Barbara Wiernik & Nicola Andrioli: Complicity

Barbara Wiernik & Nicola Andrioli: Complicity

B

Spinach Pie Records SPR 102

Es geht um Teilhaberschaft, um Tatbeteiligung und … - so jedenfalls legt es die Übersetzung des Albumtitels nahe. „Komplizen“ bei diesem Projekt sind Barbara Wiernik (vocals, effets), Nicola Andrioli (piano, Fender Rhodes), Manuel Hermia (saxophones soprano and tenor, flute, bansuri) und Marco Bardoscia (bass) sowie Antoine Pierre (drums).

Das Cover des Albums zeigt zwei über hügeliger Landschaft schwebende, teilweise ineinander projizierte Köpfe, passend für das Thema des Albums, das mit „The Water Dance“ (Andrioli / Wiernik) aufmacht. Zu hören sind zudem weitere Kompositionen des Duos Andrioli / Wiernik wie „Beginning Of The End“, „Empty Zone“ und „Lines“. „Running Through The Wind“ stammt aus der Feder von Barbara Wiernik, während das Schlussstück „If You“ Nicola Andrioli zu verdanken ist.

Wenn wie im vorliegenden Album die Lyrik so sehr im Fokus steht, hätte man doch gerne den einen oder anderen Text auch auf dem Cover abgedruckt gesehen. Stattdessen ziert eine „Federzeichnung“ von zwei verschmelzenden Köpfen und lineare Strukturen die gesamte Albumhülle.

Zu Beginn lassen wir uns als Hörer auf „The Water Dance“ ein. Barbara Wiernik steht mit ihrer Sopranstimme im Fokus. Man kann den Eindruck gewinnen, Barbara Wiernik versuche dabei, die Stimme instrumental einzusetzen. Besonders im letzten Teil der Komposition, wenn der Lautgesang an Wichtigkeit gewinnt, reiht sich ihre Stimme in die Phalanx der Instrumente ein. Zugleich drängen sich dann beim Zuhören Bilder von der Loreley und den Sirenen auf, die Schiffe im Wellengang tanzen und auch untergehen lassen.

Mit einem Glockenspiel und fein gesetzten, wiederholenden Klavierläufen sowie dem gehauchten Lautgesang beginnt der „Cradle Song“, in der weiteren Melodieführung und in den gesungenen Versen formal einem Kinderlied gleichend, in dem auch Schmetterlinge vorkommen. Ohne Frage, Barbara Wiernik versteht es auch in diesem Song, mit lautmalerischem Gesang fern von Scat Vocal zu überzeugen. Welch Seltenheit im Jazz, auch samtene Flötentöne mischen sich in Wierniks Gesang, sodass man ein Duett zwischen Stimme und Flötenklang erleben kann. „Ferry me, ferry me over the water ...“ sind Versfragmente, die an unser Ohr dringen, zugleich dabei fasziniert vom Stimmspektrum, über das Barbara Wiernik ohne Frage verfügt.

Anschließend begeben wir uns musikalisch in die „Empty Zone“. Dabei bestimmen Nicola Andrioli und Barbara Wiernik die Hörfarben, sind sie doch im Duett zu hören. In diesem Song zeigt uns Barbara Wiernik auch, dass sie das „Handwerk“ des Scat Vocal in allen Facetten beherrscht. In dieses Scat Vocal fügt sich Manu Hermia mit seinen tanzenden Phrasierungen auf dem Sopransaxofon bestens ein und füllt dabei den „leeren Raum“ mit fröhlichen Klangfarben. Trübe Gedanken kann man beim Zuhören schnell vergessen.

Besungen wird auf dem Album auch der Sonnenball („Sun Ball“): An ihn muss man anfänglich weniger denken, denn sowohl die Klangsprünge, die uns Nicola Andrioli, zu Gehör bringt als auch sehr schillernd-bewegter Scat Vocal lassen eher an Regentropfen denken, die mit Plipp und Plopp niedergehen oder an Kinder, die hopsend „Himmel und Hölle“ spielen. Manu Hermia ist in das dynamische Spiel eingebunden und spielt dabei nicht Saxofon, sondern Flöte - im Jazz selten genug zu hören! Und auch ein wenig Karnataka College of Percussion hat Eingang in den Vortrag gefunden, lauscht man dem folgenden Sprechgesang von Barbara Wiernik.

Zum Abschluss sei noch auf „Sweet Complicity“ eingegangen. Mit einer eher lyrischen Note kommt diese Komposition daher. Ein wenig Pop wurde diesem Song obendrein beigemischt, für den Manu Hermia sein Tenorsaxofon in Wallungen bringt, derweil Nicola Andrioli mit energetischem Spiel auf den Tasten für wohltemperierte Akzente sorgt.

Aus meiner Sicht liegen die Stärken dieses Album eher in den Songs, bei denen das Wort nicht von Bedeutung ist, sondern der „Lautgesang“ von Barbara Wiernik zu einem weiteren instrumentalen Mosaiksteinchen wird.

Text © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label
http://www.spinachpierecords.com/

Musiker

Barbara Wiernik
http://www.barbarawiernik.com

Manu Hermia
Reviews
http://www.jazzhalo.be/reviews/cd-reviews/m/manu-hermia-trio-austerityand-what-about-rage-ferdinand-dupuis-panther/
http://www.jazzhalo.be/reviews/cd-reviews/h/hermiaceccaldidarrifourcq-god-at-the-casino/
http://www.jazzhalo.be/reviews/cd-reviews/s/slang-purbayan-chatterjee-pace-of-mind-ferdinand-dupuis-panther/

Nicola Andrioli
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Antoine Pierre
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Marco Bardoscia
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