Christer Fredriksen: vit

Christer Fredriksen: vit

C

Losen records LOS 170-2

Zu hören ist das Soloalbum des Gitarristen Christer Fredriksen, der für alle Kompositionen federführend zeichnet. Wie konkrete und konstruktivistische Kunst mutet das Album-Cover an, das allerdings nicht ausschließlich in Weiß gestaltet ist, sondern durch schwarze Balken strukturiert wird. Was beim Hören überrascht, ist der volle Klang des Albums, den ein einziger Musiker erzeugt, der schlicht und ergreifend Gitarre spielt, zudem aber ein Loop-Pedal und drei verschiedene Gitarren-Verstärker verwendet.

Nach Auskunft der Plattenfirma stammt die musikalische Inspiration für das Album auch von klassischen Rock- und Popmusik-Alben wie “Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band” und Deep Purple’s “In Rock”. Doch der in Kristiansand beheimatete Gitarrist ist umtriebig genug, um noch andere musikalische Felder für sich zu erobern. Hören wir mal im O-Ton Christer Fredriksen: „Words fall short for me. They’re too small. It’s easier for me to express myself through the guitar. The voice in this music is the atmosphere.“ Zu seinem nunmehr dritten Album bemerkte der Gitarrist Folgendes: „I like my first two albums as well, but I consider them to be research. This album is a more gratifying  achievement. If I should attempt to illustrate the progression, I would say that the tones are less significant to me now. The sound is more important. The sound is everything.“

„Preludium“ steht am Beginn des Albums, zu dem auch Titel wie „go with the grain“, „underwater birth“ und „flow“ gehören. Mit „ raindancer“ und „meditation for tina“ wird das musikalische Kaleidoskop abgerundet.

Das „preludium“ von Christer Fredriksen klingt wie die Verfremdung eines klassischen Präludiums. Da mischen sich auch schon mal Sphärenklänge unter die Melodielinie. Hier und da meint man gar, dass man gar keine Gitarre, sondern eher eine moderne, romantische Orgel vernimmt. Auch bei „the day i lived“ scheint es so, dass der norwegische Gitarrist sein Instrument eher in der Verfremdung schätzt, jedenfalls zu Beginn dieser Komposition. Danach jedoch lässt er dem klaren Melodiefluss des Saiteninstruments seinen Lauf, einschließlich Flageolett. Beim Zuhören meint man, dass man das Dahinrinnen der Sanduhr verspürt, sprich die Zeit eines Tages dahinfließt. Vom Klang her gewinnt man den Eindruck, Christer Fredriksen habe sein Album in einer riesigen domartigen Tropfsteinhalle mit besonderer Akustik aufgenommen. Weite versprüht die Komposition, auch dann, wenn die Gitarre seufzt, heult oder „wimmert“.

Bei „underwater birth“ sind keine Klicklaute von Walen oder Walgesänge verarbeitet worden. Doch hören wir da nicht Anmutungen von Keyboards, bisweilen auch von Rhodes, um nicht Fender Rhodes ins Feld zu führen? Ja, mittels elektronischer Zauberkästlein lässt sich eine Gitarre im Klang schon vielfältig manipulieren. Lauscht man intensiver den melodischen Passagen, dann kann man sich dieses Stück gut als musikalische Unterlegung unter Szenen aus einem bunten Korallenriff vorstellen. Dabei tauchen dann vor dem geistigen Auge des Zuhörers auch majestätisch dahingleitende Mantas und Riff-Haie auf. Langsam schwimmende Meeresschildkröten oder auch träge Seekühe, die vorbeiziehen, kann man sich vorstellen. Doch was ist eigentlich mit Unterwassergeburt gemeint?

Alles im Fluss heißt es bei „Flow“. Sehr beruhigende Gitarrenpassagen dringen ans Ohr des Zuhörers, der sich fallen lassen kann. Christer Fredriksen breitet vor uns einen flauschigen Klangteppich aus, der uns zum Verweilen einlädt. Hörgenuss pur! Nein, an Mark Knopfler muss man nicht denken, wenn „raindancer“ erklingt, denn Christer Fredriksen hat seinen eigenen Duktus. Doch so recht bekommt man auch kein Bild von einem beschwörenden Regentanz. Es scheint, als mische der Gitarrist ein bisschen Country mit Rock und Folkrock zu einer besonderen Melange. Hier und da scheint die legendäre Band Crosby, Stils, Nash and Young mit im Spiel sei. Wer immer Tina sein mag, jedenfalls endet das Album mit „meditation for tina“.

Das Album bietet ein überraschendes Klangbild, auch durch die Verfremdungen, die Christer Fredriksen einstreut. Nie wird es langweilig, den Kompositionen zu folgen. Überraschungen halten sie nämlich alle bereit.

Text © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label
Losen records
http://www.losenrecords.no

Christer Fredriksen
http://www.christerfredriksen.com


 Jazz'halo radio by
DJ Ferdinand Dupuis-Panther:

 

Facebook  

Clemens Communications

Jazz Rules Radio

De Werf

VKH Torhout

 

Special thanks to our photographers:

Annie Boedt
Henning Bolte

Cedric Craps
Christian Deblanc

Koen Deleu
Ferdinand Dupuis-Panther
Anne Fishburn
Robert Hansenne
Stefe Jiroflée
Jos L. Knaepen
Hugo Lefèvre

Jacky Lepage
Nina Contini Melis
Arnold Reyngoudt
Willy Schuyten

Frank Tafuri
Jean-Pierre Tillaert
Tom Vanbesien
Geert Vandepoele
Guy Van de Poel
Cees van de Ven
Geert Vanoverschelde
Patrick Van Vlerken
Marie-Anne Ver Eecke

Jan Vernieuwe

and to our writers:

Robin Arends
Henning Bolte
Danny De Bock
Ferdinand Dupuis-Panther
Paul Godderis
Jean-Pierre Goffin
Bernard Lefèvre
Claude Loxhay
Etienne Payen
Herman te Loo
Georges Tonla Briquet
Iwein Van Malderen