Jens Maurits Orchestra: They Do It For A Reason

Jens Maurits Orchestra: They Do It For A Reason

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suite

Das Orchester tritt in folgender Besetzung auf: Jens Bouttery (drums, compositions), Daan Milius (text), Dorian Dumont (piano), Benjamin Sauzereau (guitar), Niels Van Heertum (euphonium), Rik Sturtewagen (violin), Lennart Heyndels (violoncello, double bass), Joris Lindemans (double bass) und Lucas Kramer ((tapeloop memory machine). Die 90 Fotografien des umfänglichen CD-Buches stammen von Lisa Gambey.

Aufgemacht wird das Album mit „Expanding Universe“, gefolgt von „Episode 1“, ehe dann akustische Endorphine („Endorphins“) ausgeschüttet werden. Es folgt eine weitere „Episode 2“ und ein handfester Streit („Quarrelling“). Außerdem wurden weitere Episoden in das Album eingewebt, die man auch als Zwischenspiel oder Einführung in ein neues Thema wie „Migration“ und „Proteins“ begreifen könnte. Mit „Episode 7“ findet das aktuelle Album schließlich seinen Abschluss.

Wer das CD-Buch durchblättert,  findet unter anderem als Aufmacher eine Schimpansengruppe, die dicht an dicht beieinandersitzt, aber auch ein Nilpferd, das neben einer Riesenschildkröte ruht. Text zu Letzterem: „A family lays scattered in the shade. Their daily activity consists mostly of eating, sleeping and grooming.“ An anderer Stelle ist ein Hund abgebildet, der Motorroller fährt: „The soft savannah breeze does him well ...“ ist als „Bildzeile“ zu lesen. Außerdem entdecken wir im Buch eine Seekuh, deren Kopf sich in einem riesigen Salatkopf versteckt: „His head, stiff at the neck, cuts through the wind.“ Von Jean-Godefroy und seiner Mutter ist in den Bildergeschichten die Rede und von einer Reise der Familie. Das wirkt bisweilen wie DADA und Surrealismus, erweist sich in den Darstellungen von Tieren, zum Beispiel einem lachenden Hund, als eher verstörend-komisch, auch wenn man Jean-Godefroy, ein Ziegenbock in rosa Strickpullover und auf den Hinterläufen stehend auf einem der Fotos entdeckt. Alles Nonsense oder was?

Allein die Wahl von „Episode“ als Titel von Komposition scheint auf eine Erzählstruktur des Albums zu verweisen, eine Annahme, die noch durch das Buch zur CD befeuert wird. Mit „Expanding Universe“ konfrontiert uns die Band zu Beginn des Albums. Aufgemacht wird das Stück mit einer gewaltigen, akustischen Entladung, wenn man nicht sogar von einer Explosion reden will, an der die Bläser, aber auch Schlagwerk und Bass beteiligt sind. Da rumort es, schwirrt und wummert es gewaltig. Erst zum, Ende beruhigt sich die Lage. Nahtlos geht es mit „Episode 1“ weiter und dabei vernehmen wir zunächst einen ostinaten Tastenklang gepaart mit gestrichenen Celloklängen und Violinenhöhen. Hört sich die nachfolgende Passage nicht wie das Plätschern eines Gebirgsbaches an? Kammermusikalische Anmutungen drängen sich angesichts des Streichereinsatzes auf. Für eine Jazzband Ungewöhnliches ist danach zu hören, nicht etwa eine Tuba oder ein Susafon, sondern ein Eufonium, das eher in klassischen Brassbands oder Blasorchestern zu finden ist. Das schwergewichtige Blasinstrument paart sich im Verlauf der „Episode 1“ mit einer jaulenden Gitarre und lang gezogenem Geigenklang.

Wie setzt man eigentlich Glückshormone in Noten um, fragt man sich angesichts von „Endorphins“. Das ist ein Stück, das durch wimmernde und spitz gezupfte Gitarrenklänge – auch Flageolett ist zu vernehmen – ebenso geprägt wird wie durch die Klangwelt verfremdeter Streicher. Man vernimmt ein Gemurmel und Windrauschen, nervöses Schlagwerk und die Volltönigkeit des Eufoniums. Nach Glück klingt das m. E. alles nicht. Überspringen wir mal „Episode 2“ und auch Episode 3“, sodass wir uns gleich dem Song „Migration“ widmen können. Lauscht man dem Eufonium und den Streichern, so hat man das Bild von flatternden Zugvögeln im Kopf. Wolkenschlieren drängen sich angesichts der Musik als Bild auch auf. Doch das Bild vom Vogelzug besticht eher. Insgesamt ergibt sich der Eindruck eines dicht gewobenen Klangteppichs.

 Largo heißt es bei „Episode 4“ und den ersten Takten, die der Pianist Dorian Dumont anklingen lässt. Behäbig und dunkel getönig geben sich die Streicher, derweil Dumont durchaus auch im Diskant unterwegs ist. Akzente setzt Niels Van Heertum hier und da mit dem Eufonium, derweil der Gitarrist sein Saiteninstrument zum „Kreischen“ bringt. Im Verlauf der Episode entwickelt sich mehr und mehr ein dramatisches Geschehen, das an Tempo zulegt. Chaos und Wirrwarr werden heraufbeschworen. Stringente Linien werden aufgegeben. Im überlagerten Miteinander wird eine Zuflucht gesucht. Man muss dabei streckenweise an Geräusche aus einem Stahl- oder Walzwerk denken.

Auch „Famine“, also Hungernot, haben sich die Mannen des Jens Maurits Orchestra als Thema vorgenommen. Musikalisch scheint das Stück – man folge dem Spiel des Pianos – einem Lamento zu ähneln, auch wenn durch den nervösen Einsatz des Schlagwerks Irritationen gesetzt werden. Träge und ganz im Bass gegründet gibt sich der Kontrabassist Lennart Heyndels. Zarte Gitarrenläufe sind in der Mitte des Stücks zu vernehmen, wodurch die Getragenheit für einen Moment durchbrochen wird. Mit „Episode 7“ endet dann die musikalische Erzählung, dabei auch untergründig-stimmlich angereichert.

© ferdinand dupuis-panther

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