Tim Finoulst Trio: Narrative

Tim Finoulst Trio: Narrative

T

Soulfactory Records SFR-CD006

Das vorliegende Album markiert das Debüt des Trios um den Gitarristen Tim Finoulst, der zusammen mit dem Bassisten Martijn Vanbuel und dem Schlagzeuger Daniël Jonkers zu hören ist. Das Repertoire besteht bis auf „I'll Be Seeing You“ aus Eigenkompositionen, die ohne Frage das Melodische und leichte Grooves in den Fokus gestellt haben. Folgt man dem Albumtitel, so kann man Erzählkunst in Noten erwarten. Hören wir also mal ein bisschen, wenn eine Melodie a-Moll ebenso erklingt wie „Harvest“, „Joy“ und am Ende „Strong Woman“.

Schaut man sich die grafische Albumgestaltung an, so sieht man ein Liebespaar am Pier und eine leere Schaukel an einem Baumast. In der Ferne sehen wir ein Passagierschiff, das sich entfernt. Wenn das man nicht bereits bildlich eine Geschichte von Liebe und Sehnsucht, von Fernweh und Abschied erzählt.

Beglückwünschen kann man das Trio zu ihrem Debüt auch wegen der kurzen Anmerkungen zu jedem der Kompositionen. Dazu bedurfte es keines Booklets. Es genügt die Innenklappen des Albums. Worum es bei dem Album geht, bündelt sich in Tim Finoulst nachstehender Bemerkung: „The writing in this album is very much influenced by the idea of composing songs with lyrics. All the melodies are very singable and could easily have words. I believe that the album tells an abstract story ...“ So verwundert es nicht, wenn das Album den Titel „Narrative“, sprich „erzählend“ trägt. Es scheint dann zudem auch nahegelegen zu haben, zu jedem der Songs ein paar Worte zu verlieren. So erfährt man, dass „A Minor Melody“ nicht nur auf dem Album den Anfang macht, sondern auch in Konzerten und die Kommunikation des Spiels untereinander in den Mittelpunkt rückt.  Zudem wird erläutert, dass Martijn Vanbuel beim Titel „Trois Deux Tout Seul“ seine kleine Familie im Sinn hatte. Zugleich aber hatte er auch einen Pop-Song im Kopf, den er dann auch realisierte. Für die Freundin schrieb Tim Finoulst „The Bakery“, so verrät er in der Innenklappe des Albums. Dabei paaren sich in der Musik eine absteigende Basslinie und eine singbare Melodie in C-Dur. Mit ein wenig Blues-Stimmung verabschiedet sich das Trio, so die Eigenaussage, wenn „Strong Woman“ erklingt.

Fürwahr der Beginn des Albums ist überaus lyrisch. Einschmeichelnde Gitarrensequenzen dringen an unser Ohr. Dabei scheinen dann Klassiker wie „Estate“ auch nicht weit. Die Melodieführung liegt eindeutig in den Händen von Tim Finoulst, der uns mit seinem Klanggewebe umspinnt. Würde man einen Film über den Frühling drehen und dabei Menschen einfangen, die die ersten Sonnenstrahlen beim Bummel durch die Alleen und Parks der Stadt genießen, dann würde sich „A Minor Melody“ hervorragend dazu eignen. Losgelöst entwickelt sich die Klangstruktur, Wölkchen gleich schwebt sie dahin. Auch der Bassist trägt zum Abrunden des Songs mit einem Solo bei, bleibt dabei aber sehr zurückhaltend. Das liegt wohl in der Natur des viersaitigen Tieftöners, oder? Gefolgt wird der Eröffnungssong von einer Komposition, die von Sammy Fain stammt: „I'll Be Seeing You“ fügt sich sehr gut ins klangliche Makramee des Trios ein. An Tim Finoulst ist es, mit einem Solo in den Song und dessen Melodiestruktur einzuführen, ehe dann Bass und Schlagwerk ihre Einsätze finden. Sehr getragen erscheint dieser Song vorgetragen, ohne jedoch melodisch ins Melancholische zu verfallen. Kontemplation pur strahlt der Vortrag aus. In hektischen Zeiten wie den gegenwärtigen sind solche Zäsuren dringend geboten und daher von vielen Zuhörern überaus herbeigesehnt.

In 11/8 gesetzt und mit einem starken Beat versehen ist Tim Finoulst Komposition „Joy“. Eigentlich wartet man bei der solistischen Schlagwerkeinführung auf die Entwicklung von afrikanischen oder brasilianischen Beats. Doch auch ohne diese Elemente hat man den Eindruck, Tim Finoulst und seine Mitmusiker würden uns nach Westafrika, in den Senegal oder Mali entführen, auch wenn auf Kalimba und Kora verzichtet wird. Stampfende Tanzbewegung muss man sich hier und da dazudenken, aber nicht meinen, das Trio würde sich an der Musik von Fela Kuti orientieren. Eine gewisse Redundanz ist bei dem Song nicht zu überhören. Das ist auch der rhythmischen Arbeit von Bass und Schlagwerk geschuldet.

Zum Schluss widmet sich das Trio der „Starken Frau“, einem Song in 6/8 geschrieben. Irgendwie überkam mich beim Zuhören die Vorstellung, The Ventures – eine sehr erfolgreiche us-amerikanische Instrumental-Rock-Band der 1960er Jahre – hätte sich hier mit einem Singer/Songwriter zusammengetan. Das von Tim Finoulst im Klappentext postulierte Blues-Feeling ist dabei aus meiner Sicht nur zu erahnen. Ich will nicht verhehlen, dass das Album keine vertrackten Jazzsequenzen und Improvisationen enthält. Das ist ja auch nicht Anspruch des Trios. Lyrizismus, bisweilen auch in romantischer Ausprägung, steht ganz oben auf dem Notenzettel der Band – und das ist auch gut so!

Text © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label
SFR
http://www.soulfactory.be

Musiker
Tim Finoulst
http://www.timfinoulst.com/


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