Appleton: Here, There and Everywhere

Appleton: Here, There and Everywhere

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PERSONALITY RECORDS, PR 17

Ist es Nostalgie? Ist es die Verklärung des sogenannten Goldenen Zeitalters der Beatmusik? Was ist es, das aktuell eine Reihe von Jazzmusikern dazu „verleitet“, sich der Ikonen der Popmusik anzunehmen? Ist es vielleicht gar eine sentimentale Rückschau auf die eigene Teenagerzeit, auf Sex and Drugs und Rock? Nun gut, dazu müsste man die Bandmitglieder der niederländisch-deutschen Groove-Jazz-Band Appleton befragen.

„Die Band präsentiert ihre ganz eigene Auswahl von Beatles-Klassikern, ohne dabei aber das Original zu verwässern oder zu sehr zu verfremden. Groove und Beat werden dabei genauso wie Jazz, Funk und Soul Elemente zelebriert. Alles immer in ihrer mittlerweile ganz eigenen musikalischen Sprache. Ganz einfach Musik zum Mitwippen, Tanzen oder nur Zuhören.“ So liest man im Waschzettel des Labels über die aktuelle Produktion. Gleich vorab die Frage, was denn einer Verfremdung des Originals entgegenstünde? Ist nicht vielmehr der Versuch, mit einer weiblichen Gesangstimme Beatles-Kompositionen wie „Eleanor Rigby“ oder „Day Tripper“ und andere Songs in frischem Gewand aufzunehmen, ständig in der Gefahr, mit dem Original verglichen zu werden? Müsste man nicht eigentlich einen ganz freien Umgang mit dem Material pflegen?

Wie gesagt, die Klassiker der Beatles, angefangen bei „Eleanor Rigby“ über „All You Need Is Love“ und „Can´t Buy Me Love“ bis hin zu „Blackbird“ und „Nowhere Man“ wurden ebenso aufgenommen wie „A Taste of Honey“ und „Come Together“.

Die Band Appleton – ist das eine Anspielung aufs Studio, in dem die meisten Beatles-Songs aufgenommen wurden? - besteht aus: Caroll Vanwelden (voc), Barbara Drennan (voc, auf dem vorliegenden Album), Chris Perschke (trb), Thomas Siffling ( trp, flgh), Andreas Pompe (sax, flute), Harry Terkowsky (git, auf dem Albumcover nicht aufgeführt), John Brenninkmeijer (piano), Chris Brenninkmeijer (b) und Stephen Brenninkmeijer (dr). Augenscheinlich gibt es, so muss man unterstellen, zwischen der Besetzung der vorliegenden Aufnahmen und anderen Auftritten und Einspielungen wohl eine Abweichung.

Oh, haben die Beatles zu Beginn „Eleanor Rigby“ wirklich mit so viel Pathos und Tuschattitüden angelegt, wie das bei Appleton der Fall ist? Doch nach dieser „Intro“ geht das Arrangement dann eher in eine Jazz-Rock-Form über. Der Unterschied in der Instrumentierung wird deutlich, wenn man sich das Original anhört, in dem die Streicher die wesentlichen Klangfarben setzen. Hingegen sind bei Appleton eher die Bläser von Belang, vor allem der Trompeter Thomas Siffling mit einem sehr schönen Solo mit vorbeischwebenden Klangwolken, die die Originalmelodie gänzlich in den Hintergrund drängen. Das Stück im aktuellen Arrangement unterscheidet sich im Verlauf vom Original auch durch ein deutlich flotteres Tempo, auch dann, wenn der Gesang einsetzt: „Eleanor Rigby picks up the rice / In the church where a wedding has been/ ...“. Im Original haben die Beatles den Refrain gemeinsam gesungen. Das unterbleibt bei Appleton.

Sprechgesang hören wir bei „All You Need Is Love“. Unter dem Gesang liegt ein flauschiger Soundteppich, der einem Keyboard geschuldet ist. Schauen wir auf die Liste der Bandmitglieder und Instrumente, so ist weder Rhodes noch E-Piano aufgeführt, aber der zu hörende Sound entspricht diesen Instrumenten. Diese sind besonders durch ein Solo prägnant, das von bisweilen schnurrenden Saxofonsequenzen abgelöst wird. In „All You Need Is Love“ stimmen auch die Bläser mit vollem Einsatz ein. Am Ende steht schließlich allein ein gehauchtes „All You Need Is Love“ - dank sei der Sängerin der Formation.

Wie schon im Original ist „Blackbird“ sehr, sehr lyrisch angelegt.  Das Arrangement hat dabei zeitweilig die Anmutung eines konzertanten Big-Band-Jazz. Aufgelöst wird dies erst, als das Saxofon und die Gitarre (sic!) im gemeinsamen Spiel zu hören sind und dabei auch nach ein wenig funky klingen. Aus meiner Sicht zeigt sich wie in den vorherigen Songarrangements die Stärke der Band immer dann, wenn sie rein instrumental zu Werke geht.

Der Song „Nowhere Man“ - behäbig und getragen – liegt bei Appleton in den Händen des Gitarristen und dann des Posaunisten, der nachfolgend vom Trompeter in der Melodieführung abgelöst wird. Mir scheint dieses Wechselspiel zwischen zwei „Hörnern“ sehr gelungen, auch wenn sich in dem vorliegenden Arrangement Herzschmerz und Wehmut miteinander vereinen. War das bei Lennon und McCartney nicht auch der Fall?

Zum Schluss heißt es dann „Come Together“ und dann zeigen sich die Musiker auch als im Jazzrock mit allen Wassern gewaschen. Dabei sollte man allerdings nicht gleiche Klangbilder wie bei „Blood, Sweat &Tears“ erwarten. Jedoch ist gerade bei diesem letzten Arrangement deutlich der Wille vorhanden gewesen, die vorgegebenen Spuren von Lennon/McCartney nachhaltig zu verlassen. Das gilt vor allem bei Thomas Sifflings Trompetensolo. Dabei zeigt sich die Trompete nicht als übellaunig-rotzig, sondern eher stimmstark und ein wenig auch triumphierend. Das Tutti der Bläser und auch das Posaunensolo sind obendrein der harmonischer Teil eines Arrangements, das dem Big-Band-Sound und Jazzrock eng verbunden ist.
Wie bereits weiter oben angedeutet, finde ich die gesangslosen Arrangements weit besser gelungen, um Beatles reloaded and revisited 3.0 zu präsentieren. Das allerdings ist ja auch geschmäcklerisch, oder?

© ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label
http://www.personality-records.com

Musiker
http://www.stick-to-appleton.com


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