Alvaro Severino - Ngen-Kürüf

Alvaro Severino - Ngen-Kürüf

A

Self produced

Das Album hat der aus Chile gebürtige Gitarrist nach Ngen-Kürüf benannt, in der Mapuche-Kultur der Herr des Windes. „Über acht Stücke hinweg bietet der chilenische Gitarrenspieler Álvaro Severino neue Interpretationen der diversen Klanglandschaft Südamerikas, erkundet Teil ihrer Rhythmen und den Sinn, den diese kriegen, wenn sie in der Ferne durch das Schneckenhaus des Gedächtnis zurückkehren.“ So liest man es in den Liner Notes.

An der Seite von Alvaro Severino, der auch für alle Kompositionen des Albums verantwortlich zeichnet, hören wir Ryan Carniaux (trumpet & flugelhorn), Joan Chávez (double bass) und Pablo Sáez (drums). Zu den Kompositionen des Albums zählen unter anderem der Eröffnungssong „Northwind“, aber auch „El Cucaracho“ und „Zamba Inocente“. Nach einem „Interludio“ hören wir „Deep Blue“ und am Ende dann „Viento del Sur“.

In „Northwind“ sind wir ganz und gar auf den Klang der Gitarre fokussiert, die das Wispern und Säuseln des Windes zu Beginn einfängt, ehe dann Ryan Carniaux in Phrasierungen das Thema aufnimmt. Er zeichnet die vorbeiziehenden Wolken im Nordwind nach, fängt die Thermik ein, nimmt uns mit und erzählt vom brausenden Wind. Im Hintergrund vernehmen wir stetes Blechgeraschel, dank an Pablo Sáez. Folgt man Carniaux‘ Spiel, so kann man sich aufgeblähte Großsegel eines alten Clippers vorstellen, der die Meereswellen durchpflügt. Während der Trompeter Carniaux uns teilweise mit Turbulenzen umgibt, wird bei dem nachfolgenden flinken Saitenspiel von Severino deutlich, dass der Nordwind abflacht und sich zu einem steten lauen Lüftchen wandelt.

Nach der Einführung zu „El Cucaracho“ und dem vollen Klang der schwingenden Basssaiten ist es an Ryan Carniaux die Klangfarbe zu dominieren. Beschwingte Linien nehmen wir wahr. Losgelöstheit suggeriert dessen Trompetenspiel, ehe es dann an Severino ist, das musikalische Geschehen zu kurzen Rhythmuspassagen zu bestimmen.  Beim Zuhören von „El Cucaracho“  entstehen vor dem geistigen Augen Bilder von schwirrenden, Nektar suchenden Kolibris, von allerlei ausschwärmenden Insekten, von azurblauen Faltern. Wir werden von Alvaro Severino auf einer transparenten Klangwolke mitgenommen, verlieren nach und nach die Bodenhaftung und können auch die Schwere des Alltags hinter uns lassen. Im Kontext dieser Komposition sei noch erwähnt, das sie auch ein fulminantes Schlagwerksolo umfasst.

Wenn man den Titel  „Zamba Inocente“ liest, so muss man an die Zamba denken, an einen Tanz aus dem Norden Argentiniens und Boliviens. Wie auch in den Stücken zuvor, öffnet Severino durch seine Musik unseren Blick auf südamerikanische Musik. Lyrisch und bedächtig zeichnet Severino die Melodiekonturen. Da ist nichts von der Feurigkeit zu spüren, die langläufig mit südamerikanischer Musik in Verbindung gesetzt wird, mit Bossa, Rumba oder Salsa. Stürmisch ist die Musik zunächst auch nicht ausgelegt.  Wenn der Schlagzeuger ganz wesentlich für Tempo und nervös anmutende Rhythmusstrukturen sorgt, verändert Severino sein Spiel, und man meint,
hier und da auch Flamencoanklänge wahrzunehmen. Doch der musikalische Ausbruch bleibt aus. Severino entfacht keine Böe, sondern sorgt für schmeichlerischen Wohlklang, malt mittels Saitenklang auf- und absteigende warme Winde, die an einen Sirocco denken lassen. Pablo Sáez versteht es auch in diesem Stück solistisch zu überzeugen. Das hasten die Sticks über die Felle und Bleche, ohne dass das Schlagwerk wie eine Klangwalze anmutet.

Im „Deep Blue“ scheint das Elegische durch, im Sinne von Schwermut. Dabei muss der eine und andere beim Zuhören ab und an an Blues und Fado denken. Zum Schluss fängt das Quartett, den Wind des Südens, „Viento del Sur“ ein. Folkloristisch angehaucht kommt dieser Song daher, zudem auch tänzerisch-bewegt. Ein ganz wesentliches Element des Arrangements ist im Übrigen das eingebundene Schlagwerksolo.

Text © ferdinand dupuis-panther


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