Compro Oro: Transatlantic

Compro Oro: Transatlantic

C

W.E.R.F. 128

Auf dem Ozeanriesen, der sich auf dem Plattencover durch die aufgewühlte See schiebt, sind folgende Musiker unterwegs, deren Ziel wohl New York und die dortige Latin-Szene ist: Bart Vervaeck (e-guitar), Frederik Van den Berghe (drums), Nathan Daems (flute), Wim Segers (vibrafon, marimba), Mattias Geernaert (contrabass) und schließlich Robbe Kieckens (percussions, kalimba, congas).

Ein Hohelied auf afrokubanische Musik anzustimmen, war die Idee für die Gründung des Genter Kollektivs. Eine der wichtigen Inspirationen war die Musik von Cal Tjader. Wim Segers, der teilweise wie ein Berserker mit den Schlägeln Vibrafon und Marimbafon traktiert, ist für die Kompositionen zuständig. Allerdings stammen nicht alle Aufnahmen auf der aktuellen Scheibe von ihm. „Johnny does whatever he wants“ ist ein traditioneller Song, den auch die erfolgreichste Instrumental-Rock-Band der 1960er Jahre, The Ventures, hätten in ihrem Repertoire haben können, zumal der Song auf dem aktuellen Album von Compro Oro nach The Ventures klingt.
Mit „Liquid Love“ beginnt die musikalische Transatlantikreise. Compro Oro macht uns mit „The Cuban 5“ und „Madness in Havana“ bekannt, ehe wir ins „Voodoo Valley“ abtauchen, um am Ende den Geschichten von „The Dreamer“ zu lauschen.
Wer an Marimba- und Vibrafon denkt, denkt an Milt Jackson, Lionel Hampton, Gary Burton oder Dave Pike, unter Umständen. All das sollte man auch und gerade vom Klangeindruck hinter sich lassen, um sich dem dynamischen, teils auch rotzig-frechen Spiel von Wim Segers zu öffnen. Seine Wirbel auf den Klangstäben sind ganz wesentlich für die Klangfarben des Ensembles Compro Oro. Was zu erleben ist, ist ein klanglicher Goldrausch. Es funkelt, blitzt, scheint, glänzt, wenn die Band spielt. Dynamik pur und geballte Energie, die sich entlädt, sind essenzielle Bestandteile der Musik. Klangkaskaden und -fontänen rauschen links und rechts, auch bei „Liquid Love“. Tempowechsel gehören dazu, um die tonalen Quellen wirklich sprudeln zu lassen. Manchmal vermeint man, den Regen auf die Blätter des Dschungels niederprasseln zu hören, vor allem beim Solo von Wim Segers. Plink, Plonk, Plink, Plonk – das stellt sich als Höreindruck ein. Hintergründig wimmert und schnarrt dazu eine E-Gitarre. Beckenwirbel kommen hinzu. Die Melodie- und Harmonieführung wechselt dabei nicht, sondern bleibt in den Händen des Vibrafonisten.
Was erwartet man bei einem Titel wie „The Cuban 5“?  Son? Salsa? Samba? Tanzbares auf alle Fälle, treibende Rhythmen, Melodieströme wie „Samba Pa Ti“ oder „Black Magic Woman“? Dank der perkussiven Momente des Songs und des sehr energiegeladenen Spiels von Wim Segers ist die Klangwelt von Santana, Tito Puente und anderen Stars der amerikanischen Latin-Szene sehr nahe, ohne dass sich Compro Oro dabei als Kopisten zeigen. Immer ist es eigenständig, was wir von Compro Oro hören, auch wenn Bart Vervaeck an seiner Gitarre hier und da schon wie Santana und auch Eric Clapton klingt, aber das ist eben auch eine Stilentscheidung. Oye! Oye!
Kaum ist dieser Klangregen über uns niedergegangen, sind wir „Madness in Havana“ ausgesetzt: Aufgemacht wird das Stück mit einem behäbig gestrickten Basssolo, ehe dann beinahe aus dem Off Congas und Klangstäbe zu vernehmen sind. Dumpf und stetig verfolgt der Bass seine Linie. Darüber jubilieren dann mehr und mehr die metallenen Klangstäbe. Gerassel nimmt sich Raum. Gitarrensaiten schwingen sanft, Man muss dabei vielleicht an die Werbung für Bacardi Rum denken. Nach und nach wird der Rhythmus nervöser. Die E-Gitarre übernimmt dann das Zepter und lenkt den Klangstrom, spitzwellig und nachhaltig. Gefolgt wird diese Passage von einer vibrierenden Gitarre, die so klingt, als würde der Wind heftig an Oberleitungen zerren oder eine Straßenbahn quietschend um die Ecke biegen. Das sind nur kurze Momente, ehe sich dann der Kreis schließt und auch das Vibrafon am „Wahnsinn von Havanna“ teilnimmt.
Leise und hochtönig, wie perlende Wassertropfen, hört sich das an, was Wim Segers anfänglich in „Voodoo Valley“ zum Besten gibt, während im Hintergrund ein gestrichener Bass agiert. Zwischenzeitlich gibt es auch schöne Gitarrensequenzen, die an die Art der Performance von The Ventures anknüpfen. Weiße Strände, azurblaues Wasser, Kokospalmen und eine gewisse Leichtigkeit sind Assoziationen, die sich einstellen. Oh, welch unerwarteter Klang ist das denn? Wir vernehmen für wenige Augenblicke ein Flötenspiel ähnlich dem von Ian Anderson, wenn Nathan Daems seine Ethnoflöte an die Lippen führt.
Mit einem Hauch Reggae entlässt uns dann Compro oro: „The Dreamer“ ist der „Rausschmeißer“. Damit endet die Fahrt auf dem Ozeanriesen zu neuen Ufern jenseits des „Großen Teichs“. Die Reise könnte aber gut und gerne noch ein wenig weitergehen, oder?
Text © ferdinand dupuis-panther
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