BEAM! - Pure

BEAM!  - Pure

B

Mons Records MR 874 581

Auf dem Cover des Albums sieht man ihn, den farbigen Lichtstrahl, so als würde man durch ein Prisma Lichtbündel schicken. „Beam“, der Name der neunköpfigen Band, bedeutet Lichtstrahl und Aufleuchten, was visuell gut im Cover umgesetzt wurde.

Die Band, bestehend aus den profiliertesten Musikern der „Kölner-Szene und umzu“ umfasst Karin Scherer (alto sax, clarinet), John-Dennis Renken (trumpet), eine der guten Seelen der Jazzoffensive Essen, Filippa Gojo (vocals), Roman Babik (keys), Andreas Wahl (guitar), Sebastian Räther (e-bass/sequenzer), Nils Tegen (drums), Wolf Schenk (bass trombone) und schließlich den Bandgründer und genialen Kopf hinter der Musik: Stephan Mattner (tenor sax/flute)

Farben scheinen bei der Musik eine wesentliche Rolle zu spielen, was schon ganz oberflächlich aus einigen Kompositionstiteln hervorgeht: „Synthesia-Blue“, „Synthesia Yellow“ oder „Pink in Purple“. Selbst „Ultra Bright“ scheint irgendwie mit „Farbenlehre“ zu tun zu haben. Mattner nimmt in seinem kompositorischen Ansatz dabei Bezug auf Aristoteles, „der bereits die Behauptung aufstellte, die Harmonie der Farbe ähnelt der der Klänge.“ So liest man es im „für die Presse geschriebenen Beipackzettel“ zum Album. Leider fehlen diese wie auch andere Hinweise in Form eines Booklets zum Album. Schade!

Ich erlaube mir weiter zu zitieren: „So stellte Issac Newton auf Basis mathematischer Berechnungen erstmalig einen Zusammenhang zwischen den Farben eines Spektrums und den Noten einer Tonleiter her. Der Annahme nach orientiert sich der russische Pianist und Komponist Alexander Skrjabin in seiner symphonischen Dichtung „Promethée für Chor, Orchester und Farbklavier“ an dieser Skala. Es ist überliefert, dass er beispielsweise die Farbe Rot dem C zuordnete, das G die Farbe Orange-Rosa und das D die Farbe Gelb repräsentierte.“
Ist das eine individuelle Marotte dieses oben genannten Komponisten oder gibt es wirklich Menschen, die Farben hören können? Zumindest der Bandleader des „Lichtstrahls“ ist davon überzeugt: „Mich als Komponist fasziniert die Vorstellung, dass sich Töne und Tonarten für manche Menschen als Farben darstellen, sie somit praktisch ein „zweites Gehör“ besitzen. Selbst kein Synästhetiker, interessiert mich, wie ich diese besonderen menschlichen Empfindungen und Wahrnehmungen in eigene Kompositionen einfließen lassen kann.“. Gut zu wissen, dass Mattner selbst diese Gabe augenscheinlich nicht besitzt, sodass der Rezensent aufatmen kann. Ihm fallen eher viele bunte Bilder zu Klangformen ein, aber gewiss keine Farben zu spezifischen Tönen.

Noch eine für den Hörer des Albums sehr hilfreiche Anmerkung Mattners zu seinen Kompositionen darf ich nachstehend zitieren: „Dabei orientiere ich mich in meinen Kompositionen an den Sehhilfen des russischen Komponisten Skrjabin, der sehr detailliert bestimmten Tonhöhen Farben zugeordnet hat. Dies ist zwar eine ganz subjektive, teilweise von außen schwer nachvollziehbare Verknüpfung, aber für mich ein willkommener Ausgangspunkt.“

Wer kein Freund von Vocal Jazz ist, dem sei vorweggesagt, dass die Vokalistin Filippa Gojo ihre Stimme textlos als Klangvariante einsetzt. Scat Vocal kommt also auf der aktuellen Einspielung nicht vor. Eher könnte man von „Stimmwolken“ sprechen, die sich durch die Stücke ziehen, die sich mal aufdrängen und mal in den Hintergrund gedrängt werden.

Mit einer gewissen Dramatik beginnt „Ultra Bright“. Doch dann löst sich das blendende Licht auf, wird diffuser wie auch der Klangfluss. Die thematische Struktur kann, wenn auch von wechselnden Instrumentalisten in die Hände genommen, stets wahrgenommen werden, mal oberflächlich und mal unterschwellig, mal durch die Bläser kraftvoll kommentiert, mal auch umspielt und variiert. Sehr lautstark sind die Bläser allemal. Außer dem gleißenden Licht, das Beam einfängt, sehe ich aber insbesondere bei den Passagen, die durch die Gitarre und die Bläser bestimmt werden, auch urbane Dichte, fließenden und stockenden Verkehr, dicht gedrängte Segler auf der Hamburger Außenalster, höre ich Windströme von einfahrenden U-Bahnen unter Tage, sehe Gedränge auf Bahnsteigen und in Zügen. So wird für mich aus „Ultra Bright“ halt im übertragenen Sinne „Urban Light“. Beinahe zum Ende des Songs hat man auch den Eindruck, dass die ungebändigte Stadt besungen wird, wenn insbesondere Andreas Wahl seine Saiten richtig in Schwingungen bringt.

„Synthesia -Blue“ greift im Übrigen das Thema auf, das schon im ersten Stück zu hören war. Nur kommt es Filippa Gojo diesmal zu, recht auffällig ihre Stimme über das Thema wandern zu lassen. Sehr lyrisch wird es, wenn Roman Babik am Keyboard alle Aufmerksamkeit auf sich lenkt, nur noch begleitet von wirbelnden Becken und harten Schlägen aufs Trommelfell sowie dem brummenden Bass, unter den zupfenden Fingern von Sebastian Räther. Folgen wir Babiks Passagen, so können wir uns treiben lassen und in den Fluss des Alltags eintauchen. Wir können aber auch einen tatsächlichen Fluss mit seinen Verwirbelungen und seinen kleinen Schnellen vor unserem geistigen Auge sehen, auch die Vorstellung eines Mahlstroms ist m. E. nicht abwegig. Das korrespondiert dann wieder mit dem „Blau“ im Titel der Komposition.

Wie hören sich wohl „Schatten“ („Shadows“) an? Intensiv orchestral und vokal gefärbt muss man nach den ersten Takten bemerken. Doch Schatten konnte ich mir als Berichterstatter weniger vorstellen als vielmehr eine ausgelassene Kirmessituation mit Attraktionen hier und dort, sprich Achterbahn und Kettenkarussell, Schießbuden und Geisterbahn sowie eingeschlossenem Showprogramm. Erst als dann das Posaunensolo einsetzt, kommt so etwas wie das Bild einer Stadt im Abendlicht auf, aber eben nicht von Schatten, die das Sonnenlicht auf den Asphalt wirft. Dieser Eindruck löst sich jedoch auf, wenn die übrigen Bläser mit nahezu unbändiger Energie zu Wort kommen  und nachfolgend zeitweilig im Off zu entschwinden scheinen.

Die Farbe Gelb spielt für Beam bei „Synthesia -Yellow“ eine Rolle. Dabei lauscht man einem perlenden Klangfluss – dank an den Pianisten. Heiterkeit verbreiten die Bläser. Frühlingsluft spüren wir. Zudem hören wir das bereits bei „Ultra Bright“ vorhandene, nur in Nuancen veränderte Thema. Eine gewisse Trägheit geht anfänglich von der folgenden Saxofonpassage aus. Man denkt vielleicht dabei an einen faulen Nachmittag oder einen beschaulichen Vormittag. Im Verlauf erregt sich das Saxofon, scheint aus der Haut zu fahren. Wird man eigentlich gelb oder rot vor Wut, war die Frage, die für mich beim Hören aufkam. Am Ende steht dann ein Furioso – auch von Filippa Gojo mitverantwortet.

Mit „Pink In Purple“ wird der Farbfluss von Beam beendet. Dabei eröffnen die tonalen Sprünge auf dem Keyboard diese Komposition. Danach setzt die Gitarre mit geradezu rockiger Attitüde ein, gefolgt von den Bläsern, die mich an die Blütezeit von „Blood, Sweat & Tears“ denken ließen. So mischen sich dann auch Funkmomente in den Klangteppich, Rock sowieso. Großes Kino, auch wenn ich beim Zuhören irgendwie den Film für monochrome Farben nicht gefunden habe. Dafür setzte Beam im Kopf des Rezensenten andersgeartete Bilder frei. Warum auch nicht?

Text: © ferdinand dupuis-panther

Press release by Mons Records

BEAM! - the name of this nine-piece band is a statement in itself, because they really do light things up. And that's exactly what renowned composer and saxophonist Stephan Mattner's concept is all about. Based in Cologne, he has gathered eight of the Rhine-Ruhr jazz scene's most prominent musicians around himself. Together, they create their own new music, borrowing from jazz, pop, heavy, minimal, modern and film music, which they present here for the first time on Pure. Founded by Stephan Mattner in July 2014, the BEAM! ensemble follows a colour-synaesthetic approach. Synaesthesia basically means a connection between two or more physically separate areas of perception. In this case, music and colour. Mattner is referring here to none other than Aristotle, who had already put forward the claim that harmony between colours is similar to that between sounds. Over the following centuries, scholars have taken up this thesis again and again in order to support it with their own studies. Isaac Newton was first able to establish a relationship between the colours within a spectrum and the notes of a scale, based on mathematical calculations. It was in accordance with this assumption that the Russian pianist and composer Alexander Scriabin orientated himself for his symphonic poem "Prometheus” for choir, orchestra and colour organ. For example, it is documented that he assigned the colour red to the note C, that G represented the colour orange-pink, and D yellow. In the score for his "Prometheus", Scriabin added two-part lighting to be used in parallel with the music. "As a composer, I've always been fascinated by the idea that notes and keys are seen by some people as colours, that they virtually have 'second hearing'. Even though I'm not synaesthetic, I'm interested in how I can incorporate these special human sensations and perceptions into my own compositions" said Mattner. Each piece of the complete compositional cycle written by Mattner for Pure is assigned a colour. BEAM! represents the theme of light in its varying degrees, because the wavelength or spectral composition of a light beam has a significant impact on our perception of its colour. "I'm guided in my compositions by the Russian composer Scriabin's visual aids, who assigned colours to certain pitches in great detail. These are very subjective, and when viewed from the outside, perhaps even opaque links, but for me they are a welcome starting point. For instance, my composition 'Blue' moves around the key of G flat. In addition to different colours ('Yellow', 'Red', 'Pink in Purple'), the pieces deal with other properties of light (e.g. 'Shadow', 'Reflections', 'Visuals')" says Stephan Mattner about his own compositional concept. The eleven tracks on Pure are clearly structured and partly written in a pop schematic, which is great for the arrangement. Singer Filippa Gojo, recent recipient of the New German Jazz Award, applies her voice as lyric-less harmonic colouring, while the electronics of Sebastian Räther add more than just tone, becoming essential elements of the pieces. Partly preprogrammed, the electronics work alongside the pieces and are occasionally switched off to make room for the improvisational parts. In a project whose themes deal with light and shadow, brightness and darkness, you would probably expect an ethereal style of music. But with BEAM! it's the exact opposite. The pieces are more often rhythmic and absorbing, groovy and even sometimes loud, without ever losing their connection to jazz. BEAM! - with Pure, they have definitely proved how to be a great success while revolutionizing seeing and listening at the same time!

Informationen

Label
Mons Records
http://www.monsrecords.de

Musiker
Stephan Mattner
http://stephan-mattner.de/
http://stephan-mattner.de/music/


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