem er auf das sonst Erdige des Basses weitgehend verzichtet. Zu dieser Eröffnungspassage wird eine Streichersequenz gesetzt, die eher spröde anmutet. Würde Michel Bisceglia nicht mit eher tieftönigen Untermalungen daherkommen, das Spröde würde sehr übergreifend sein. Die zum Einsatz kommenden Violas haben eben nicht einen großen Resonanzkörper und keine warmen Saitenklänge zu bieten. Blop, Blop – also tropfige Laute vernehmen wir obendrein zu dem eher perlend ausgerichteten Klavierspiel Bisceglias. Ob man wirklich zu dieser Musik, die hier und da Brüche zeigt, meditieren kann, sei mal dahingestellt. Das wäre sicherlich der Fall, würden nur Bass und Klavier im „fließenden Gleichschritt“ zu hören sein.

Beinahe balladenhaft gibt sich  „Stephie‘s Song“. Bereichert wird dieser Song durch ein ausgereiftes Basssolo, das auch die „höheren Tiefen“ erkundet. Die Saiten schwingen satt. Der Klang der Viola ist gewöhnungsbedürftig. Ihr mangelt es an einer gewissen Wärme. Kleine klangliche Stromschnellen erzeugt Michel Bisceglia auf den Tasten. Das hat durchaus auch klassische Anmutungen. Mit einer durch und durch klassischen Komposition, der „Toccata arpeggiata“, wird das Album der „geflüsterten Wünsche“ schließlich abgeschlossen. Diese Komposition ist dem venetianischen Komponisten und Lautenspieler Johann Hieronymus Kapsberger (Giovanni Geronimo Kapsperger) zu verdanken, der von etwa 1580 bis 1651 lebte.

Text: © ferdinand dupuis-panther – Der Text ist nicht Public Commons!


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