Carol Sudhalter Quartet – Live at Saint Peter’s Church

Carol Sudhalter Quartet – Live at Saint Peter’s Church

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Carol Sudhalter wuchs in einer sehr musikalischen Familie in New England auf; der Vater spielte Altsaxofon, einer ihrer Brüder, Richard Sudhalter, Trompete. Während ihrer Zeit am College begann Carol Sudhalter mit dem Flötenspiel. Sie studierte am New England Conservatory Of Music, und sie begann dann auch Baritonsaxofon zu lernen.  1978 verzog sie nach  New York. Sie trat mit der ersten Latin-Band auf, die nur aus Musikerinnen bestand, gründete nachfolgend die Astoria Big Band, die es unterdessen 33 Jahre gibt. Zusammengearbeitet hat Sudhalter u. a. mit Chico Freeman, Jimmy McGriff, Sarah McLawler und Jimmy Cobb.

Im Laufe ihrer Karriere hat Carol Sudhalter in vielfältiger Weise unter Beweis gestellt, dass sie zu den besten Baritonsaxofonisten gehört und zudem auch versiert auf der Flöte und dem Tenorsaxofon spielt. Das unterstreichen auch ihre mehr als zehn Alben.  

In „Live At Saint Peter’s Church“ ist sie Teil eines Quartetts mit dem Pianisten Patrick Poladian, dem Bassisten Kevin Hailey und dem  Drummer Mike Campenni. Sudhalters Musik ist ohne Frage als „Straight ahead Modern Jazz“ zu charakterisieren.

Mit Tadd Damerons Song, “On A Misty Night,” beginnt die musikalische Reise. Dabei zeigt sich, dass Carol Sudhalter mit ihrem Baritonsaxofon die Facetten eines rauchigen Timbres ergründet. Teilweise röhrt das Saxofon, grunzt kurz und kräftig, enteilt aber auch ins Tenor.  Erinnerungen an Gerry Mulligan werden bei Hören geweckt, oder? Im Solo des Pianisten verschränken sich perlend fließende Klanggewässer. Dazu vernehmen wir Tschtschtsch – dank an den Drummer. Sehr verhalten gibt sich obendrein der Bassist, den man eher als akustische Randfigur wahrnimmt, ehe er dann zum eher behäbig ausgeformten Solo ansetzt. Und dann ist es wieder an Carol Sudhalter für einen rauchigen Grundduktus zu sorgen.

Das weniger bekannte Werk von Benny Golson namens “Park Avenue Petite” ist ein sehr nachdrücklich als Ballade ausgeformtes Stück.  Sudhalter und Bassist Hailey stehen dabei mit ihren melodischen Solos im Blickfeld. Sonor muss man bezeichnen, was da Carold Sudhalter auf dem Baritonsaxofon vorträgt. Dabei lässt sie die Töne auch fein auslaufen, zeichnet wellige Klanglinien, scheint dabei hier und da auch einer Bassklarinette nahezukommen, für Bruchteile eines Moments. Sprudelndes Tastenspiel trifft auf dunkle Bassläufe. Doch mit den Tiefen des Baritonsaxofons kann der Bass nur in Abschnitten mithalten. Überwältigend ist der Höreindruck, den der Holzbläser hinterlässt.  

Statt des tieftönigen Baritonsaxofons hört man Sudhalter in Bill Evans’ “Time Remembered” Flöte spielen, ein Instrument, das im Jazz heutzutage nur noch eine marginale Bedeutung hat. Die Tage von Herbie Mann, Paul Horn und Jeremy Steig sind längs Historie und Ian Anderson aka Jethro Tull ist, trotz anderweitiger Behauptungen, kein Jazzflötist. Beinahe mit klassischer Attitüde kommt Carol Sudhalter daher, wenn sie Flöte spielt.
Da erheben sich fein gesponnene Klangnetze, mit denen der Wind sacht spielt. Der Bass liefert mit Umbrafarben die klangliche Grundierung, enteilt aber auch in „höhere Lagen“. Erzählerisch gibt sich der Pianist in seinem sprudelnden Tastenspiel. Doch immer wieder vernimmt man den zerbrechlichen Flötenklang.

In “Colin Blues” gibt  Carol Sudhalter ihr „Debüt“ als Vokalistin, allerdings ist die Gesangsstimme in der Aufnahme nicht sehr vordergründig ausgesteuert und daher wenig wahrzunehmen, ganz im Gegensatz zu ihrem Saxofonspiel.

Teil des Albums ist auch eine Verneigung vor Sonny Rollins, dessen Jazzwalzer “Valse Hot” wir folgen können. Tiefes Schnurren mit heiserer Stimme vernehmen wir zu Beginn. Nach und nach bringt uns Carold Sudhalter ins Beschwingtsein, auch bei den Umspielungen des Themas. Mit „Swing“ geht es auch ohne Saxofon weiter, wenn die Rhythmusgruppe alleine agiert und der Pianist das musikalische Geschehen bestimmt. Er malt kleine Klangringe und Strudel, lässt Klangtropfen auf uns niedergehen, ehe er sein Spiel in rhythmische Formeln hüllt. Auch der Schlagzeuger zeigt sich im Verlauf des Stücks solistisch. Doch die brummende Saxofon-Stimme ist das Klangmotiv schlechthin, auch gegen Ende des Rollins-Stücks.

Mit Antonio Carlos Jobims “Luiza” wird das Album abgerundet. Kristallklare Gewässer sehen wir angesichts des „kristallinen“ Klavierspiels bildlich vor uns. Zu diesem fragil erscheinenden Spiel stößt dann Carold Sudhalter mit ihrer Flöte dazu. Unter die schwebenden Klangbilder, die Sudhalter schafft, setzt der Pianist seine romantisch geprägten Linien. Latin Fever erlebt man daher keineswegs, wenn man dem Song lauscht. Die Melodie des Stücks und der Vortrag scheinen eher der Welt von Schubert und Schumann entsprungen.

Text © ferdinand dupuis-panther – Der Text ist nicht Public Commons.

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Carol Sudhalter
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