Nypan: Stereotomic

Nypan: Stereotomic

N

Losen Records LOS 168-2

Der Gitarrist Øyvind Nypan hat sich für die Live-Einspielung des vorliegenden Albums den Pianisten Bernt Moen, den Bassisten Egil Kalman und den Drummer Ole Mofjell mit ins Boot geholt.

Alle Kompositionen des Albums stammen von Øyvind Nypan angefangen bei „Heavy Hangs The Head“ und „Piece For Peace“ bis hin zu „The Big Rumble Tumble“, „Paris“ und schließlich als Schlussakkord „This Old Thing“.


Der Albumtitel leitet sich aus dem Griechischen her und bezeichnet die geometrischen Kenntnisse für das Schneiden von Steinblöcken. Was das allerdings mit den live eingespielten Stücken zu tun hat, erschließt sich eher weniger. Das gilt auch für das Cover, das einen von Stürmen gepeitschten, ganz schief gewachsenen Baum vor düsteren Wolkenschlieren zeigt. Beim Anblick muss man unwillkürlich an die Malerei eines Casper David Friedrich denken – und auch das scheint wenig zu den aufgenommenen Kompositionen zu passen, von denen die eine oder andere dem Blues ebenso zugetan ist wie dem Tango.

Aufgemacht wird mit„Heavy Hangs The Head“. Dabei überrascht das über dem Tangorhythmus schwebende Saitenspiel, das von besonderer Leichtigkeit ist. Zu vergleichen ist es mit einem milden Frühlingswind, der durch das erste frische grüne Laub streicht, derweil Schäfchenwolken am Himmel vorüberziehen. Das ist von den Hörfarben her sehr überraschend, denn der Titel des Stücks lässt eher an einen mächtig schweren Kopf nach durchzechter Nacht denken. Mit ähnlicher Leichtigkeit wie Nypan ist auch der Pianist Bernt Moen bei seinem Solo unterwegs. Ein steter, sachter Fluss von Akkorden und Tönen ergießt sich, so als wären kleine Stromschnellen musikalisch einzufangen.

Auch einen Friedenssong hat Nypan auf diesem Album eingespielt: „Piece for Peace“. Das Melodische drängt sich auch hier auf. Man könnte von einem ausgesprochen lyrischen Charakter der Komposition sprechen. Gleichsam erzählerisch entwickelt sich das Stück, dessen Klangfarbe von Nypans feinmaschigem Gitarrenspiel bestimmt wird. Beinahe mit eben solcher Beschwingtheit wie Nypan ist auch der Bassist Egil Kalman zu vernehmen, wenn er sein Solo vorträgt. Mit der dem Fortgang der Musik scheint auch der Zuhörer immer mehr in Tiefenentspannung zu verfallen. Wenn nicht, dann ist zumindest Kontemplation das Gebot der Stunde. Enthasten steht auf dem Programm, so scheint es die Band um Nypan zu verordnen.

Im Pressetext zu „The Resignated Driver“ ist davon zu lesen, dass diese Komposition Anmutungen von McCoy Tyner und Elvin Jones habe, ohne das allerdings zu spezifizieren. Es perlen die melodischen Linien, die auf dem schwarz-weißen Tastenmöbel gespielt werden. Dabei scheint Dramatik nicht auf der Tagesordnung zu stehen, wenn auch das Perlen sich verstetigt und auch  zunimmt. Doch irgendwie umschmiegt das Spiel den Zuhörer. Das gilt auch für das Gitarrensolo, das sich anschließt. Wollte man ein Bild für den Melodiefluss von Nypan finden, so könnte man sich Kajaks vorstellen, die bei nahezu spiegelglattem Wasser unterwegs sind, pfeilschnell natürlich das Wasser durchpflügend.

Mit einem sehr energetischen Klavierspiel, das sich als ostinato erweist, beginnt „The Big Rumble Tumble“, ehe darüber Nypan seine Saitenklänge platziert. Das eher basslastige Klavierspiel ist auch beim nachfolgenden Solo präsent. Irgendwie scheint das eine gewisse Erdigkeit auszudrücken, ganz im Kontrast zu dem sonst eher präsentierten Schwebenden und Leichten. Allerdings befreit sich Bernt Moen zeitweilig davon und ergeht sich in sehr freiem, explosivem Spiel. Nypan fügt nachfolgend wieder eine leichte Würze bei, um das Stück für die Zuhörer zu einem akustischen Leckerbissen zu machen.

Zum Schluss heißt es „The Old Thing“. Ohne Frage erhält hier der Blues eine sehr gut abgestimmte Frischzellenkur, zeigen sich Bernt Moen und Nypan in all ihren Facetten, auch des losgelösten Phrasierens und Paraphrasierens.

In diesen stürmischen Zeiten ist das Album Balsam für die Seele. Entspannung pur ist angesagt, wenn man Nypan und Bernt Moen zuhört. Kopfgeburten bleiben außen vor – das ist sehr zu begrüßen. Stattdessen ist die Schönheit der Melodie das Credo der Band.

Text © ferdinand dupuis-panther

Informationen

Label
Losen Records
http://www.losenrecords.no

Musiker
Øyvind Nypan
https://www.facebook.com/Nypanmusic/


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