Dave Glasser - Hypocrisy Democracy

Dave Glasser - Hypocrisy Democracy

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Here Tiz Music

“Despite the fact that Glasser is an old soul in many ways, he shouldn't be mistaken for a nostalgia act… he lives in the here and now and his playing and writing continue to evolve.” So schreibt Dan Bilawsky in  All About Jazz über den Saxofonisten und Flötisten Dave Glasser, der sich auf eine moderne Fassung von Hard Bop versteht.

Zu dem durchaus politisch zu charakterisierenden Titel des vorliegenden Albums äußert sich Glasser wie folgt: “Of course, things are certainly at an unstable place right now, but we’ve been here before. The question is how are we going to come together to overcome these common struggles?” Fürwahr angesichts der aktuellen weltweiten Pandemie, die das kapitalistische System nicht nur der USA aus den Angeln gehoben hat, ist die von Glasser gestellte Frage eine Schlüsselfrage.

Der New Yorker Dave Glasser, ein „Schüler“ von Lee Konitz, spielte u. a. an der Seite von Clark Terry, Illinois Jacquet, Barry Harris und Dizzy Gillespie. Zudem ist er bis heute Teil des Count Basie Orchestra. Jenseits dessen bewahrt sich der Saxofonist seinen freien Geist und überschreitet auch musikalische Grenzen, d.h., er ist kein stocktrockener Vertreter von Hard Bop. Mitglieder seiner aktuellen Band sind der Pianist Andy Milne, der Bassist Ben Allison und der Drummer Matt Wilson.

Glasser äußert sich zu seiner Band und seinen Bandkollegen wie nachstehen zitiert: “These guys have all worked in different areas doing their own thing, so this is a group of people who have come together from very farflung places. We’ve worked side by side in academic circumstances, but never as musicians. Yet we’ve managed to unite to find the things that we have in common instead of thinking about our differences. I think that parallels artistically what I see as a big problem facing society right now: people are focused on their differences, so they’re warring and arguing and blaming as opposed to looking at what they have in common.”

Gleichsam einen Zick-Zack-Kurs beschreibt der Saxofonist Glaser in“Knit Wit”. Dabei scheint man zugleich Alarmrufe zu vernehmen wie auch rollende Klangmomente, unterstrichen durch das kurze und abgehackt erscheinende Drumming. Folgt man dem weiteren Verlauf, so hat man den Eindruck, dass auch ein Stolpern auszumachen ist und nicht nur ein stetes Vorwärts. Nicht marktschreierisch und aufgeregt zeigt sich der Saxofonist in “Justice”. Ans Ohr des Hörers dringen zwar spitze Klangfragmente, aber auch lineare Klangfolgen. Das Bild eines in Eile Begriffenen, eines Verfolgten und Hastenden drängt sich beim weiteren Zuhören auf. Dabei hält Glasser die Klangfäden in der Hand, die er vielfältig verspinnt. Doch auch dem Drummer kommt bei einem Solo gebührende Aufmerksamkeit zu. Er setzt wirbelnde Akzente, die Glasser anschließend aufgreift. Sehr nahe am Klarinettenklang erleben wir den Saxofonisten zeitweilig bei „It's Nothing New“. Doch im Fortgang wird deutlich, dass das Samtene nicht angezeigt ist. Spitze und aufgebrachte Klänge stehen im Vordergrund. Kleine klangliche Springfluten werden zelebriert. Hört man da nicht auch eine Piccoloflöte und einen Saxofonaufschrei? Zwischenzeitlich meint man, dass auch Funk kurz gestreift wird. Pastellene Weichzeichnungen machen “Dilemonk” aus. Verfällt der Pianist da nicht in einen Monk-Mood oder ist das nur eine Illusion?

Erleben wir bei “Coffees, Dogs, and Telelogs” ein morgendliches Ritual, sprich den Gang mit dem Hund vor die Tür und einen Coffee to go? Es scheint so. Zumindest suggerieren Saxofonist und Bassist einen Gang mit flottem Schritt durch den morgendlichen Kiez. Mal wird hier, mal da ein Schwätzchen mit Nachbarn gehalten. Altsaxofon und Bass sind die steten Begleiter in der urbanen Routine des Alltags.

Die Flöte im Jazz war gewiss nicht Herbie Mann oder Jeremy Steig allein vorbehalten, doch eine Rarität ist sie im Jazz schon. Überraschend ist schon der schwebende Flötenklang in “It’s a Small World”. Die von Glasser gespielte Flöte setzt bei diesem Stück  eine einzigartige Klangfärbung im Gegensatz zu allen anderen, vom Saxofon dominierten Stücken des Albums. Zudem vernimmt der Hörer auch den vollen Klang von hölzernen Klangstäben (?) und die behutsame Tastensetzung des Pianisten. „Freedom“ darf auf einem Album, das sich mit „Demokratie und Heuchelei“ befasst, nicht fehlen. Freiheit ist essenziell in einer Demokratie. Dabei scheint es so, als wolle Glasser diese lauthals einfordern. Ungebändigt tritt sein Holzbläser in Erscheinung und reizt alle Klanglagen aus, die auszureizen sind, nicht immer lauthals, sondern auch mal verhalten. So kann er auch seinen Mitmusikern musikalische Freiheiten überlassen. Und zum Schluss hört man eingesprochen das Wort „Freedom“!

Schlussworte des Saxofonisten Dave Glasser: “My hope is that the record will be part of a change in our culture whereby people educate themselves and think independently about the decisions that they make, … To me, music is about listening and reacting, interacting and playing something that makes the whole thing sound good, move forward and reach people.”

© fdp


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