Kalle Kalima: High Noon

Kalle Kalima: High Noon

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ACT

Der aus Finnland stammende, aber seit Jahren in Berlin residierende Gitarrist Kalle Kalima hat sich mit dem Kontrabassisten Greg Cohen und dem Schlagzeuger Max Andrzejewski zusammengetan, um Country und Western Music in neuem Gewand zu präsentieren. Dass der Filmtitel „High Noon“ - in der Hauptrolle Gary Cooper – auch als Albumtitel dient, muss als bewusste Entscheidung gewertet werden. In der Mittagshitze werden wir auf eigenwillig gestrickte Klänge eingestimmt, auch wenn immer wieder die bekannten Themen wie zum Beispiel aus „Ghost Riders In The Sky“ auszumachen sind. Mitsummen ist keine Frage.

Kalle Kalima präsentiert hier kein Tribute- und auch kein Cover-Album, sondern lässt uns seine eigenwillig verschlungenen Klangwege aufspüren, mit und ohne Flageolett. Ja, irgendwie überkommt den Zuhörer auch ein wenig Lagerfeuer-Romantik, wenn wir „Ghost Riders In The Sky“ hören. Zuvor hat sich Kalle Kalima jedoch eines alten Shanties angenommen: „Santy Anno“. Im Kern jedoch widmet sich das Trio einigen Soundtracks aus dem oben genannten, 1952 gedrehten Western „High Noon“. Dazu gehört der  Song aus dem Film mit dem Titel „High Noon“. In die Welt der Revolverhelden passt jedoch nicht „Jääkärimarssi“, auch wenn bei diesem Titel ab und an die Saiten der Westerngitarre zu schwirren scheinen. Es handelt sich bei diesem Song, wenn sich der Rezensent nicht irrt, um den 1917 komponierten „Jägermarsch“ von Jean Sibelius. Die Verse des Songs lauten u. a.: „ Our strike is deep, unbeatable hate, /we don't show mercy, we don't have a homeland. / All of our happiness is at the tip of our swords, / our hearts can not soften. ...“. So paart sich bei Kalle Kalima Cowboyromantik mit finnischen Hurra-Patriotismus, was gewöhnungsbedürftig erscheint.

Zu den Ohrwürmern der Popularmusik der letzten Jahrzehnte gehört der mit tiefer, rauchiger Stimme von Leonard Cohen vorgetragene Song „Halleluja“, den Kalle Kalima auf seine Weise interpretiert. Es ist ähnlich wie „Like A Motherless Child“ eine Hymne einer heute längst ergrauten Generation. Umso erstaunlicher erscheint der Tatbestand, dass sich der einer anderen Generation angehörende Kalle Kalima gerade mit Country Music beschäftigt hat.

Hören wir mal zunächst, was Kalima zu seinem Album zu sagen hat: “The challenge here was to give our individual take on country music the feel of some real variety. We wanted to tease everything that we could out of it, but needed to do it without disturbing the foundations.” Und weiter: “It’s about getting to the heart of the matter. This album is in the form of a road trip which passes through various landscapes. There’s not too much to-ing and fro-ing, I’ve stuck to a tight unifying concept here: it’s in the mould of “Kind of Blue”, but with country-jazz.”

Das Album beginnt wie gesagt mit „Santy Anno“, setzt sich mit „12 Uhr Mittags“ und „El Paso“ fort und endet mit „South Of The Border“. Insgesamt 13 Titel hat das Trio eingespielt. Bisweilen überkommt den Zuhörer der Eindruck, „Bonanza“, „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Cowboy Fuzzy“ seien ganz gegenwärtig. Irgendwie kommen dem einen oder anderen beim Zuhören auch Johnny Cash und Dolly Parton in den Sinn. Der Wilde Westen der USA ist musikalisch hautnah spürbar, wenn man Kalle Kalima zuhört. Verklärte Westernromantik ist darin auch ein wenig eingeschlossen.

Ein gewisses Rätsel gibt allerdings das Cover des Albums auf: Ein halbnackter Kerl, das eine Bein kerzengerade in die Luft gestreckt und auf dem Fuß ein Weinglas balancierend, liegt im dichten Gras und scheint schon ein wenig angetrunken. Was hat das nun mit „High Noon“ oder „12 Uhr mittags“ zu tun? Finnische Ironie? Finnischer Sarkasmus im Geiste von Aki Kaurismäki?

Schließlich bleibt noch eine Frage: Wieso hat sich Kalle Kalima bisher noch nicht mit dem musikalischen Schaffen von Ennio Morricone befasst, der ganz wesentlich für die Filmmusiken moderner Westernfilmen verantwortlich zeichnet? Man denke nur an „Once Upon a Time in the West“ („Spiel mir das Lied vom Tod“) und „The Good, The Bad and The Ugly“. Wer weiß, vielleicht ist dies ja das nächste Projekt des umtriebigen Gitarristen Kalle Kalima.

Text: © ferdinand dupuis-panther

Informationen

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Musiker
Interview mit Kalle Kalima in Jazz'halo
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